Japan A–Z

Das Japan A-Z soll Lust machen, Japan und seine Menschen etwas besser kennenzulernen. Diese vergleichsweise kleine, bescheidene, von DJG-Mitglied Martin Lutterjohann (Autor von Japan-Büchern, z. B. „Japan“ in der Kulturschock-Reihe des Reise Know-How Verlages) ausgewählte und bearbeitete Auflistung von Begriffen, die mit Japan verbunden sind oder deren Verbindung zu Japan aufzeigen soll, ist ein lebendiges Projekt, das ständig korrigiert oder erweitert werden kann. Wenn Sie anregen, dass neue Begriffe aufgenommen werden oder Inhalte korrigiert werden sollten, sind Sie herzlich eingeladen, sich an muenchendjg@gmail.com mit dem Betreff: Japan A-Z zu wenden. Auch können Sie passende Fotos beisteuern. Die einzelnen Begriffe werden bewusst recht kompakt abgehandelt und sind so „leichter verdaulich“. Wer sich für ein Thema tiefer interessiert, erhält Links zu Beiträgen auf Wikipedia oder anderen Webseiten. Viel Vergnügen beim Surfen!

A

Abakus/soroban


Der „soroban“ (そろばん) wurde im 14. Jh. aus China eingeführt, wo er suanpan heißt. Erst um 1930 erhielt er das heutige Aussehen mit nur vier „Erdperlen“ unterhalb des Steges und einer „Himmelsperle“ oberhalb. In China ist der suanpan bereits seit der Han Dynastie etwa ab dem 2.Jh. in Gebrauch. Der römische Abacus gilt nicht als Vorläufer des soroban. Sein Gebrauch wird heute seit Einführung der Taschenrechner in öffentlichen Schulen nicht mehr gelehrt. Aber es gibt noch viele Eltern, die ihre Kinder das Rechnen mit dem soroban erlernen lassen, weil es das Kopfrechnen fördert.

Seit Waren mit Barcodes versehen sind, werden weder Taschenrechner noch soroban zum Addieren von Preisen verwendet. Doch er ist – wie man in kleineren Läden an der Kasse beobachten kann, in Japan immer noch beliebt. Manche sind so geübt mit dem „soroban“, dass sie den Betrag der Registrierkasse mit der Hand noch einmal nachprüfen. Der „soroban“ beherrscht nur die vier Grundrechenarten (plus Wurzelziehen), das dann aber so schnell wie mit dem Taschenrechner. Wer mit dem soroban gut umgehen kann, ist im Kopfrechnen ebenfalls gut, denn er kann sich bildlich die Lösung vorstellen. Bisweilen sah der Autor einmal die Cousine seiner Frau bei einer etwas umfangreicheren Rechnerei mit den Fingern an der Tischkante das Hin- und Herschieben der Kugeln simulieren, während sie die Aufgabe im Kopf rechnete (jap. anzan). Der russische und chinesische Abakus mit den dicken Perlen hat über dem Quersteg zwei Perlenreihen, zum Addieren und Subtrahieren werden aber auch dort nur die näher am Steg gelegenen Perlen verwendet: die 5er-Reihe: 5, 50, 500, 5000, darunter sind die Einerperlen 1, 10, 100, 1000 etc. Durch das Komplementärsystem lassen sich die Rechnungen einfach durchführen:

10 = 1+9, 2+8, 3+7, 4+6, 5+5 5 = 1+4, 2+3

Bei der leichten Aufgabe 10 minus 4 wird eine 10er-Perle vom Steg weg-, dafür in der 1er-Reihe eine 5er-und eine 1er-Perlen zum Steg hingeschoben, denn um 4 zu 10 zu ergänzen, muss man 6 hinzufügen (das Ergebnis wird immer am Steg angezeigt. Die Perlen werden entweder dort hin- oder von dort weggeschoben). Das System geht rasch in Fleisch und Blut über. Es ist eine andere Art von Arithmetik, die uns zunächst umständlich erscheint. Geübte Soroban-Rechner haben die Prozedur aber automatisiert.




Aberglaube


Wie Menschen überall sind auch Japaner empfänglich für Aberglauben. In der Regel geht es immer um Abwenden von Unglück und Fördern von Glück. Sprachlicher Gleichklang mit Worten, die mit Unglück und Leid belastet sind, führt zu deren Vermeidung. Da die japanische Schrift ursprünglich aus China übernommen wurde und es im Chinesischen nur rund vierhundert unterschiedliche Silben gibt, die mittels der vier Tonzeichen zwar vervierfacht werden können, im Japanischen aber nicht auf diese Weise unterschieden werden, gibt es zahlreiche gleich klingende Worte, die aber ganz unterschiedliche Bedeutung haben. Am bekanntesten ist shi = vier, das genau so klingt wie shi = Tod. Also gibt es in Hotels üblicherweise kein Stockwerk oder Zimmer, in dem 4 vorkommt. Dagegen spielt in Japan die 13 keine Rolle, es sei denn, man nimmt Rücksicht auf bei uns üblichen Aberglauben. Auf Entbindungsstationen gibt es garantiert kein Zimmer 43, das könnte shi-san gelesen werden und klingt damit wie shizan死産 = Todgeburt. Man schenkt logischerweise nie ein aus vier Dingen bestehendes Set, eher drei oder fünf, usw. Die Zahl 9 wird ku gelesen, so wie das Wort für Qualen, Folter. Kein Wunder, dass man keine Kämme (kushi) verschenkt, das klingt nämlich wie zwei „vorbelastete“ Zahlen: 9-4 = ku-shi.

Tabu ist für Japaner verständlicherweise vieles, was sie mit Tod in Verbindung bringen, was uns aber nicht weiter verwerflich vorkommen würde: Essstäbchen senkrecht in die Reisschale stecken (so stellt man Opfer vor den Hausaltar für die verstorbenen Familienmitglieder, man nennt sie hotokebashi); Essen mit Stäbchen aufnehmen und an andere Stäbchen weiterreichen (so werden nach der Verbrennung die Knochenreste aus der Asche aufgenommen und weitergegeben); mit dem Kopf nach Norden schlafen (so bettet man die Toten). Wer an einer Trauerfeier teilnimmt, wirft hinterher etwas Salz zur Reinigung über sich. Und da gibt es eine instinktive Reaktion: fährt ein Leichenwagen vorbei, versteckt man den Daumen einer Hand: Daumen heißt oya-yubi, also Elternfinger, und man möchte damit quasi die Eltern vor dem vorzeitigen Tod schützen.

Manche Tabus reflektieren sinnvolles Verhalten und werden quasi zur Erziehung eingesetzt: man tritt nicht auf die Ränder von Tatamimatten, das bringe Unglück (erschließt sich nicht auf Anhieb, die Ränder der Matten sind jedoch deren empfindlichster Teil). Anstatt sich nach dem Essen hinzulegen, soll man sich bewegen, sonst wird man zur Kuh oder zum Schwein oder als solche wiedergeboren? Da gehen die Meinungen freilich auseinander, wenn man das bei uns gebräuchliche Sprichwort: „Nach dem Essen sollst Du ruhen oder…. bedenkt.

Zu Tieren gibt es manchen Aberglauben. Katzen gelten z.B. eher als Glücksbringer, denken wir an die Winkekatze maneki neko 招き猫, die Kunden ins Geschäft locken soll. Läuft einem eine schwarze Katze über den Weg, bringt das Glück, auch Spinnen am Morgen, das Gegenteil ist der Fall, wenn man sie am Abend sieht, dann sollte man sie töten. Das deutsche Sprichwort „Spinne am Morgen…“ bezieht sich jedoch auf die Tätigkeit des Spinnens. Raben gelten als Unglücksboten.




Abwehrzauber und Glücksbringer


Anders als im Hinduismus oder Theravada-Buddhismus, wo die Menschen gute Taten vollbringen und Tempel u.a. unterstützen, um ihr „Punktekonto“ des eigenen Karma für die nächste Wiedergeburt aufzufüllen, geht es den Menschen im Japan mehr um diesseitigen Nutzen, genze riyaku 現世利益 genannt, verkürzt auch go-riyaku 御利益. Zur Wunscherfüllung gibt es mehrere Möglichkeiten.

Für große Dinge wie Hausbau, Hochzeit, Geschäftsgründung lassen Familien in →Shintô-Schreinen eigene Rituale durchführen, für →Begräbnisfeiern und Gedenkzeremonien sind dagegen fast durchwegs buddhistische →Tempel zuständig.

Für die alltäglichen Wünsche gibt es mehrere Möglichkeiten:

Amulette erhält man nicht auf besonderen Märkten (wie etwa in Thailand) sondern sowohl in Tempeln wie in Schreinen. Sie heißen o-mamori (お守り). Es handelt sich um kleine bestickte Beutel, die einen Papierstreifen, auf dem sich Kanji mit Schutzbedeutung befinden (o-fuda), enthalten, es kann statt Papier auch ein Stück Holz sein, oder im Falle eines Fruchtbarkeitsamuletts ein kleiner vergoldeter Penis. Es gibt sie als allgemeinen Schutz vor Unglück oder speziell für das Bestehen von Examen, zum Finden des idealen Ehepartners, zum Schutz vor Krankheit, für leichte Geburt oder schnellen Tod. Man „spendet“ zwischen 300 und 1000 Yen. Da Kultstätten keine staatliche Unterstützung (mehr) bekommen, müssen Schreine und Tempel in gewisser Weise geschäftstüchtig sein, um wirtschaftlich überleben zu können und gehen daher manch innovative Wege. Einig sind sie sich darin, dass die Wirkung der Amulette nach einem Jahr verfällt und man sie daher nach Neujahr zur Verbrennung zurück gibt und ein neues erwirbt. O-mamori sind auch beliebte →o-miyage.

Omikuji 御神籤, die in Schreinen und Tempeln erhältlichen Wahrsagezettel, sind sowohl Opfergaben als auch Orakel, die einem für unterschiedliche Anliegen kleines, mittleres oder großes Glück verheißen, im schlechtesten Fall kein Glück. Zieht man im Schrein oder Tempel eine Niete, knotet man den gefalteten Zettel an einen Ast oder eine andere Vorrichtung nebenan, und hofft so, mögliches Unglück abzuwenden, verheißt der Zettel Glück, bindet man ihn zur Erfüllung ebenfalls an einen Ast oder eine entsprechende Vorrichtung.

Ema 絵馬sind vergleichbar mit unseren Votivtafeln. Auf der Vorderseite ist ein meist farbiges Symbol des Schreins oder Tempels aufgedruckt, die Rückseite ist frei für Wünsche an den/die kami des Schreins bzw. die Schutzgottheit/-patronin des Tempels. An Schreinen, die für Examen bevorzugt aufgesucht werden, wie dem Yushima Tenjin in Tokyo, hängen sie zu Tausenden an den Gestellen.

Engimono sind Gegenstände, die der Wunscherfüllung dienen:

Die →Daruma-Figuren gelten auch als Glücksbringer. Hat man besondere Wünsche, malt man ein Auge schwarz, im Jindaiji in Tokyo macht dies ein Priester. Erfüllt sich der Wunsch, malt man auch das zweite schwarz.

Schutzgeistern in Gestalt von Schutz-und Glücksgöttern begegnet man in Japan auf Schritt und Tritt. Besonders häufig sieht man Standbilder der Kannon, Göttin der Barmherzigkeit, und des →Jizō, Beschützer der Kinder, Reisenden und gebärenden Frauen. Häufig sind Schreine der Sieben →Glücksgötter, die man vor allem in der ersten Woche des neuen Jahres aufsucht.




Ahnenverehrung


Sorge für und Ansuchen um Schutz durch die Ahnen ist Bestandteil der japanischen Kultur und der beiden Hauptreligionen →Shintō und →Buddhismus. Fast jedes Haus hat einen Hausaltar (butsudan) 仏壇 oder –schrein (kamidana 神棚), der dem Andenken der Ahnen und ihrer Fürsorge dient. Besonders verpflichtet zu einem großen Hausaltar ist in der Regel das männliche Oberhaupt eines Familienclans (wobei dessen Frau üblicherweise die täglichen Verrichtungen ausführt). In kleinen städtischen Wohnungen reicht es meist nur, wenn überhaupt, für einen kleinen Hausaltar, sodass heute nur noch die Hälfte aller Haushalte einen butsudan haben. Was gehört in einen Altar? Ein Foto der verstorbenen Angehörigen, der von einem Priester vergebene Buddhaname (ihai 位牌) in Form einer kleinen Stele, Opfergaben wie Reis und grüner Tee, dazu vielleicht eine kleine Buddhafigur, Räucherstäbchen, persönliche Gegenstände zum Andenken. Unterschiedliche Sekten haben unterschiedliche Vorschriften für die Anordnung der Gegenstände in einem Hausaltar. Aber viele Menschen haben dazu ihre eigenen Vorstellungen. Sympathisch ist, dass die Menschen zu ihren verstorbenen Angehörigen (Eltern, Ehepartnern) sprechen, als ob sie zuhören könnten, auch berichten viele über die Ereignisse der letzten Zeit.

