Page 5 - Gedenkschrift Philipp Franz von Siebold zum 150. Todestag (Auszug)
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ANDREA HIRNER

PHILIPP FRANZ VON SIEBOLD

UND SEINE

BEZIEHUNG

ZU

BAYERN UND MÜNCHEN





1820 schloss in Würzburg der junge Philipp Franz von Siebold sein Medi-
zinstudium ab, für das er ein Stipendium des bayerischen Königs Max I.
Joseph für das ehemalige adelige Seminarium zu Würzburg erhalten hatte.
Er war aber nur kurze Zeit als Arzt in Heidingsfeld tätig und trat 1822 mit
Erlaubnis des Königs in holländische Dienste. Die Niederlande wollten
ihre medizinische Versorgung in ihren überseeischen Besitzungen stärken
und benötigten dringend junge Männer dafür. Das kleine Land brachte
nicht selbst genügend von ihnen auf.
Anders als Auswanderer konnte Siebold entsprechend § 11 des „Edic-
tes über das Indigenat“ (1. Beilage zur Baierischen Verfassung von 1818)
dabei seine Zugehörigkeit zum Königreich Bayern beibehalten. In Japan
galt er allerdings als Holländer, weil offiziell nur solche die Insel Deshima
im Hafen von Nagasaki betreten durften, und er mit einem holländischen
Pass auf die Insel kam. Nur langsam setzte sich die Erkenntnis durch, dass
er ein Sohn Bayerns (bzw. Frankens) war. Die zweifache Staatsbürger-
schaft und die Tatsache, dass er lange im niederländischen Staatsdienst
war, führten dazu, dass er nach seiner Rückkehr zuerst in den Niederlan-
den ansässig wurde. Der niederländische Staat hatte seine Forschungen in
Japan finanziert und wollte die Ergebnisse für sich nutzen.
Dann rückten seine Aufenthalte immer weiter nach Süden vor, auch
weil er und seine Frau Helene, die er 1845 geheiratet hatte, das feuchte
Klima in Holland nicht vertrugen. 1847 zog er nach Boppard am Rhein in


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