Page 6 - Gedenkschrift Philipp Franz von Siebold zum 150. Todestag (Auszug)
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das ehemalige Kloster St. Martin, das er gekauft hatte, und 1853 nach
Bonn, wo er im Haus Nummer 972 am Koblenzer Tor direkt bei der Uni-
versität wohnte. Schließlich nach Würzburg. Dort lebte seine Familie, die
inzwischen auf fünf Kinder anwuchs, in der Teufelstorgasse. Besonders in
seinen späteren Lebensjahren, als ihn verschiedene Ereignisse von Holland
entfremdet hatten, wurde München immer wichtiger für ihn. Seine letzten
Lebensmonate verlebte er hier, und auch seine letzte Ruhestätte fand er in
München.
N
ach seiner Rückkehr aus Japan von seinem ersten Aufenthalt
stand die wissenschaftliche Auswertung seiner Forschungen in
Japan und ihre Publizierung im Vordergrund seiner Arbeit. Die
ersten Lieferungen dieser Werke erschienen ab 1832 in Leiden: „Nippon“,
„Flora Japonica“ und „Fauna Japonica“. Um Gelder dafür zu beschaffen,
da er sie selbst herausgeben und drucken lassen musste, plante er den
Verkauf seiner umfangreichen Sammlung, die er in den Jahren von 1823
bis Ende 1829 auf Deshima zusammengetragen hatte und nun in seinem
Wohnhaus in Leiden öffentlich ausstellte.
Diese Sammlung war eine Sensation. Noch nie hatte das Publikum in
dieser Fülle und Zusammenstellung Japan präsentiert gesehen: Kunst-
und Alltagsgegenstände, kultische Objekte und Naturalien, Bücher, Schrif-
ten und Karten, er hatte alles gesammelt, was zusammengenommen ein
Bild dieses noch immer sehr unbekannten Reiches in Ostasien erlauben
sollte. Er hatte auch bereits eine feste Vorstellung davon, wie eine solche
Sammlung gezeigt werden sollte. Als mögliche Käufer kamen Staaten,
Regierungen oder Herrscher in Frage, und dabei dachte er „als treues
1
Landeskind“ auch an Bayern. Bereits am 21. April 1835 wies Siebold in
einem Schreiben an den damaligen bayerischen König Ludwig I. auf die
Notwendigkeit der Gründung eines „Ethnographischen Museums“ hin.
„Der Zweck eines ethnographischen Museums ist Verbreitung der Kennt-
nisse von Ländern und Vōlkern im allgemeinen ...“ 2
Zu diesem Zeitpunkt war ein solcher Begriff noch nicht gebräuchlich,
der Schritt von der privaten Sammlung eines Fürsten oder Forschers zur

1 Als solches bezeichnet sich Siebold in seinem Schreiben an König Ludwig II. v. 1.11.1864,
SABB, V, 127.
2 Müller, Claudius C.: 400 Jahre Sammeln und Reisen der Wittelsbacher, Ausstellung d. Lan-
desregierung Rheinland-Pfalz, München, 1980/81, S. 1-20, dort auf S. 20 auch Abb. d. Brie-
fes v. Siebold.



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