Es entspricht nicht der buddhistischen Lehre, dass Verstorbene zu Buddhas werden, insofern bedeutet die Bezeichnung hotoke bzw. hotoke-sama zwar Buddha, meint aber nur die Verstorbenen und verbindet dies mit dem Wunsch, dass sie sicher im Jenseits angekommen sind und nicht noch im Diesseits als ruhelose Geister umherirren.

Kamidana werden meist erhöht an der Wand fast unter der Decke angebracht oder aufgestellt. Sie sind gestaltet wie Miniaturschreine und dienen der Verehrung von Ahnen bzw. kami des Familienclans oder kami des örtlichen Schreins. Ein Spiegel stellt den kami dar. O-mamori (→Abwehrzauber und Glücksbringer) werden ins „Schreingebäude“ plaziert. Links und rechts neben dem Schrein steht eine Vase mit Sakakizweigen (Sperrstrauch). Als Opfergaben dienen Wasser, Sake, Reis, Salz, wobei letztere nur am 1. und 15. eines Monats dargebracht werden, Wasser täglich. Ein →Shimenawa mit gezacktem Papier wird idealerweise oberhalb vor dem Schrein angebracht. Die „Andacht“ ist genau wie beim regulären Schrein.

Weitere Details

Butsudan




Aikidô 合気道


Wie Bogenschießen hat auch Aikidô eine spirituelle, fast religiöse Komponente. Elemente von Judô, Karate, selbst Kendô fließen in diese erst im 20. Jh. von Morihei Ueshiba (1883-1970) begründete Kampfsportart, bei der es mit Ausnahme der Hände und Arme keinen Körperkontakt gibt. Die Techniken umfassen Würfe, Haltegriffe, atemi genannte Stöße, mit denen die Kraft des Gegners in Schach gehalten und sein bzw. ihr ki (Lebenskraft) umgelenkt wird.

Foto: Aikido-Demonstration auf dem Tsukimifest der DJG in Wessling am 14.09.2019




Ainu アイヌ (Ureinwohner Japans)


Die Ureinwohner Nordjapans sind die Ainu, zu denen sich noch über 20.000 Bewohner Hokkaidōs zählen, inoffiziell sollen es sogar 200.000 sein. Sie sind jedoch bereits mehr oder weniger stark mit Japanern vermischt. Früher wurden sie als Nichtjapaner diskriminiert, erst 2008 (!) wurden sie offiziell als indigene Minderheit anerkannt. Heute leben viele quasi als Touristenattraktion in künstlichen Ainu-Siedlungen (kotan). Die Ainu haben gewisse europäische Merkmale (z. B. starker Bartwuchs) und sind mit sibirischen Völkern und entfernt auch mit den Indianern verwandt. Sprachlich bestehen gewisse Ähnlichkeiten zum Japanischen.

Als Ureinwohner Honshus, vor allem Tohokus, gelten die Emishi 蝦夷, sie waren jedoch vermutlich eine eigenständige ethnische Gruppe und nicht mit den Ainu identisch. Man nimmt an, dass sie aus dem Volk der Jōmon-Zeit (30.000 bis 300 v. Chr.) hervorgegangen sind. Denn noch in geschichtlicher Zeit wurden sie ab dem 5.Jh. erwähnt. Eine Theorie besagt, dass die Ainu aus den Emishi („Krabbenbarbaren“) hervorgegangen waren. Es soll auch Verwandtschaft zu den Tungusen (im Gebiet des Amur) bestanden haben.




Alkohol


Obwohl Japaner aus physiologischen Gründen Alkohol nicht so gut vertragen und er ihnen schnell zu Kopf steigt, ist der Genuss von Alkohol doch allgemein sehr beliebt. Er ist nun einmal ein soziales Gleitmittel. Typisch sind die Gruppen männlicher Angestellter, die nach Feierabend noch auf ein paar Snacks und Drinks (mizuwari, lemon sour, Hoppy, Bier) in ein Izakaya gehen und anschließend vielleicht sogar noch auf eine Runde Karaoke. Interessanterweise trinken junge Japanerinnen gern Bier, wenn sie gemeinsam ausgehen. Ältere Frauen genießen dagegen eher Rotwein zum französischen oder italienischen Essen. Alkohol gehört zur Eheschließung nach shintoistischem Ritual mit den 3 mal 3 Schälchen Sake, zum Hochzeitsempfang. Besonders gern und viel wird bei den Jahresende-Partys (bônenkai 忘年会) getrunken, natürlich auch auf den Neujahrspartys (shinenkai 新年会). Betrunkenen sieht man manches nach. Aber beim Autofahren gilt 0 Promille (maximal ein halbes Glas Bier). Es gibt in Japan daher den daiko 代行 genannten Service, bei dem ein Taxifahrer Auto und Insassen nach Hause fährt, ein Taxi folgt dem Fahrzeug und nimmt den Taxifahrer mit zum nächsten Einsatz. Der Service kostet nur 1.5mal so viel wie ein normales Taxi.




Anime アニメ


Genaugenommen ist es das japanische Wort für Zeichentrickfilm. Außerhalb Japans meint man mit Anime ausschließlich japanische Zeichentrickfilme, von denen manche weltweit Kultstatus erworben haben, und für nicht wenige der wichtigste Grund sind, nach Japan zu reisen. Der Begriff bürgerte sich im Ausland in den 1980er-Jahren ein. In Wirklichkeit ist es die Abkürzung von animation (アニメーション animêshon). Es gibt wie bei den Manga (Comics) Genres für jede Altersstufe und fast jedes Interessengebiet. Nähere Einzelheiten finden Sie hier




Anrede


Nicht nur in Japan, in zahlreichen Ländern Ost- und Südostasiens, ist es üblich, eine nach Alter oder Rang höher stehende Person mit Titel oder Verwandtschaftsbezeichnung anzureden. Lehrer, Dozenten, manchmal selbst Prominente, werden als sensei 先生angeredet, Firmenchefs als shachô-san (社長さん). In Gruppen, Vereinen, Firmen usw. gibt es die Älteren, die, die länger dazu gehören: sie werden als senpai 先輩 angeredet, nicht mit ihrem Namen. Aber die im Rang unter den Senpai stehenden kôhai 後輩, werden nicht mit dieser Position angeredet. Dasselbe gilt für Verwandtschaftsbezeichnungen. Die ältere Schwester ist und bleibt die onê-sanお姉さん, der ältere Bruder der onii-sanお兄さん, die Mutter wird mit okâ-sanお母さん, der Vater mit otô-sanお父さん angeredet. Manche reden fremde ältere Menschen auch so an.

Es fühlt sich direkt unangenehm an, wenn man jemanden, dessen Position oder Namen man nicht kennt, einfach mit Sie anredet, wobei es dafür mehrere Varianten gibt.

Unter guten männlichen Freunden redet man sich mit dem Nachnamen an, ein Beweis enger Freundschaft, unter befreundeten Frauen ist der Vorname plus -chan die gängige Anrede, ansonsten Name plus –san; jüngere Männer reden ältere mit Name plus –san an, bei Kindern und Jugendlichen Vorname plus –kun.

Seltsamerweise sind Ausländer, deren Namen man nicht kennt, zunächst einmal „You“, was für uns wiederum grob und primitiv klingt: „hey you“.




Arasagashi 粗探し: nach Fehlern/Mängeln suchen


Japaner sind bekanntlich detailversessen und haben sehr hohe Ansprüche an Qualität, oft sind sie geradezu perfektionistisch veranlagt. Sie achten sehr genau auf korrekte Formen und Abläufe (→kata). Sie akzeptieren mehrheitlich keine Mängel oder minderwertige Produkte. Deshalb schaffen es nur Top-Produkte auf den japanischen Markt.




Arbeitskollegen


Arbeitskollegen sind die Menschen, mit denen Firmenangestellte traditionell mehr Zeit verbringen als mit der eigenen Familie. In einer hierarchisch strukturierten Gesellschaft gibt es auch innerhalb einer Abteilung Kollegen, die länger dabei sind, das sind die senpai. Sie unterstützen die jüngeren Mitarbeiter*innen im Vorankommen, dafür übernehmen die kôhai für jene Arbeiten und zollen ihnen extra Respekt→Senpai - kôhai.

Nach der Arbeit ist es – mit Ausnahme der Corona-Epidemie - üblich, mit den Kollegen nach Feierabend gegen 19 Uhr (!) noch auf ein paar Snacks und Getränke ins →Izakaya und hinterher vielleicht noch auf einige Lieder in eine →Karaoke-Box zu gehen. Auf dem Land oder am Meer trifft man sich oft in den Genossenschaften, in denen man ebenfalls essen und trinken kann.

Junge Leute hängen jedoch heute nicht mehr so stark an diesen Ritualen und fahren lieber früher nach Hause.




Arbeitslosigkeit


Die Arbeitslosenrate liegt derzeit etwa bei 2% und ist seit 2011 kontinuierlich von 5% auf den heutigen Stand gesunken. Allerdings sind 40% der Berufstätigen heute in Teilzeitbeschäftigung. Früher galt Vollbeschäftigung in Japan als Standard, aber insbesondere in der Regierungszeit von Shinzô Abe wurde wie anderswo Vollbeschäftigung zugunsten von Zeitverträgen und Teilzeitbeschäftigung abgebaut.




Architektur


Japan ist in den vergangenen Jahrzehnten berühmt geworden für innovative Architektur und innovative japanische Architekten, allen voran Kenzô Tange und in den letzten Jahren Kengo Kuma. Die traditionelle Architektur ist jedoch noch überall erhalten und sichtbar. Dies gilt vor allem für die Architektur von Schreinen, Tempeln und Schlössern. Beispiele traditioneller Wohnhäuser gibt es ebenfalls noch überall zu finden, doch sind Gebäude aus Holz schneller vergänglich als Steinhäuser, so gibt es im Vergleich zu Europa wenige original erhaltene alte Gebäude. Charakteristisch ist die Offenheit der Häuser nach außen hin, Wände können in Minuten entfernt werden, die Luft im Haus zirkulieren, die Engawa genannte Umrandung bietet gute Sitzgelegenheit.

Die Wohnhäuser der →Jômon-Zeit waren Grubenhäuser mit strohgedecktem Dach. Der alle 20 Jahre originalgetreu neu errichtete große Schrein von Ise repräsentiert die traditionelle Form der Schreine, während die Architektur der buddhistischen Tempel mit der Übernahme des Buddhismus aus China mit übernommen wurde. Die ältesten erhaltenen Holzgebäude der Welt befinden sich auf dem Gelände des Hôryûji-Tempels bei Nara und stammen aus dem 7.Jh. (!).

Wenn auch vielleicht 99% der städtischen Häuser heute wenig ansehnliche Zweckarchitektur darstellen, besteht in Japan eine erheblich größere Freiheit für Architekten, weshalb insbesondere Tokyo heute als Inspirationsquelle für die Architekten der Welt gilt.

Himeiji-Schloss




Arztbesuch/Krankenhaus


Wer durch Japan reist, hofft natürlich, gesund zu bleiben und von einer Einweisung in ein Krankenhaus oder auch nur von einem Besuch in einer Arztpraxis verschont zu bleiben. Andererseits beschreibt „Wanderweib“ Tessa hier genau, wie so etwas in Japan abläuft




Ausländer  外人  外国人  gaijin/gaikokujin


Japaner werden untereinander vielleicht offen zugeben, dass sie im Grunde rassistisch und wenig ausländerfreundlich sind. Als Ausländer ist man offiziell jedoch geschätzter Gast und wird entsprechend sehr wohlwollend empfangen. Anders sieht es mit Ausländern, die in Japan seit Jahren oder gar Jahrzehnten leben, aus: sie werden zu deren Missfallen immer noch als Gäste empfunden, wo sich viele von ihnen doch inzwischen mit der Kultur fast überidentifizieren. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sie niemals zur geschlossenen Gruppe der Einheimischen gehören werden. Schon Japaner, die zu lange im Ausland gelebt haben, verlieren einen wichtigen Teil ihres Japanisch-seins.

