Page 7 - Gedenkschrift Philipp Franz von Siebold zum 150. Todestag (Auszug)
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wissenschaftlichen Erarbeitung fremder Lebenswelten und Kulturen nicht
getan. Siebold griff damit seiner Zeit weit voraus.
Sein Gedanke eines Verkaufs nach Bayern war dennoch nicht abwegig,
denn auch in München sammelte man völkerkundliche Gegenstände. In
früheren Zeiten waren Kuriositäten aus aller Welt in den privaten Schatz-
und Wunderkammern der Wittelsbacher Landesherren angehäuft worden.
Doch um 1800 hatte sich das Interesse an der Welt verändert. Das Volk
sollte nun unterrichtet werden und am Weitblick seiner Fürsten teilhaben.
Durch die zahlreichen Forschungsreisen dieser Zeit rückte die außereuro-
päische Welt immer näher. Besonders König Max I. Joseph und sein Sohn,
der spätere König Ludwig I., waren an der Völkerkunde interessiert. Das
Meiste, das bisher von diesen beiden Herrschern an ethnologischen Objek-
ten angekauft und zusammen getragen worden war, wurde unter König
Ludwig I. im Obergeschoss der nördlichen Hofgartenarkaden bei der Re-
sidenz ausgestellt. Im Jahr 1827 hatte der Regent - immer in dem Wunsch,
mit dem reichen kulturellen Erbe seines Landes den Ruhm des Staates zu
mehren -, bereits vorhandene Sammlungen der Königlichen Akademie der
Wissenschaften zu den „Vereinigten Sammlungen des Staates“ fusioniert.
Dazu gehörte nun auch die ehemals königlich-private ethnologische
Sammlung.
A
m 25. März 1835 war Siebold für einen Monat in München, zu
„wissenschaftlichen Zwecken“, wie die Münchner Polizeibehörde
vermerkte. Er war im Sommer 1834 zu einer Werbereise für seine
Werke aufgebrochen, die ihn nach St. Petersburg, Moskau, Dresden sowie
Wien und Anfang Februar 1835 nach München führte. Siebold bot in sei-
nem Schreiben vom 21. April König Ludwig I. offen große Teile seiner
Sammlung an, „welche ich gerne in meinem Vaterlande Bayern bewahrt
sähe … Ich würde mich geschmeichelt fühlen, wenn Euer Majestät sich zu
dem Ankauf der fraglichen Sammlung entschließen ...“. Interessiert war
der Regent sicherlich, aber vielleicht war ihm der Preis dann doch zu hoch,
oder das Land Japan zu weit abgelegen. 1835 war der König überdies sehr
mit seinen Bauten in München beschäftigt. Vielleicht trug auch Siebolds
Schreiben an ihn daran schuld, denn das zielte eher auf die Niederlande
als auf Bayern, wenn er schreibt: „Eine solche Anstalt zur Ausbreitung von
geographischen Kenntnissen wird unstreitig den größten Nutzen in einem
Lande bringen, dass sein Bestehen in Handel und Seefahrt hat.“
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3 Müller, s.o., S. 19.



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