Page 15 - Gedenkschrift Philipp Franz von Siebold zum 150. Todestag (Auszug)
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BRUNO J. RICHTSFELD

DIE JAPANSAMMLUNG

DES
MUSEUMS

FÜNF KONTINENTE



ie Tradition des Sammelns von ethnographischen Raritäten, da-
D
runter befanden sich natürlich auch Japonica, lässt sich für Mün-
chen zum einen zurückverfolgen auf die Raritätensammlung des
Jesuitenpaters Ferdinand Orban, zum anderen auf das Raritätenkabinett
der Wittelsbacher des 16. und 17. Jahrhunderts. In diesen Raritätenkam-
mern wurden zoologische, botanische und geologische Objekte sowie
Werke der Kunst und des Kunsthandwerks, darunter auch Ethnographica
gesammelt. Diese Sammlungen sollten nun nicht mehr nur den Reichtum
des Besitzers zur Schau stellen, sondern sie sollten als Schaubühne der
ganzen Welt, als begehbare Enzyklopädie ein Bild der gesamten Natur
und der gesamten Menschheit vermitteln. Nur Weniges hat sich nachweis-
lich aus der Frühzeit der Wittelsbacher Sammlungstätigkeit in den heute
bestehenden Münchner Sammlungen erhalten. Die Berichte von diesen
Kabinetten, z.B. das berühmte Inventar der Wittelsbacher Kunstkammer
von Johann Baptist Fickler aus dem Jahr 1588 listen die Objekte auf, be-
schreiben sie aber nicht, und zudem entsprechen die Zuschreibungen dem
Kenntnisstand der Zeit. So wurden viele Objektgruppen als „indianisch“
bezeichnet, ein Begriff, der amerikanische, indische und ostasiatische Ge-
genstände umfasste. Das Ficklersche Inventar verzeichnet insgesamt 3407
Objekte. Als früheste, heute noch erhaltene japanische Objekte aus dem
Bestand dieser Wunderkammer-Sammlung sind zwei Blauweiß-
Deckeldosen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts erhalten, die im Münch-
ner Residenzmuseum zu sehen sind. Aus der Zeit davor konnten bisher
keine japanischen Objekte aus dem Besitz der Wittelsbacher identifiziert



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