Generell wird angenommen, dass sich Ausländer in den manchmal komplizierten Dingen des Alltags nicht korrekt zu benehmen wissen. Das gilt besonders im öffentlichen →Bad, im →Onsen im →Ryokan – dem traditionell eingerichteten japanischen Hotel –, in speziellen Restaurants, z.B. →Ryotei usw.

Andererseits gibt es einen gewissen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Ausländern: man ist begierig, deren Meinung zu diesem und jenem hören, hofft natürlich auf Lob. Dieser Komplex wurde insbesondere während der →Meiji-Ära deutlich, als die Menschen sich bewusst wurden, wie sehr sie gegenüber den führenden westlichen Mächten durch die 260 Jahre Abgeschlossenheit gegenüber der Außenwelt in Rückstand geraten waren




Adressen finden


Bei uns reichen der Straßenname und die Hausnummer, um die gewünschte Adresse zu finden (es sei denn, es gibt mehrere gleichnamige Straßennamen in der Stadt (wie z.B. in Berlin). In Japan gibt es zwar Straßennamen, aber Adressen sind anders angeordnet. Japanische Adressenangaben beginnen offiziell mit der Postleitzahl und dem Städtenamen, es folgt der Stadtbezirk (in Tokyo wie eine unabhängige Großstadt organisiert), dann der Unterbezirk, in München wäre das z.B. Schwabing, der Unterbezirk ist in „chôme“ unterteilt, dieser in Häuserblocks, am Ende kommt die Hausnummer, die sich früher nach dem Baujahr richtete, heute überwiegend der Reihe nach angeordnet Ist. Angaben für Ausländer auf z.B. Deutsch, Englisch beginnen meist mit dem Zielort, z.B. Embassy of the Federal Republic of Germany, 4-5-10, Minami-Azabu, Minato-ku. Andere machen einen Kompromiss, z.B. die Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG), OAG-Haus, Minato-ku, Akasaka 7-5-56, also 7-chôme, 5-ban, 56-go (die Hausnummer).




Angeln


Angeln ist Volkssport in Japan. Angesichts einer Küstenlänge von fast 30.000 km und der gebirgigen Oberfläche der Inseln mit unzähligen Bächen und Flüssen, die in den Bergen entspringen, ist es kein Wunder, dass 20 Mio. Menschen dort regelmäßig oder gelegentlich angeln gehen. Wer als Ausländer angeln will, braucht vor Ort eine Genehmigung, die man z.B. in Geschäften für Angelzubehör bekommt. Es gibt natürlich Touren für Hochseefischen oder Fliegenfischen, die man buchen kann. In Städten gibt es Becken für „urban fishing“, wo der Fang wieder zurück ins Becken geht. Hier gibt es professionelle Tipps





B

Bad (o-furo)戦闘 温泉 お風呂


Öffentliche Bäder (sentō 戦闘) und Thermalquellen (onsen 温泉 ) im ganzen Land spielen von alters her eine wichtige Rolle im Leben der Japaner. Noch vor einigen Jahrzehnten, als wenige Menschen ihr eigenes Bad zu Hause hatten, waren öffentliche Bäder in der Nachbarschaft der tägliche Ort, sich zu reinigen, zu entspannen und Nachbarn zu treffen. Heute muss man Sentô suchen. Die Regeln für öffentliche Bäder sind mehr oder weniger gleich geblieben, nur die Preise steigen stetig (2021 um 450 Yen): Man geht in die Frauen- (roter Noren mit 女) oder Männerabteilung (blau und 男), lässt die Schuhe am Eingang, legt die Kleidung in einen Korb oder ins Schließfach, reinigt sich vor dem Betreten des Badebeckens mittels der Duschen oder Plastikschüsseln und achtet dabei peinlichst darauf, dass keine Seifen- oder Shampoo-Reste am Körper bleiben. Manche Bäder haben Becken mit unterschiedlichen Temperaturen zwischen 43 und 48 Grad! Die Stammkunden bringen alles mit, was sie benötigen. Gehen Sie spontan in ein öffentliches Bad, können Sie an der Theke kaufen, was Sie benötigen, wenigstens das Minihandtuch. Seife und Shampoo sind an den Waschplätzen üblicherweise vorhanden, aber nicht immer.

Heutige Sentô ähneln manchmal schon kleinen Spas. Da gibt es unterschiedliche Becken, etwa mit Jacuzzi, Elektrostimulation, unterschiedliche Temperaturen, Sauna… Bäder in großem Stil heißen Super-Sentô und kosten auch deutlich mehr.




Biwa 琵琶 japanische Laute


4- oder 5-saitige Kurzhalslaute, mit großem tropfen- bzw. birnenförmigem Korpus, gespielt mit großem Plektrum (bachi 撥). Die Biwa ist ein klassisches Instrument, das heute jedoch nicht mehr oft gehört wird. Früher spielten es vor allem blinde Mönche, die damit Balladen begleiteten. Die Biwa ist das Attribut der Benten, der Schutzgöttin der Beredsamkeit, Kunst, Musik, Weisheit, auch die der Geishas, Musikanten und Tänzer. Der größte See Japans, der Biwa-See in der Präfektur Shiga, wurde wegen seiner Gestalt nach der Laute benannt. Vorläufer der Biwa ist die chinesische pipa, die während der Nara-Zeit (710-749) aus China eingeführt wurde.




Badekultur


Anders als bei uns, und besonders in der DDR, gibt und gab es in Japan keine Freikörperkultur, daher ist Nacktbaden an Stränden nicht gestattet und war auch nie üblich. Anders in öffentlichen und Thermalbädern, dort ist Nacktbaden vorgeschrieben, allerdings gibt es heute grundsätzlich unterschiedliche Bereiche für Frauen und Männer (→Bad). Frauen halten sich das Handtuch nach dem Entkleiden meist vor Brust und Scham, bis sie am Waschplatz sind; nach dem Waschen lassen sie es in der Plastikschüssel liegen. Männer benutzen es oft zum Bedecken der Scham, bis sie in das Becken steigen. Das Handtuch wird von manchen Männern gefaltet auf den Kopf gelegt oder bleibt am Beckenrand. Es kommt jedenfalls nicht ins Becken! In gemeinsamen Außenbecken (rotenburo 露天風呂) gibt es für Frauen eine Art Hülle zum Verdecken des Rumpfes (yokui 浴衣, genau so geschrieben wie Yukata).

Ausnahmen mit leider stark abnehmender Tendenz sind konyoku 混浴 genannte Bäder, in denen nach alter Tradition beide Geschlechter gemeinsam in das Thermalbecken steigen, allerdings heute manchmal durch eine „unsichtbare Grenze“ in zwei Hälften des Beckens getrennt. Als in der Meiji-Zeit prüde Ausländer mit diesen Bädern konfrontiert wurden, waren sie geschockt. Aus Angst, als primitiv eingestuft zu werden, verboten die Behörden daraufhin gemeinsames Baden. Damit ging diese uralte Tradition fast ganz verloren. Auf dem Land wurde das traditionelle gemeinsame Nacktbaden mancherorts, trotz gegenteiligen Einflusses puritanischer protestantischer, vor allem amerikanischer Missionare nach dem Krieg, bis heute beibehalten. Allerdings nehmen konyoku-Bäder stetig ab. Und so kommt es, dass das korrekte Verhalten (analog zu unseren Gemeinschaftssaunen) verloren gegangen ist. Frauen mögen es nämlich gar nicht, wenn man sie anstarrt. Männer, die im Becken reglos auf nackte Frauen lauern, werden wani ワニ Krokodil genannt.




Baseball in Japan 野球


Was bei uns Fußball ist, das ist Baseball in Japan. Dabei wurde der Sport erst 1872 während der →Meiji-Ära durch einen Amerikaner eingeführt. Heute wird Amateur-Baseball an Schulen und zwischen Firmen gespielt. Am leidenschaftlichsten gespielt und im Fernsehen von der ganzen Nation verfolgt werden die Kôkô-(Oberschul)-Meisterschaften im Stadion von Hanshin-Kôshien in Nishinomiya bei Ôsaka. Dort wird die beste Mannschaft Japans ermittelt. Nur die Meister der 47 Präfekturen werden zum Turnier eingeladen.

Im professionellen Baseball (プロ 野球) gibt es zwei Ligen zu je 6 Mannschaften (Central und Pacific League). Im Oktober wird in der Japan Series der Meister ermittelt. Japan gewann zweimal die World Baseball Classic, so etwas wie die Weltmeisterschaft und belegt auch den 1.Platz der Weltrangliste. Auch die Goldmedaille bei Tokyo 2020 gewannen sie gegen die USA. Herausragende Spieler zieht es in die Major League der USA. Im japanischen Fernsehen wird genau berichtet, wie sich ihre Spieler dort machen. Nicht wenige Japaner*innen fliegen sogar zu Major League Spielen mit japanischer Beteiligung.

Im Softball sind Japanerinnen heute auch Weltspitze, waren 2008 Olympiasiegerinnen und stehen heute hinter den USA an 2.Stelle der Weltrangliste. Bei Tokyo 2020 gewannen sie sogar 2021 sogar die Goldmedaille.




Baumkuchen バウムクーヘン


Ohne Zweifel ist Baumkuchen eine deutsche Kuchenspezialität. Was nur wenige wissen: Baumkuchen gehört längst zu Japan und wird dort in weit größerer Vielfalt angeboten als bei uns. Der deutsche Name aber bleibt bis heute bestehen. Die Juchheim Group ist aus kleinen Anfängen zu einer erfolgreichen Firmengruppe geworden und im ganzen Land bekannt, in erster Linie nach wie vor für Baumkuchen, aber auch für andere traditionelle deutsche Kuchenspezialitäten wie Fraknfurter Kranz und Apfelkuchen. Einzelheiten zur interessanten Geschichte der Firma finden sie hier




Begrüßung und Verabschiedung


Anders als bei uns sind weder Hände schütteln noch Bussis in Japan üblich. Stattdessen erfolgen Verbeugungen. Grundregel ist: Wer mehr Respekt erweist, verbeugt sich tiefer und länger, auch wer mehr Dank schuldet. Beim ersten Treffen verbeugt man sich zunächst neutral, überreicht mit beiden Händen die Visitenkarte, nimmt die hingereichte auch mit beiden Händen an, liest sie sorgfältig und sagt dann „Hajimemashite; dōzō yoroshiku itashimasu.“ Die →Visitenkarte verrät die gesellschaftliche Stellung des Gegenübers, und die nächste Verbeugung wird darauf bereits Einfluss nehmen, weil beide intuitiv wissen, wer sich wem gegenüber tiefer zu verbeugen hat.

Einen Standardbegriff wie unser „Auf Wiedersehen“ gibt es in Japan nicht. Man sagt „ja mata“ (demnächst wieder), o genki de (alles Gute), usw. Das Wort Sayônara さようなら!bleibt grundsätzlich dem endgültigen Abschied vorbehalten.




Behörden/Bürokratie


Ob die Bürokratie bei uns oder in Japan ausufernder ist, darüber lässt sich vermutlich diskutieren. Für Japans Beamte gilt persönlicher Ermessensspielraum nicht als menschliche Größe sondern als Gefährdung der gesellschaftlichen Ordnung und Stabilität. Müssen sich Behörden auf neue Situationen einstellen, dauert dies konsequenterweise lange. Als Ausländer kommt man mit japanischen Behörden selten in Berührung, am ehesten mit der Einwanderungsbehörde bei einem längeren Aufenthalt. Da spürt man dann die obrigkeitsstaatliche Haltung, das ist aber bei uns nicht anders. Japaner gehören in der Ausländerbehörde bei uns zu den „Edelausländern“, und Deutsche haben es aufgrund der traditionell guten politischen Beziehungen in Japan leichter als Ausländer z.B. aus Südost- und Südasien. Dennoch gilt auch für uns: Wer sich selbst erniedrigt und hilflos gibt, wird es in schwierigen Situationen einfacher haben. Hat man eine Vorschrift übertreten, die etwa die Aufenthaltserlaubnis betrifft (was man tunlichst vermeiden sollte!), lässt sich die Sache meist wieder bereinigen, indem man sich niedergeschlagen gibt und eine vorgedruckte Entschuldigungserklärung unterschreibt.

