独日協会 Deutsch-Japanische Gesellschaft
in Bayern e.V.

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Tagesveranstaltung der DJG in Bayern e.V.

Brillen (Megane)
(Vom Urlaub auf einer Insel erzählt dieser Film)

Donnerstag, 13.09.2012 (Beginn: 19:00 Uhr)

Als die junge, gestresste Professorin und Großstädterin Taeko ihren Frühjahrsurlaub auf einer kleinen Insel zu verbringen gedenkt, ist sie bei Ankunft in ihrer Ferienpension überrascht: außer ihr gibt es keine Gäste in dieser Idylle. Die Frage nach dem Warum, klärt sich schnell, es gibt hier absolut nichts zu tun. Die Menschen verbringen ihre Zeit mit Morgengymnastik am Strand, gutem Essen und ansonsten mit ausgiebigem "Dämmern“. Eine erste Übernachtungsmöglichkeit findet Taeko in der Absteige Hamada, die der junge Yûji auf unkonventionelle Weise betreibt. Jedes Jahr im Frühling trifft sich dort eine Handvoll skurriler Gestalten, die dem Ort eine eigentümliche Ausstrahlung verleihen, darunter die Biologielehrerin Haruna und die schon etwas ältere Sakura, die an einer Strandbude Eis mit Sirup ausgibt. Ebenfalls nur im Frühling treffen sich die Inselbewohner zur täglichen „Dankes-Gymnastik“ am Strand. Auch wenn Taeko anfangs noch sehr irritiert ist, taucht sie mit der Zeit immer mehr in die leichte und gelassene Atmosphäre des ungewöhnlichen Insellebens ein.

Naoko Ogigami, geb. 1972 in der Präfektur Chiba, ging nach dem Studium an der Universität in Chiba 1994 in die USA, um hier an der University of Southern California Film zu studieren. Sie realisierte eigene Kurzfilme und „Megane“ ist bereits ihr vierter Spielfilm.

Regie: Naoko Ogigami / Buch: Naoko Ogigami
Darsteller: Satomi Kobayashi, Mikako Ichikawa, Ken Mitsuishi, Masako Motai, Ryo Kase
Japan 2007 / Länge: 106 Min. / Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln

Nur Japaner können Geschichten, in denen praktisch absolut nichts passiert, so schön erzählen. Megane gibt inhaltlich nicht viel her, da die Protagonisten nicht viel anderes machen als zu Essen, zu reden und aufs Meer zu gucken, und obwohl die Inszenierung derart gemütlich ist, dass man leicht in den Halbschlaf fallen kann, so offenbart sich hier doch ein liebevoller, schöner und manchmal sogar weiser Film.
Regisseurin Naoko Ogigami scheut sich nicht davor, selbst zentrale Aspekte um das Leben der Figuren vage zu lassen oder gar ganz auszusparen. So ist sehr wenig über Taeko bekannt. Wieso kann sie so lange Urlaub machen? Was genau trieb sie aus der Stadt auf die Insel? Wer ist der junge Yomogi (Ryo Kase), der plötzlich auftaucht und Taeko Professorin nennt? Auch die restlichen Figuren werden nur spärlich definiert. So stellt Taeko einmal die berechtigte Frage, wer Sakura eigentlich sei: Yujis Geliebte? Seine Mutter? Ein Gast? Ein Geist? Die Frage wird aber einfach ignoriert. Und so bleibt bis zum Schluss ein Rätsel, wie die fünf Protagonisten überhaupt zueinander stehen.

Nur eines ist deutlich: Sie tragen alle Brillen. Warum? Das bleibt offen; ebenso, warum wegen dieser Kleinigkeit gleich der ganze Film so heissen muss: "Brillen". Doch Ogigami achtet in ihrer Story gerne auf Kleinigkeiten, daher scheint es durchaus Sinn zu machen, den Film auch danach zu benennen. Die kleinen Gesten, die banalen Dinge stehen im Vordergrund. Das Aufwachen, das Essen, das Sitzen am Strand. Oder , das, was die Leute in "Brillen" immer wieder twilighting nennen. Definieren lässt sich das, wie fast alles in dem Werk, nur schwer. Es handelt sich eher um ein Gefühl als um eine Aktion. Der schwebeartige Zustand in der Dämmerung, wenn das Leben zum Halt kommt und man am Strand den Sonnenuntergang beobachtet, mit Freunden gemütlich schwatzt, strickt oder einfach nur da sitzt. "Glasses" zelebriert das twilighting. Er ist twilighting: meditativ, langsam, schön.

Hin und wieder verfallen die Charaktere dem Abspulen von Kaffeerahmdeckel-Weisheiten, manche Szene wirkt affektiert in ihrer Weltfremdheit und das Nicht-Beantworten von selbst zentralen Fragen strapaziert die Geduld etwas - doch Naoko Ogigami legt nichtsdestotrotz einen sehenswerten Film vor. Sie fragt mit diesem sehr ruhigen Film wie nebenbei danach, was man vom Leben erwartet, mit was man zufrieden ist, wo man seinen Platz in der Gesellschaft findet. Da ähnelt Megane sehr dem Vorgänger Kamone Shokudo, in der die Protagonistin als Exilantin ein kleines Lokal in Finnland aufgemacht hatte. Megane ist jedoch noch ruhiger, betörend stilsicher und vor allem in seinem lakonischen Humor unglaublich witzig. Nicht nur wachsen einem die Charaktere ans Herz, die langen Einstellungen und minimalen Kamerabewegungen verdeutlichen auch dem Zuschauer die Gemächlichkeit der Ereignisse, welche so erst den Blick frei machen für die Schönheit der alltäglichen Dinge.

Ein sehenswerter, subtil-stilvoller Film, der auch mit kleinen Weisheiten glänzt - wie etwa der, dass eine Pflaume am Morgen den Tag sorgenfrei hält. Wieder was gelernt.

Eintritt / Teilnahmegebühr

Der Eintritt ist kostenlos. Wegen des zu erwartenden Andrangs ist rechtzeitiges Erscheinen angesagt

Veranstalter

DJG in Bayern und Münchner Stadtbibliothek am Gasteig mit Unterstützung des japanischen Kulturinstituts Köln

Veranstaltungsort

Vortragssaal der Münchner Stadtbibliothek am Gasteig, Rosenheimer Str. 5, München

Inhalt und Layout © Deutsch-Japanische Gesellschaft in Bayern e.V.

Marienplatz 1 / II, 80331 München, Telefon: <+49 89 221863>, Telefax: <+49 89 2289598>
E-Mail: <djg-muenchen@t-online.de>, Internet: <http://www.djg-muenchen.de/>
Bürozeiten: Montags und Donnerstags jeweils von 10:00 Uhr bis 12:30 Uhr

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