Abschlägige Bescheide vermeiden Japaner übrigens nach Möglichkeit: Sie stellen Anträge in der Regel erst dann, wenn sie auf informellem Wege erfahren haben, dass ein solcher Chancen auf Genehmigung hat.

Ausländer sind auch in Japan verpflichtet, ihren Pass (eine Kopie der wichtigsten Seiten sollte genügen) mit sich herum zu tragen.

In gewisser Weise regieren die japanischen Regierungsbehörden das Land, heißt es übrigens




Bekleidung


Heute kleiden sich Japaner*innen nach der internationalen Mode, junge Leute sind sogar oft stilbildend, denken wir an das Modezentrum Harajuku und Shibuya in Tokyo. Aber die traditionelle Bekleidung, also →Kimono und Yukata, gehört noch immer zum Straßenbild, wenn auch vergleichsweise selten. In traditionellen Restaurants sind sie für die Bedienung Arbeitskleidung. Wenn wir „Samuraifilme“ anschauen, wird uns jedoch bewusst, dass die Kleidung des 17.-19. .Jahrhunderts in Japan immer noch neben der angesagten Mode von heute Bestand hat. Niemand könnte sich Alltagskleidung aus diesen Jahrhunderten im Straßenbild hierzulande vorstellen. Interessant ist, wie sich in der →Meiji-Zeit der Übergang zur westlichen Mode vollzog. Kimonos überwogen noch, aber westliche Elemente wie Hüte hielten Einzug. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die amerikanische Mode vorherrschend. Doch ältere Leute hielten zunächst noch an ihren Kimonos fest, nach und nach bevorzugten aber auch sie westliche Kleidung.

Was jedoch auffällt ist, wie wichtig Japaner*innen korrekte Kleidung und für Frauen perfektes Makeup sind. Japanische Frauen tragen überwiegend Röcke und Kleider, während bei uns Hosen die Norm geworden sind, wenigstens in den Städten. Für Männer gilt in größeren Firmen Anzugspflicht, in den kühleren Jahreszeiten dunkle Anzüge, im heißen Sommer helle. Dann dürfen auch kurzärmelige Hemden ohne Krawatte getragen werden, die Jacke über dem Arm.

Ingenieure und Facharbeiter tragen Blousonjacken aus festem Stoff, darunter Hemd und Krawatte. Arbeiter tragen traditionell spezielle weite Hosen (tobi pants) und dazu häufig Tabi mit fester Sohle (jika tabi)

Schüler tragen mit Ausnahme mancher privater Schulen (einschließlich der deutschen Schule in Yokohama) Uniform, die von Teenagern nach der Schule gern auf „sexy“ getrimmt wird. Die Röcke werden kürzer aufgerollt, die Strümpfe nach unten geschoben; die Mädchen schminken sich vor dem Bummel und im Zug. Schüler aus der Provinz tragen Sneaker zur Uniform, wenn sie auf Klassenfahrt gehen. Die Uniformen orientieren sich an Matrosenoberteil für Mädchen und Kadettenanzügen für Jungen.

Junge Mädchen tragen heute gern wieder Kimonos oder Yukata zu Anlässen wie Kirschblüte, →Bon-odori, Feuerwerk (→hanabi) an Sommerabenden. Bäuerinnen tragen gern Pluderhosen (mompe), ähnlich wie z. B. in der Türkei. Traditioneller Grund dafür ist der Schutz des Kimonos.

Das Klima bedingt nicht zwangsläufig die Kleidung. Als in Tokyo Miniröcke ohne Strümpfe angesagt waren, trugen Mädchen in Aomori im Norden diese auch bei minus 10° C und einem Meter Schnee am Straßenrand.




Bentô (o-) お弁当


Behälter zum Mitnehmen von Speisen gibt es seit dem 5.Jh., sie waren aus Bambus, solche gibt es in Südostasien noch für süßen Klebreis, aber auch aus Holz. Bereits im Mittelalter verwendete man Lackschachteln. Heute bevorzugt man Plastik und andere Materialien. Es gibt mehrere Varianten: zuhause, von ehrgeizigen Müttern gern phantasievoll und aufwendig zubereitet für Kinder (im Wettstreit mit den o-Bentô anderer Mütter) und als Lunch im Büro. Für Büroangestellte gibt es mittags draußen vor den Firmen o-Bentô-Lunch-Boxen für meist 500 Yen in einfachen durchsichtigen Plastikschachteln.

Eine besondere Variante sind die eki-ben, das sind lokale Spezialitäten, häufig attraktiv verpackt, die an Bahnhöfen (eki) und in Zügen verkauft werden. Fast immer ist Reis die Grundlage, dazu Gemüse, Fleisch u.a. In den Geschäften (bentôya), wo sie verkauft werden, immer auch in →kombini, gibt es Mikrowellengeräte, in denen man sie aufwärmen kann (wobei die Bestandteile, die kalt bleiben sollten, vorher entnommen werden). Es gibt eigene Geschäfte für o-Bentô, die komplette Mahlzeiten für wenig Geld zum Mitnehmen anbieten; Hoka-hoka Bentô und Hottomotto sind wohl die bekanntesten Bentô-Ketten. Weitere Details

Wenn Sie selbst o-Bentô herstellen wollen, gibt es hiert Tipps:




Bergsteigen und Wandern


Angesichts der Tatsache, dass um die 85% der Landmasse Japans gebirgig sind, ist es kein Wunder, dass Bergsteigen und -wandern dort Volkssport ist. Das Besteigen von Bergen aus religiösen Gründen erfolgte Jahrhunderte vor den ersten Bergbesteigungen in den europäischen Alpen. So soll der Fuji-san bereits 663 von dem legendären Mönch En-no-Gyôja (Begründer der esoterischen Shugendô-Sekte) bestiegen worden sein. Bei der sozusagen touristischen Erstbesteigung des Tsurugi-dake, des schwierigsten Berges der japanischen Alpen, im Jahr 1907 fanden die Erstbegeher Artefakte aus dem 7.Jh. auf dem Gipfel, anderswo heißt es aus der Zeit vor dem 12.Jh.

Die bergsteigerische Erschließung der Berge folgte mit leichter Verzögerung gegenüber der der europäischen Alpen ab Ende des 19.Jh. unter dem Einfluss westlicher Ausländer, allen voran dem anglikanischen Missionar Rev. Walter Weston (1861-1940), der mit seinem 1896 erschienenen Buch "Mountaineering and Exploration in the Japanese Alps" die japanischen Berge und auch die Bezeichnung Japanische Alpen bekannt machte.

Überall in den Bergen gibt es angelegte Wege. Anders als in den Alpen werden diese jedoch nicht vom Japanischen Alpenverein angelegt und unterhalten, auch die Hütten sind privat.




Berührung/Körperkontakt in der Öffentlichkeit


Anders als in Europa berühren sich Menschen bei Begrüßung und Abschied in Japan nicht. Dagegen bleiben Kleinkinder stets in engem Kontakt zur Mutter. Traditionellerweise wurden sie bei der Arbeit im Haus oder auf dem Feld, beim Einkaufen, auf den Rücken gebunden. Es gibt eigene Jacken für diese Tragevorrichtung. Da schaut dann das kleine Köpfchen hinter dem der Mutter hervor. Heute sind die Vorrichtungen, bei denen die Kinder vor dem Bauch getragen werden, häufiger, und auch die Väter tragen Kleinkinder auf diese Weise. Nach der Kleinkindzeit sind Berührungen jedoch selten.

Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit auszutauschen ist in Japan wie in anderen Ländern der Region unüblich. Intensive Kussszenen wie in einer Pariser Metro sind in Japan undenkbar. Händchen haltende Paare sieht man heute jedoch ab und zu im Straßenbild. Freundschaftliche Klapse auf den Unterarm sieht man häufig unter Freund*innen und Bekannten. Siehe auch→Zärtlichkeiten




Bestechung/Korruption


In Japan sind Bestechungsversuche vergeblich. Polizei, Beamte verhalten sich korrekt nach den Vorschriften. Anders ist es in Wirtschaft und Politik. Da ist Korruption wie bei uns an der Tagesordnung, besonders im Bauwesen ist das üblich, aber auch, wenn es um lukrative Aufträge im Ausland, etwa China, geht. Für die eigene Firma gelten moralische Regeln in dieser Hinsicht nicht, Loyalität ist wichtiger. Als Politiker darf man sich nicht erwischen lassen, da ist man dann seinen Posten schnell los.

Japaner vermeiden abschlägige Bescheide: Sie stellen Anträge in der Regel erst dann, wenn sie auf informellem Wege erfahren, dass ein solcher Chancen auf Genehmigung hat.




Betteln


Während es in der Edo- und Meiji-Zeit zahlreiche Bettler gab, die in der →Edo-Zeit zur Unterschicht der hinin 非人oder →Eta 穢多gezählt wurden, sieht man sie heute nicht mehr im Straßenbild. Obdachlose verkaufen Gefundenes, etwa Getränkedosen, oder verdingen sich als Tagelöhner, aber sie betteln nicht. Generell ist Betteln in Ostasien verpönt. Bettelmönche sind in Städten gelegentlich zu sehen, nicht immer sind sie echt und betteln letztlich um Geld. Aber da Geben auch im Buddhismus besser ist als Nehmen, hat der Akt des Gebens bereits einen positiven Wert.




Blickkontakt


Blickkontakt wird in Japan wie in den meisten asiatischen Ländern weniger offen und direkt praktiziert als bei uns. Für die Frau gilt es gegenüber Ranghöheren und Fremden als schicklich und höflich, dass sie den Blick etwas gesenkt hält. Generell vermeidet man besonders gegenüber Ranghöheren direkten, anhaltenden Blickkontakt.




Blumen


Blumensträuße werden auch in Japan gern geschenkt, große Ketten wie Aoyama Flower Market machen damit gute Geschäfte. Blumentöpfe schenkt man Kranken dagegen nicht, denn Wurzeln soll die Krankheit nicht schlagen, ein Beispiel für →Aberglauben. Keinesfalls schenkt man weiße Blumen, insbesondere weiße →Chrysanthemen sind tabu, diese sind für Beerdigungen und Totenfeiern reserviert. Während bei uns einst (wie ist es heute?) eine Uhr zum Abschied nach langer Firmenzugehörigkeit fällig wurde, ist es in Japan ein Blumenstrauß. Wenn Sie also ältere Angestellte mit einem Strauß aus der Firma kommen sehen, war das deren letzter Arbeitstag.

Ansonsten spielen Blumen und Blüten im Jahresverlauf eine große Rolle und werden stark beachtet.




Bon, o-  お盆


Wörtlich bedeutet Bon Schale, gemeint ist mit O-bon お盆 ein Fest zum Gedenken an die Ahnen und zu ihrer Verehrung. Wie an Neujahr ist es ein Familienfest, es dauert in der Regel drei Tage, in einigen Regionen findet es im Juli, in anderen im August statt. (Quelle: Kaiho 3/21) Eas handelt sich um keine gesetzlichen Feiertage, aber Firmen geben meist wie an Neujahr dafür einige Tage frei. Wäörend der Corona-Pandemie (2020/21) verzichteten viele Menschen auf eine Fahrt in ihre Heimat und erledigten den Besuch nur online.




Bon Odori 盆踊り


Das sind die stimmungsvollen Rundtänze, mit den ursprünglich die Seelen der Ahnen willkommen geheißen wurden. Wegen der warmen Sommernächte tragen Frauen und Mädchen farbenfrohe, Männer und Jungen einfarbige Yukata (leichte Sommerkimonos). Jede(r) kann mitmachen. (Quelle: Kaiho 3/21)




Bonsai  盆栽


Obwohl auch das Kultivieren von Pflanzen ( sai) in der Schale ( bon) aus China übernommen wurde, wo es eigene Traditionen gibt, werden heute Bonsai wie andere einst aus China übernommene und in Japan besonders in der Edo-Zeit weiter entwickelte Kunstformen hauptsächlich mit Japan in Verbindung gebracht. Die Kultivierung von Bonsai, wie wir sie heute kennen, hat sich jedoch erst nach dem 2.Weltkrieg als Hobby und Geschäftszweig entwickelt, z.B. das Bonsai-mura in Toro (Stadtteil von Saitama-shi) nördlich von Tokyo. Die Bearbeitung eines Bonsai erfodert Gedult und viel Zeit, das geht bei alten Bäumen von Generation zu Generation weiter, denn die Bäumchen können mehrere hundert Jahre alt werden. Wurzel-, Blatt-, Formschnitt, Verdrahtung zum Erzielen der gewünschten Form (z.B. eine von Wind und Wetter geformte Kiefer) sind Grundelemente. In japanischen Vorgärten sieht man häufig Bonsai, teilweise schon recht alt. Bei uns wären sie vermutlich bald verschwunden. Lebende Landschaften in der Schale heißen saikei (栽景), Landschaften geformt aus Stein, Kies, Sand, trocknen Materialien in der Schale heißen b onkei (盆景). Einzelheiten zu Bonsai




Buddhismus Bukkyo 仏教


Da der Buddhismus in Indien entstanden ist, sich von dort u.a. nach Tibet und China ausbreitete und im Jahre 552 von China durch koreanische Mönche nach Japan kam, geht es hier um die japanischen Besonderheiten. Während der Regierungszeit des legendären Prinzregenten Shôtoku taishi (574–622) unter seiner Schwiegermutter, der Kaiserin Suiko (554-628), kam Japan erstmals mit dem Buddhismus in Kontakt. Shôtoku erkannte das Potenzial der neuen Religion für die Stärkung seiner Herrschaft, und bereits 594 erhob er den Buddhismus zur Staatsreligion und schickte eine kaiserliche Gesandtschaft 607 nach China, um Genaueres darüber zu erfahren und eine Kopie der Sutren nach Japan zu bringen. Bereits 627 soll es 46 Tempel mit 816 Mönchen und 569 Nonnen gegeben haben. In der →Nara-Zeit entwickelten sich 6 Schulen des Buddhismus, in dieser Zeit, und zwar 750-751 entstand unter dem Shômo Tennô auch der gewaltige Tôdai-ji, das größte Holzgebäude der Welt.

In der →Heian-Zeit entstanden zwei bedeutende und miteinander rivalisierende Sekten: die auf dem Lotos-Sutra basierende Tendai-shû 天台宗,von Saichû (767-822), 807 gegründet und eine japanische Variante der chinesischen Tiantai-Sekte. Haupttempel wurde der große Enryaku-ji auf dem Berg Hiei-zan. Im Jahre 816 gründete Kûkai (774-835, posthum Kôbo Daishi genannt) die esoterische Shingon-shû (真言宗) auf dem Tempelplateau des Koya-san, wo er der Legende nach noch zu Lebzeiten ins Nirwana einging und von seinen Anhängern als immer noch in Meditation befindlich verehrt wird.

In der →Kamakura-Zeit enstanden die zwei bedeutendsten →Zen-Sekten Rinzai- 臨濟宗(1121 durch Eisai) und Soto-shû 曹洞宗 (1227 durch Dôgen), bereits 1175 durch Hônen die Jôdo-shû 浄土宗, die Lehre vom Reinen Land. Daraus entwickelte Shinran (1173-1263), der Vater der Laienbewegung, die Jôdo-Shinshû 浄土真宗 , die Schule vom Wahren Reinen Land. Zusammen mit dem 1253 begründeten Nichiren-Buddhismus haben die sogenannten amidistischen Sekten die meisten Anhänger. Wie für die Anhänger Amida Buddhas „Namu Amida Butsu“ das entscheidende Mantra ist, gilt für die Anhänger des Nichiren-Buddhismus das Lotus-Mantra Nam(u) myōhō rengekyō (南無妙法蓮華経).

Ab dem 19.Jh. kamen eine Reihe von "neuen Religionen" (shin-shûkyô) als Ableger des Nichiren Buddhismus hinzu, u.a. Nichiren-shû, Nichiren Shôshu, Sôka Gakkai, Reiyûkai,




Bunraku  文楽


Das japanische Puppenspiel Bunraku, auch Ningyô Jôruri人形浄瑠璃 genannt, entstand 1684, also einige Jahrzehnte später als Kabuki, in Osaka. Manche der berühmten Kabuki-Stücke wurden vom Bunraku übernommen, insgesamt gibt es etwa hundert Stücke, die meisten stammen von Chikamatsu Monzaemon. Heimat und Zentrum der Puppenspieler ist auch heute noch Osaka bzw. die in der Nähe gelegene Insel Awaji. Bunraku ist unter den Puppenspielformen der Welt wohl die menschenähnlichste, nicht nur, weil die Puppen schon die halbe bis 4/5 Größe von Menschen haben, sie werden auch mit solcher Vollkommenheit bewegt, dass die Zuschauer häufig vergessen, dass es Puppen sind: Das ist ein Resultat jahrzehntelanger harter Arbeit. Bunraku ist von der UNESCO als repräsentatives Erbe der Menschheit anerkannt und gilt in Japan als unantastbares kulturelles Erbe.

Die Spieler tragen schwarze Kostüme mit „Tarnkappen“ und gelten als unsichtbar. Der Hauptakteur, der omo-zukai, trägt häufig seiner Bedeutung entsprechend einen formellen Kimono ohne Kapuze. Die Puppenspieler sprechen nicht. Der Text wird vom Tayû gesprochen, und zwar für jede Puppe in eigener Tonlage und Charakter. Er sitzt neben den beiden männlichen →Shamisen-Spielern.

Eine Puppe wird gewöhnlich von drei Spielern bewegt: der ashi-zukai ist zuständig für die Füße (ashi) der Puppe, das ist die Rolle der „Anfänger“. Der zweitwichtigste Spieler ist der hidari-zukai, der den linken Arm, die linke (hidari) Hand und alles, was die Hände tragen, bedient. Der omo-zukai: bewegt den Kopf (omo = Haupt) und sorgt für den Gesichtsausdruck, außerdem betreut er den rechten Arm samt Hand und den Oberkörper. Bis er das beherrscht, können Jahrzehnte vergehen. Hände, Augen, Augenbrauen und Mund der Figuren werden durch kleine Hebel, die durch Fäden mit den entsprechenden Körperteilen verbunden sind, bewegt. Weibliche Puppen haben in der Regel keine Beine, durch geschickte Bewegung des Kimono-Saumes wird die Bewegung der Füße vorgetäuscht. Sie brauchen daher auch keinen ashi-zukai.

Wie beim Nō und Kabuki gibt es bestimmte Typen: Samurai, junger Mann, Prostituierte, schöne Frau (die sich oft blitzschnell in einen Dämon verwandeln kann), häufig geht es um tragisch endende Liebesgeschichten.

Wer nicht gerade in der Gegend von Osaka ist, wird vielleicht Schwierigkeiten haben, eine Live Vorstellung zu erleben. Aber im NHK Kanal im Fernsehen sieht man immer wieder bunraku-Stücke wie auch alle anderen klassischen Theaterformen.




Butoh 舞踏 ぶとう


Butoh/ankoku butô 暗黒舞踏 ist eine avangardistische Tanzform, die wörtlich Tanz der Finsternis bedeutet. In Japan ist sie nach dem 2.Weltkrieg von Tatsumi Hijikata und Kazuo Ôhno begründet worden. Im Westen ist Butoh heute noch aktueller als in Japan selbst. Einzelheiten




Behinderte


Als Vorbereitung für die Olympischen Spiele Tokyo 2020, insbesondere aber die Paralympics, wurden die Jahre der Vorbereitung u.a. darauf verwendet, barrierefreie Zugänge zu Bahnhöfen, Behörden, Firmen, Einkaufszentren zu schaffen. Die Betroffenen fühlen sich aber häufig noch ausgegrenzt. Früher, als arrangierte Hochzeiten noch häufiger waren, versteckte man die Behinderten, weil sie als Hindernis für heiratswillige Familienmitglieder bzw. Verwandte galten. Jemand im Rollstuhl berichtete im Fernsehen, im Fahrstuhl sei eine Frau versehentlich gegen seinen Fahrstuhl gestoßen. Daraufhin machte sie Bewegungen, als wolle sie den „Schmutz“ der Berührung abwischen, Rollstuhlfahrer als „Aussätzige“, das passt zu Haltungen gegenüber Minderheiten, siehe →Eta.




Bestattungsriten sôshiki 葬式


Der Buddhismus ist in Japan für Trauerfeiern und Bestattungsriten „zuständig“. In Städten ist Einäscherung vorgeschrieben, auf dem Land ist Erdbestattung möglich, aber nicht üblich. Die Rituale werden wie bei uns heute häufig von Bestattungsunternehmen (sôgiya) durchgeführt, ansonsten vom ältesten Sohn der Familie, soweit vorhanden.

Nach dem Ableben (heute oft im Krankenhaus) werden mlöglichst von einem Mönch Sutren rezitiert, es folgt eine Nacht Totenwache und am nächsten Tag die Trauerfeier. Wie bei der Hochzeit übergeben die Gäste Geld „für die Räucherstäbchen“ (o-kôden) in einem Umschlag als Beitrag zu den erheblichen Kosten und entzünden Räucherstäbchen vor dem Bild der verstorbenen Person am Hausaltar. Und wie bei der Hochzeitsfeier erhalten auch die Trauergäste ein Rückgeschenk im halben Wert (o.kôden gaeshi). Wenn Trauergäste nach Hause zurückkehren, werden sie zur „Reinigung“ mit Salz bestreut. Nach der Trauerfeier erfolgen die Einsargung und die Fahrt zum Krematorium. Die Einäscherung findet nur im engsten Familienkreis statt. Die Temperatur für die Verbrennung wird so gewählt, dass Knochenreste übrig bleiben.

Die Urne mit den Knochenresten wird nach Hause genommen, wo sie für die Trauerfeier verbleibt. Diese wird in der Regel vom ältesten Sohn durchgeführt.





C

Cha-no-yu →Sadô (japanische Teezeremonie)





China-Japan-Beziehung


Die japanisch-chinesischen Beziehungen (日中関係 nicchû kankei) bzw. sino-japanischen Beziehungen waren historisch sehr eng. Was wir als japanische Kultur erkennen, hat seinen Ursprung zu großen Teilen in China: Schrift, Religion, Architektur, Kunst, Musik, Philosophie, Staatsform, alles wurde einst aus China über Korea eingeführt und in Japan angepasst und vor allem in der Edo-Zeit weiterentwickelt zu dem Niveau, das wir heute bewundern. Die bilateralen Beziehungen sind seit dem Ende der Edo-Zeit (1600-1868) jedoch mehr oder weniger angespannt. Mit der erzwungenen Öffnung Japans zum Westen blickte Japan auf das rückständige China herunter, weil es sich selbst rasend schnell „modernisierte“, d.h. an die westliche Zivilisation anpasste.

Die Beteiligung an der zeitweisen Kolonialisierung Chinas gemeinsam mit den Westmächten, die Kriegsgreuel vor und während des 2.Weltkrieges, der Mangel an Sensibilität gegenüber den chinesischen Empfindlichkeiten (z.B. die Leugnung des Nanking-Massakers seitens der japanischen Regierungen, offizielle Besuche durch japanische Premierminister im Yasukuni-Schrein als Anbiedern gegenüber bzw. Ausdruck eigener nationalistischer Haltungen), aus japanischer Sicht das aggressive Verhalten der Volksrepublik, der erst seit 1971 durch China entfachte Streit um die seit 1885 von Japan beanspruchten unbewohnten Senkaku-Inseln, diese und andere Themen belasten das Verhältnis zwischen beiden Ländern. Einerseits mögen 75% der Japaner Chinesen nicht, und 90% der Chinesen haben eine negative Einstellung zu Japan und Japanern, doch bildeten Chinesen aus der Volksrepublik vor Corona die größte Gruppe ausländischer Touristen nach Taiwanesen und Koreanern. Und der Handel zwischen beiden Ländern ist der mit Abstand größte bilaterale Handel.

Chinas Konzept als Nation entstand erst im 19.Jahrhundert, und zwar in Japan, wie der Sinologe Kai Vogelsang in seinem Beitrag in der NZZ aufzeigt:

Interessant ist der Prozess, bei dem Japan erst in alle Welt ausschwärmte, um ganz schnell Anschluss an Wissenschaft, Technik, Entwicklung des Westens zu finden und wie dann im nächsten Schritt Chinesen nach Japan kommen, um ähnliches von den Japanern zu lernen und Japaner bereits als oft arrogante Lehrmeister auftreten.




Chankonabe ちゃんこ鍋 Eintopf der Sumoringer


Zum Zweck des schnellen Gewichtzuwachses essen Sumo-Ringer (Rikishi) täglich diesen Eintopf, der u.a. aus Geflügel, Meeresprodukten, Gemüse, Reis, Nudeln, Kartoffeln, Tofu besteht. Aus Aberglauben ist kein Fleisch von Vierbeinern enthalten, denn wer auch nur mit einer Hand den Boden berührt, hat bereits verloren. Restaurants, die Chankonabe anbieten, werden m eist von ehemaligen Sumo-Ringern geführt. Manche haben sogar einen Dohyo (→Sumo) in der Mitte, in dem gelegentlich Übungen der Rikishi demonstriert werden.




Chrysanthemen 喜久


Chrysanthemen (kiku) sind das Symbol der japanischen Kaiser. Das kaiserliche Wappen ziert eine Chrysantheme mit 16 Blättern vorn und 16 Blättern hinten. Daher nennt man den japanischen Kaiserthron auch Chrysanthementhron. Die Blume wurde mit der chinesischen Kultur im 5.Jh. aus China eingeführt. Im Herbst gibt es an vielen Orten, z.B. Schreinen und Tempeln, Chrysanthemen-Ausstellungen. Die Blume symbolisiert Langlebigkeit, zugleich Erneuerung, Herbst. Aber es ist tabu, weiße Chrysanthemen, ja generell weiße Blumen, zu verschenken, ihr Platz ist reserviert für Trauerfeiern und Gräber.




Christentum in Japan


Als Religion spielt das Christentum in Japan keine Rolle (nur 1% der Bevölkerung sind christlichen Glaubens, und zwar 550.000 Katholiken und 650.000 Protestanten), aber viele christlich orientierte Bildungseinrichtungen (Schulen und Hochschulen) und Krankenhäuser haben im ganzen Land einen hervorragenden Ruf, interessanterweise waren sieben Premierminister Christen. Die Katholiken berufen sich auf den Jesuiten Franz →Xaver, der zur Missionierung im 16.Jh. nach Japan kam und damit zunächst recht erfolgreich war, bis das Christentum im 17.Jh. zu Beginn der →Edo-Zeit verboten wurde und die verbliebenen portugiesischen Missionare und Händler ausgewiesen wurden. Die Abschließung Japans hängt mit der vermuteten Bedrohung durch die europäischen Kolonialmächte und die als aufrührerisch empfundenen Ideen des Christentums zusammen. Trotz des Verbotes der neuen Religion, hielten sich auf zu Kyûshû gehörenden Inseln Christen im Verborgenen bis zur Aufhebung des Verbotes während der →Meiji-Ära. Einige ihrer Kirchen gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die protestantischen Missionare aus England und den USA kamen während der Meiji-Ära. In Korea machen Christen übrigens ein Drittel der Bevölkerung aus.

Wenn ein Paar heute scheinbar christlich heiratet, hat dies nichts mit Religion zu tun. Es wird einfach als modern und chic empfunden, auch ist ein Brautkleid preiswerter als ein Hochzeitskimono, der allerdings in der Regel ausgeliehen wird.




Chûgen 中元 (Bonus und Geschenkesaison im Sommer)


Im Jahr gibt es zweimal Bonus und zweimal folgt darauf die Sitte, Personen, denen man Respekt zollt und sich anderweitig verpflichtet fühlt, Geschenke zu überreichen bzw. schicken zu lassen. Kaufhausabteilungen für diesen Zweck bieten fertig verpackte Geschenke, nichts Persönliches, nützliche Dinge wie Käse, Butter, Speiseöl… Entscheidend sind Herkunft und Verpackung, der Preis darf sichtbar sein, um den Beschenkten einen Hinweis auf das ggf. fällige Rückgeschenk zu geben. Solche formellen, unpersönlichen Geschenke sollten nicht zu billig, auch nicht zu teuer sein. Sie werden in Gegenwart der schenkenden Person nicht ausgepackt, es sei denn, es gibt dafür eine Begründung. Genaugenommen kann man solche Geschenke auch weiter verschenken. Zum Winteranfang folgt die zweite Geschenksaison, seibo 歳暮 genannt.




Chûka ryôri  中華料理


Volkstümliche chinesische Küche für auch zuhause gern gegessene Gerichte wie Chahan (gebratener Reis), Gyôza (gefüllte Teigtaschen),harumaki (Frühlingsrollen) , Mabôdôfu (aus Szechuan stammendes Gericht u.a. mit Hackfleisch und Tofu), Râmen (Nudeln, für die es aber auch eigene Lokale gibt). All diese Gerichte stammen ursprünglich aus China, wurden aber wie alles aus China übernommene an den eigenen Geschmack angepasst.




Chuseishin 忠誠心 (bedingungslose Loyalität)


Diese wird in einer Firma gegenüber der Firma selbst und allen Kollegen oder in Vereinen gegenüber den Kameraden selbstverständlich erwartet. Aber das gilt auch für Japaner im Allgemeinen. Wer zu lange im Ausland lebt, verliert ein Stück seines „Japanischseins“ und muss damit rechnen, kritisch dahingehend beurteilt zu werden, wie weit sie/er sich vom vorgeschriebenen Verhalten möglicherweise entfernt hat.

Wer nicht mehr als vollkommen japanisch gesehen wird, dem wird nicht mehr vertraut. In einer großen Firma verliert man damit Aufstiegschancen. Dennoch müssen Tausende von Angestellten als corporate warriors die Interessen ihrer Firma im Ausland vertreten.




Cosplay コスプレ


Im Japanischen werden aus dem Englischen übernommene Begriffe gern verkürzt (→wasei-eigo), aus costume play wurde cosplay. Gemeint ist nicht das Verkleiden im Karneval oder Fasching oder für Halloween sondern das Verkleiden als Helden von →Anime-Filmen. Cosplay-Anhänger spielen gern Szenen aus diesen Anime nach.

Weitere Details

gesehen beim Tsukimifest 2019 in Wessling




Curry-Reis  カレーライス


Die Geschichte dieses Gerichtes ist sehr interessant: In der Meiji-Zeit schwärmten Japaner in alle Richtungen aus, um vom fortschrittlichen Westen zu lernen, und Experten holte man ins Land für denselben Zweck. Die britische Royal Navy diente als Vorbild für die zu entwickelnde japanische Marine. Man fand heraus, dass die britischen Matrosen gern Curryreis aßen und übernahm dieses Gericht, um damit Soldaten anzulocken, die im armen Nordosten (Tôhoku) selten weißen Reis zu essen bekamen (meist eine Mischung aus Getreide und unpoliertem Reis, im Grunde eine gesunde, gehaltvolles Sättigungsgrundlage. Aber die Rekruten wollten den als attraktiver geltenden weißen Reis. Für das Curry verwendete man Kartoffeln aus dem neu besiedelten Hokkaidô, dazu Zwiebeln und Karotten. Das Curry, das man heute als typisch japanisch empfindet (aromatisch-süßlich) wurde nach dem 2.Weltkrieg auch außerhalb der Marine im ganzen Land, vor allem unter Studenten und Männern im Allgemeinen, beliebt. Man isst heute Curryreis auch daheim mit Holzlöffel. Es heißt, dieses preiswerte, sättigende Gericht sei unter Studenten beliebt, weil sie es ohne vom Buch aufzublicken beim Lesen essen können.

Heute werden die Gerichte raffinierter und sprechen damit auch Frauen stärker an. Die zahlreichen indischen Lokale profitieren vom ungebrochenen Curry-Boom.




Comfort women


Der Begriff ist ein Euphemismus für Prostituierte und meint damit Sexsklavinnen, die während des 2.Weltkrieges in den von Japan okkupierten Gebieten Sexarbeit für japanische Soldaten leisten musten, in erster Linie, um - nach offizieller Darstellung - Vergewaltigungen durch Soldaten in der Bevölkerung möglichst gering zu halten. Von 50.000-200.000 comfort women ist die Rede. Auch Japanerinnen wurden mit falschen Versprechen in die Kolonien und besetzten Gebiete gelockt und vor Ort in die Bordelle gesperrt. Das Problem wird insbesondere von Korea noch wachgehalten. Japan beruft sich darauf, dass im Vertrag mit Südkorea 1965 dieser Aspekt abschließend geregelt wurde. Tatsächlich leitete die koreanische Regierung kein Geld an die überlebenden comfort women weiter sondern verwendete das Geld für eigene Zwecke. Es gab von japanischer Seite wiederholt Entschuldigungen und Zahlungen an die wenigen überlebenden koreanischen Frauen, aber die Kontroversen gehen weiter. Mehr Details zum Thema




Covid-19 Management in Japan


Im Gegensatz zu Deutschland lagen alle Zahlen zur Pandemie in Japan in 2020 bei etwa 10% der vergleichbaren deutschen. Ein häufiger Kritikpunkt an die Adresse Japans war die vergleichsweise geringe Zahl der Tests, u.a.. da diese nach japanischen Vorschriften von Ärzten durchgeführt werden müssen, auch, weil man sich auf Cluster konzentrierte. Japan war noch zögerlicher als Deutschland mit der rechtzeitigen Beschaffung von ausreichend Impfstoff, und zwar die amerikanischen von Pfizer (Biontech) und Moderna; man begann noch zwei bis drei Monate später als Deutschland, das für sein Zögern heftig kritisiert worden war. Im Sommer 2021 geriet Japan gegenüber Deutschland als Folge der dominierenden Delta-Variante ein einziges Mal für einige Wochen bzw. Monate in Rückstand, und zwar genau während der massiven Einschränkungen für die Zeit der Olympischen und Paralympischen Spiele. Nach Ende der Einschränkungen Ende Sptember 2021 - echte Lockdowns sind in Japan gesetzlich bisher nicht möglich - gingen die Inzidenztahlen und die Zahl der Sterbefälle kontinuierlich herunter, während die Zahlen in Deutschland kontinuierlich anstiegen. Längst hat Japan Deutschland beim Impfen überholt, da es dort keine Querdenker- und spezifische Impfgegnerbewegung gibt. Natürlich gibt es auch in Japan Zögerer und Gegner der Covid-Schutzimpfung, aber sie tun dies für sich. Dennoch zögert Japan noch mit der Öffnung des Landes für internationalen Tourismus. Man rechnet bzw. hofft auf Anfang 2022 mit schrittweiser Öffnung und möglicherweise voller Öffnung rechtzeitig zur Kirschblüte 2022. Allgemeiner Maskengebrauch war in Japan schon immer üblich, das gilt auch für generelles Tragen von Masken im Freien, was vor der Pandemie allerdings so komplett auch nicht üblich war. Da Begrüßungen und Verabschiedungen in Japan körperlos erfolgen. entfällt ein wesentliches Ansteckungsrisiko. Zur Förderung des Inlandtourismus, des Hotel- und Gaststättengewerbes gab es 2020 massive staatliche Förderungen mittels Rabattcoupons und der Kampagne "G oTo travel" geschrieben "G oTo トラベル" Die Kampagne wurde nicht, wie geplant, im Sommer 2021 weitergeführt, erst im Herbst ist davon wieder die Rede. Schließlich möchte man verhindern, dass aus G oTo トラベル ein "GoTo トラブル" , also GoTo trouble wird Insgesamt zählt man bis heute (Stand Mitte November 2021) in Japan 1,7 Mio Infizierte und etwas über 18.000 Covid-Tote bei rund 125 Mio Einwohnern, in Deutschland 5 Mio Infizierte und 98.000 Covid-Tote bei 85 Mio. Einwohnern.





D

Daimyô 大名


Die Daimyô waren Provinzfürsten im feudalen Japan, und zwar vom 10. Jh. bis zur Meiji-Ära im 19.Jh. Während der Shogunate waren sie dem jeweiligen →Shôgun unterstellt, nominell auch dem Kaiser. Der Name suggeriert „großer Name“, aber komplett lautet er Dai (groß) myôden (名田) privates Land, also großer Landbesitzer. Einige kamen zu ihren Besitztümern durch Verbindung mit der kaiserlichen Familie, andere stiegen aus den Rängen der Samurai zu Daimyô auf, vor allem während der →Edo-Zeit. Tokugawa Ieyasu, der letzte der drei Reichseiniger (→Sengoku-Zeit) und Begründer der Tokugawa-Dynastie der Edo-Zeit organisierte die rund 200 Daimyô in sogenannte han, die nach der Menge an Reis, die sie erzeugten, eingestuft wurden. Nur wer ein Han mit mehr als 10.000 koku Reis (1 koku = 180l) anführte, durfte sich Daimyô nennen. Die, die mit Tokugawa verwandtschaftlich verbunden waren, gehörten zu den shinpan, die fudai waren Verbündete der Tokugawa in den vorangegangenen Schlachten der Sengoku-Zeit, an dritter Stelle standen die tozama, die nicht mit den Tokugawa verbündet waren, aber nicht unbedingt gegen sie einst gekämpft hatten. Daimyô vergüteten die Dienste der Samurai, die ihr Land zuhause oder in Edo bewachten, mit Land oder Reis, den die Samurai in Edo in Kuramae bei den Reishändlern gegen Bargeld eintauschten, viele von ihnen verarmten jedoch zusehends. Mit der Meiji-Restauration wurde das Feudalsystem mitsamt den han abgeschafft und Präfekturen geschaffen, 47 an der Zahl.




Dantai 団体 (Gruppensystem)


Ausgeprägte Gruppenmentalität ist ein Charakteristikum der japanischen Gesellschaft. Hunderttausender solcher Gruppen gibt es. Jede Gruppe steht in Konkurrenz zur anderen und grenzt sich stark von der anderen Gruppe ab. Das gilt für Ikebana-Schulen, Bergsteigervereine an Universitäten, Abteilungen in Firmen, Faktionen in Parteien wie der Liberal Democratic Party (LDP). Aber als Japaner ziehen sie gegenüber dem Ausland dann doch an einem Strang.




Daruma ダルマ (Stehaufmännchen)


Daruma (だるま) sind japanische Glücksbringer, die den Begründer des Chan- bzw. Zen-Buddhismus Bodhidarma (440-528) darstellen. Die aus Pappmaché gefertigten Figuren sind am Boden mit einem Gewicht beschwert, sodass sie nie umfallen und als Stehaufmännchen fungieren. Das Wiederaufrichten nach einem Hinfallen wird damit symbolisiert. Es heißt, das Bodhidharma neun Jahre gegen eine Mauer meditiert habe und ihm die Beine dadurch abgefallen seien. In Tempeln wie dem Jindai-ji im Westen Tokyos gibt es jährliche Daruma-Märkte. Hat man besondere Wünsche, ersteht man den Daruma mit leeren Augen. Der Priester im Tempel malt ein Auge. Erfüllt sich der Wunsch, wird das zweite Auge ausgemalt und der Daruma hat seinen Job erledigt und kann verbrannt werden.




Dashi  出汁


Dashi wird als die Seele der japanischen Küche bezeichnet, weil sie wie Gemüsebrühe bei uns als Grundlage von Suppen, Soßen, vielerlei Gerichten gilt. Normale Dashi besteht aus getrockneten, geräucherten Bonitoflocken (鰹節 katsuobushi ) und braunem Seetang (昆布konbu, gesprochen kombu). Auch Thunfischflocken, getrocknete Sardinen, fliegender Fisch u.a. können verwendet werden. Vegetarier/Veganer verwenden ebenfalls getrockneten Kombu, dazu u.a. Shiitake, Kampyô (Kürbis), geröstete Sojabohnen, gerösteten Reis. Dashi wird heute meist als fertiges Pulver gekauft. Kombu stammt heute überwiegend aus Meeresfarmen an der Küste von Hokkaidô, weil er kaltes Wasser braucht.




Drogen


Drogen spielen in der Öffentlichkeit fast keine Rolle, es sei denn, wieder einmal wurde ein Prominenter oder dessen Sohn erwischt, dann wird das in den Medien breit ausgetreten, und die Person ist sofort „weg vom Fenster“, dabei gehören sie zum Medien- und Musikbusiness vermutlich wie anderswo dazu. Auch unter Firmenangestellten muss man von alltäglichem Konsum von Amphetaminen als Aufputschmittel ausgehen. Seit dem Zweiten Weltkrieg werden sie konsumiert. Es soll um die 500.000 Abhängige geben. Eine moderne Variante ist Methamphetamin, shabu genannt. Es stammt vor allem aus Nordkorea. Cannabis (taima) wird offiziell genau so streng behandelt und bestraft wir Kokain oder Heroin. In den Vergnügungsvierteln von Roppongi kommen Ausländer mit Kleindealern am ehesten in Kontakt.





E

Einkaufen/Märkte


In Japan ist es üblich, täglich ohne Speiseplan im Kopf zum Einkaufen zu gehen. Was ist heute am günstigsten? Frische Ware von hoher Qualität wird selbstverständlich erwartet und angeboten. Das gilt vor allem für Fisch, Meeresfrüchte und Gemüse, wo die regionale Herkunft häufig mit Fotos der Erzeuger belegt wird. Dabei spielen Märkte vor allem in den großen Städten eine wesentlich geringere Rolle als anderswo in Asien. Die Supermärkte haben dort deren Rolle übernommen. Da, wo es einen asa-ichi (Morgenmarkt) gibt, etwa in Aomori oder Hakodate auf Hokkaidô, sind die Märkte jedoch sehr beliebt und vor allem morgens, wie der Name sagt, gut besucht. Und der Nishijin-Markt in Kyôto ist eine der Hauptattraktionen der Stadt. Neben den Supermärkten gehören vor allem kleine traditionelle Einzelhändler für Tofu, , Fisch, Fleisch, Obst, Gemüse in jedes Einkaufsviertel. Besonders in der Nähe von Bahnhöfen findet man lange überdachte Einkaufsstraßen (shôtengai). Die in Städten oft 24 Stunden geöffneten →kombini gehören grundsätzlich in jedes Wohnviertel, doch es sind keine kleinen Läden wie die Spätkauf-Läden z.B. in Berlin.

Fertiggerichte gibt es überall, besonders in Supermärkten und kombini. Aber auch Einzelhändler bieten diese an: gegrillter Fisch, beim Metzger Kroketten in mehreren Varianten, vor allem menchi katsu (Kroketten mit Hackfleisch) sind dort beliebt. Verführerisch sind die Angebote beim Bäcker, wo es Dutzende von Backwaren gibt, die wir in deutschen Bäckereien in dieser Vielfalt nie finden würden. →Pan




Essen


Spätestens seit der →Yayoi-Zeit wird in Japan Reis angebaut; gekochter Reis (ご飯 go-han) ist das Grundnahrungsmittel und bedeutet zugleich Mahlzeit. Dazu kommen sowohl angebautes wie in den Bergen gesammeltes Gemüse und Fisch, Meeresfrüchte, Algen aus dem die Inseln umgebenden Meer, heute auch vielfach aus Farmen im Wasser. Fleischgenuss war im vorherrschenden Buddhismus bis nach Ende der →Edo-Zeit verboten (Wild wurde in den Gebirgen jedoch immer schon gejagt und gegessen). Rinder wurden nur als Lasttiere gehalten. Erst 1872 hob der Meiji-Tennô das Verbot auf, damit Nippons Kinder so groß und stark wie die Westler werden konnten. Huhn wurde vorher schon gegessen und im Südwesten Japans (Kyûshû und Okinawa) auch Schweinefleisch, was mit der Nähe zu China zusammenhängt. Milchprodukte kamen erst nach dem 2.Weltkrieg langsam in Mode, sind heute aber sehr beliebt, seit einigen Jahren zunehmend auch Käse. Durch unterschiedliche Arten der Fermentierung wurde Gemüse haltbar gemacht und dessen Nährwert noch erhöht. Frische der Zutaten, die leicht zu kochen sind und den Eigengeschmack bewahren sollen, jahreszeitlicher Bezug, Regionalität sind Charakteristika der wa-shoku (和食) genannten einheimischen Küche, die inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Der Nordosten (Tôhoku) der Hauptinsel Honshû war im 19.Jh. noch bettelarm, es gab immer wieder Hungersnöte. Hokkaidô war nur dünn von den →Ainu besiedelt, wurde erst ab der →Meiji-Ära wirtschaftlich entwickelt. Der heutige Überfluss an Nahrungsmitteln und die enorme Vielfalt der Speisen lässt vergessen, wie einfach die Ernährung noch vor etwas über hundert Jahren war. Aber z.B. in den Tiroler Alpentälern war das damals auch nicht anders.

Faktoren hinter der Vielfalt:

Neugier, Leidenschaft, Offenheit für fremde Einflüsse, Erfindungsreichtum, Experimentierfreude, auch Konkurrenz führen zu immer neuen Gerichten. Wie beim Kulturtransfer sind Japaner immer wieder bereit, Neues anzunehmen, an die eigenen Vorlieben anzupassen und es so zu etwas Eigenem zu machen.

Essen außer Haus

Esslokale spielen eine viel größere Rolle als bei uns. In Tokyo soll es 150.000 Lokale geben, das wäre eines für unter hundert Einwohner. Es gibt Dutzende von →Restauranttypen, dazu in den Städten jede Menge internationaler Lokale. Tokyos Restaurants haben mehr Michelin-Sterne gesammelt als Paris. Kein Wunder, dass Tokyo heute als Gourmet-Hauptstadt der Welt gilt, wobei Ôsaka ebenfalls für seinen Reichtum an Gastronomie berühmt ist.

Veränderte Essgewohnheiten

Die Verbesserung der Ernährung mit dem wirtschaftlichen Aufstieg nach dem Krieg und medizinische Fortschritte führten zu deutlich größerer Lebenserwartung als auch zu höheren Körpergrößen, wenigstens unter Männern (woran liegt es? Fleischgenuss? erhöhter Konsum von Milchprodukten wie Joghurt und Käse?). Traditionelle Japanische Küche fördert die →Gesundheit. Die jungen Leute müssen aufpassen, dass sie sich nicht zu sehr vom amerikanischen, auf Dauer gesundheitsschädlichen Fastfood beeinflussen lassen.

Essen im Alltag

Im Alltag decken sich die Menschen gern mit Fertiggerichten der Supermärkte und anderer Geschäfte, die solche anbieten, ein. Die Grundlagen Reis, eingelegtes Gemüse (Tsukemono), Misoshiru sind zuhause stets vorrätig. Im Grunde braucht man also nur etwas Gemüse und Fisch, und das Menü (teishoku) ist fertig. Nudeln sind heute genauso beliebt wie Reis, der allerdings dank der Subventionierung durch die Regierung der teuerste der Welt ist. Zum Frühstück wird auch zunehmend Toastbrot (→Shokupan) gegessen. Für Kinder und Ehepartner gibt es zum Lunch außer Haus gern →o-Bentô.

Snacks für unterwegs (tabearuki 食べ歩き)

Beliebte Snacks für zwischendurch sind o-nigiri (gefüllte, mit o-Nori umwickelte Reisdreiecke oder –bällchen), niku-man (gedämpfte, mit Fleisch gefüllte Klöße), dango (Spieße mit Kugeln aus Reismehl und Soße), Backwaren wie gefüllte Krapfen, z. B. kare-pan (mit Curry), an-pan (mit rotem Bohnenmus) und unzählige andere Varianten, die allgemein →kashi-pan genannt werden.

Heimisches Obst ist von hoher Qualität und wird sehr aufwendig kultiviert. Als Geschenkpackung ist es für unsere Begriffe teilweise extrem teuer. Das gilt vor allem für Netzmelonen (Galia-) oder Muskatellertrauben. Auktionen zu besonderen Anlässen erzielen astronomische Erlöse. Erdbeeren gibt es bereits im Winter, davor die sehr saftigen Mandarinen, im Sommer Pfirsiche; Kirschen (sakuranbo) sind eher selten und teuer. Im Herbst kommen die großen Fuji- und andere Äpfel, dazu Nashi (Birnen), dann Trauben, Melonen und Kaki auf den Markt. Im Gegensatz zu unseren Gewohnheiten wird Obst grundsätzlich geschält, das gilt gelegentlich traditionell selbst für Weintrauben.

Qualität und Genuss vor Artenschutz

Der Genuss von Haifischflossen wird nie in Frage gestellt, auch nicht der Genuss lebender Fische oder Krabben. Der Qualität, Frische wird alles untergeordnet. Es heißt, dass die Haifischflossen aus Kesenuma stammen, einem vom Tsunami 2011 stark betroffenen Hafen, der u.a. auf Fang von Haien zum Verzehr spezialisiert ist. Stammen Haifischflossen wirklich nur von dort? Anders ist es mit dem →Walfang. Er wurde von den amerikanischen Besatzern nach dem Krieg als Proteinquelle für die Bevölkerung gefördert und ermuntert, aber heute ist das Interesse in der Bevölkerung nur noch gering. Die Regierung unterstützt jedoch nach wie vor die offenbar einflussreiche Lobby.




Einladungen


Während bei uns Einladung von Freunden und Bekannten nach Hause sehr häufig sind, ist das in Japan eher selten. Selbst unter Verwandten lädt man nicht selten lieber in eines der vielen Lokale in der Nähe ein, auch um sich die Arbeit zu sparen. Bei einem Besuch von Verwandten isst man am ersten Abend allerdings meist im Haus. Auch dann, wenn die Verwandten zu alt sind für den Gang in ein Lokal, zumal, wenn sie kein Auto haben. Dann lässt man sich das Essen vom Lokal schicken, oder die Besucher bringen selbst fertige Gerichte mit. Ein Grund sind die häufig kleinen Wohnungen, selbst Häuser haben häufig nur kleine Wohnzimmer oder Küchen, in denen man nur begrenzt am Tisch essen kann.

Auf Einladungen außer Haus ist denn auch das riesige Angebot an Lokalen und Karaokepalästen, vor allem in der Nähe der Bahnhöfe, ausgerichtet. Wer einlädt, bezahlt. Trifft man sich in Cafés oder zum Lunch, ist getrennte Bezahlung (wari-kan) üblich. Wird man eingeladen, ist es höflich, erst einmal dankend abzulehnen, erst wenn die Einladung nachdrücklicher ist oder wiederholt wird, sollte man sie annehmen.




Endaka doruyasu 円高ドル安 (teurer Yen – billiger Dollar)


In den 1990er-Jahren stieg der Wechselkurs des japanischen Yen (JPY) auf 100 Yen für 1 USD. Nach dem Krieg waren es 360 JPY für 1 USD. Wir erinnern uns auch noch an ähnliche Wechselkurse zwischen DM und USD in den Jahrzehnten nach dem Krieg. Für Japan bedeutete der teure Yen (endaka) massive Investments im Ausland. Mit der Globalisierung verloren diese Investments jedoch rapide an Wert. Endaka ist für japanische Politiker und Unternehmer ein Symbol für Stolz, Überlegenheit, Stärke, führte aber zu den Problemen, unter denen das Land noch heute leidet…




enjo kôsai  援助交際  „Aushilfsbegleitung“


Es handelt sich um ein Phänomen, das nach dem Platzen der „Bubble Economy“ und dem damit verbundenen gesteigerten Konsumverhalten insbesondere junger Mädchen zu einem öffentlich beachteten Problem wurde: gelegentlicher Sex von Schülerinnen im Tausch gegen Luxusgeschenke. Manchmal ging es den wohlhabenden, deutlich älteren „Freiern“ nicht um Sex, manchmal nur darum, von einem jungen Mädchen beim Einkaufsbummel (zu ihrem Nutzen) eskortiert zu werden (→Statussymbole). Für die betreffenden Mädchen hatten bzw. haben diese Beziehungen meist nur materielle Bedeutung. In Tokyo gelten Ikebukuro und die Center Gai in Shibuya als Orte zum Aufreißen (nampa), in Osaka die Shinsaibashi; heute geht das wie bei uns meist mit Kuppel-Apps wie Tinder.

Als neuer Begriff bzw. Konzept ist "papakatsu" パパ活 hinzugekommen. Zunächst denkt man an "enjokosai" der 1990er-Jahre, aber die Ausgangssituation ist anders. Attraktive junge Frauen, die eigentlich gern als Hostessen arbeiten würden, sich als solche jetzt aber offiziell registrieren und Steuern zahlen müssen, suchen sich alternativ "sugar daddies", die sie zum Essen oder Shopping ausführen, ihnen Geschenke machen, auch Geld bezahlen. Amuröse, erotische, sexuelle Beziehungen sind nicht integraler Teil dieses neuen Konzepts. Auch männliche "hosts" erzielen so ordentliche Einkommen, die sie nicht deklarieren müssen.




Entschuldigung  謝罪  shazai  お詫び  owabi


Entschuldigung hat in Japan einen anderen Stellenwert als bei uns, insbesondere in seiner ritualisierten Form. Im japanischen Fernsehen sieht man gelegentlich, wie sich der Präsident einer Firma wegen eines gravierenden Fehlers (auch den eines Angestellten)vor versammelten Kameras tief und mehrere Sekunden lang verbeugt mit den Worten moshiwake gozaimasen もし分けございません. Je schwerwiegender der Fehler, desto tiefer und länger muss die Verbeugung sein. Müssen etwa Fahrzeuge wegen eines Problems zurückgerufen werden, muss der Präsident ran. Das gilt auch für Vergehen von Politikern.




Epochen der japanischen Geschichte.


Japan wurde vermutlich vor 30.000 Jahren besiedelt, und zwar über Landbrücken während der letzten Eiszeit von Sibirien nach Hokkaidô, von der Koreanischen Halbinsel, und über das Meer von vermutlich austronesischen Volksgruppen (z.B. Philippinen, Taiwan). Die Landbrücken verschwanden vor 20.000 Jahren

  • Jômon-Zeit (etwa 16.500-300 v.Chr.) 縄文時代. Die Menschen waren Jäger und Sammler und betrieben Brandrodung. Der Name leitet sich vom Schnurmuster (jômon) auf der Keramik ab, der ersten dieser Art in der Welt. Die →Ainu sind genetisch zu 80% mit dem Jômon-Volk identisch, die Yamato-Japaner dagegen nur zu 8%
  • Yayoi-Zeit (etwa 400 v. – 300 n.Chr.) 弥生時代 Einführung von Nassreisanbau und Metallverearbeitung. Yayoi ist ein Stadtteil in Tokyo direkt neben der Tokyo Universität, dort fand man Keramikscherben, die qualitativ hochwertiger sind als die aus der Jômon-Zeit. Die Menschen der Yayoi-Zeit haben bereits eine 92%ige genetische Übereinstimmung mit den heutigen Japanern.
  • Kofun-Zeit (300-552) 古墳時代benannt nach den Hügelgräbern (kofun), besonders eindrucksvoll sind die schlüssellochförmigen, von einem Wassergraben umgebenen Hügelgräber in der Nähe von Ôsaka. In diese Zeit fielen intensive Kontakte mit China und den koreanischen Königreichen Koguryo, Paekche und Silla. Durch diese Kontakte kamen die chinesische Schrift, Konfuzianismus und vor allem Buddhismus nach Japan.
  • Asuka-Zeit (552-710) 飛鳥時代In diese Zeit fällt der Aufstieg des importierten →Buddhismus zur Staatsreligion während der Regentschaft der Kaiserin Suiko bzw. des Prinzregenten Shotoku Taishi
  • Nara-Zeit (710-794) 奈良時代Die Hauptstadt hieß Heijô-kyô, das heutige Nara. Die Zeit war friedlich, allerdings weisen aufkommende Großklöster und Familienverbände auf wachsende Konkurrenz zum Kaiserhof hin.
  • Heian-Zeit (794-1185) 平安時代Die nach Kyôto (heian-kyô) benannte Zeit. Anfangs hatte der Kaiserhof noch echte Macht, aber mit der Aufstieg der Familie Fujiwara endete sie im Grunde für immer. Die Heian-Zeit ist berühmt für die höfische Kultur, Malerei, Dichtkunst. Die Hofdame Murasaki Shikibu verfasste den ersten psychologischen Roman der Weltliteratur
  • Kamakura-Zeit (1185-1333) (鎌倉時代Das Ende der Heian-Zeit war geprägt vom erbitterten Konflikt zwischen zwei Familien, den Taira und den Minamoto, der sich zum Krieg aufschaukelte. Zunächst wurde der Minamoto-Clan vernichtend geschlagen.Der Anführer der Taira (Taira-no-Kiyomori) machte den Fehler, die Anführer der Minamoto am Leben zu lassen. Denn im Gempei-Krieg schlugen die Brüder Minamoto Yoritomo und Yoshitsune die Taira vernichtend. Die Angehörigen mussten in die entlegendsten Gebiete Japans flüchten.Yoritomo zwang seinen Bruder zum Selbstmord und errichtete das erste Shôgunat. Nach seinem Tod (er stürzte vom Pferd, der Legende nach durch den Rachegeist seines Bruders) verlagerte sich die Macht auf die Familie Hôjô. Zweimal (1274 und 1281) wurde in der Folgezeit das Land von Mongolen angegriffen, schwere Stürme (kamikaze = Götterwind) retteten Japan vor der Invasion. Die Kamakura-Zeit endete 1333 auf Betreiben von Kaiser Go-Daigo mit dem Sieg der Familie Ashikaga über die Hôjô.
  • Muromachi-室町時代bzw. Ashikaga-Zeit (1333-1568) Die Ashikaga errichteten ein neues Shôgunat, das im Ônin-Krieg (1467-77), einem Bürgerkrieg, in dem Kôto fast vollständig zerstört wurde, endete. Damit begann das 100 Jahre andauernde Zeitalter der Kriege um die Vorherrschaft in Japan.
  • Sengoku Ära: Zeitalter der Streitenden Reiche (1477-1600 戦国時代) Mit der Ankunft der Portugiesen kamen auch Feuerwaffen ins Land. Diese setzte Oda Nobunaga mit Erfolg ein. Nach seiner Ermordung durch einen seiner Offiziere setzte Toyotomi Hideyoshi, einst einfacher Soldat im Heer Odas, das Werk fort. Nach dessen Tod übernahm Tokugawa Ieyasu die Macht und besiegte in der Schlacht von Sekigahara die Truppen von Hideyori, Sohn Hideyoshis. Dieser Sieg sollte den Verlauf der japanischen Geschichte nachhaltig beeinflussen. Denn sonst hätte es keine Edo-Zeit gegeben, kein Tokyo und wohl auch nicht die 260 Jahre der selbst gewählten Isolation unter der Tokugawa-Dynastie.
  • Edo-Zeit (1600-1868) 江戸時代 Tokugawa Ieyasu, der erste Shogûn der Edo-Zeit war sehr klug. Durch die Wahl des von andern als ungünstig beurteilten, vielfach noch sumpfigen Edo als Sitz des Shôgunats und damit de-facto Hauptstadt rückte er weg von der Kaiserstadt Kyôto in die Mitte von Japan. Und er zwang die Daimyô, alle zwei Jahre für ein halbes Jahr in großen aufwendigen Prozessionen (大名行列, daimyō gyōretsu) nach Edo zu ziehen, und zwar entlang neu geschaffener Fernstraßen von/nach Edo. Diese Reisen der Daimyō in Begleitung ihrer Samurai und ihres Hofstaates schufen die ersten Fernstraßen Japans, die Kaidō. Auf dem Weg nach Edo wurden spezielle Unterkünfte (本陣, honjin) für die reisenden Fürsten und ihr Gefolge unterhalten. Etwa alle 20km entstanden Unterkunftssiedlungen (juku 宿) mit Lokalen und Teehäusern. Damit erhielten die neuen Fernstraßen auch eine Infrastruktur. Die Familien der Daimyô blieben als Geiseln in Edo, wo sie in großen Residenzen mit schönen Gärten wohnten. Das alles diente der Kontrolle der Daimyô und Bindung großer Geldsummen an den Pomp der Prozessionen und den Unterhalt mehrerer Residenzen. Durch die selbstgewählte Isolation (鎖国 sakoku: kein Ausländer durfte Japan betreten, kein Japaner das Land verlassen, das gerade erst eingeführte →Christentum wurde verboten, tausende starben als Märtyrer) konnte sich die Kultur zu ihrer Perfektion entwickeln, am Ende führte die Isolation zur Stagnation und zum Rückstand gegenüber dem Westen. Als einzige Ausländer durften Holländer zunächst in Hirado eine Faktorei der Ostindien-Kompanie (VOC) unterhalten, später mussten sie sich mit der winzigen künstlichen Insel Dejima vor Nagasaki (heute mitten in der Stadt gelegen) begnügen.
  • Meiji-Ära (1868-1912) 明治時代 → Meiji-Ära
  • Taishô-Ära (1912-1926) 大正時代 → Taishô-Ära
  • Shôwa-Ära (1926-1989) 昭和→ Shôwa-Ära
  • Heisei-Ära (1989-2019) 平成→ Heisei-Ära
  • Reiwa (2019-) 令和→ Reiwa-Ära




Erdbeben


In Japan stoßen vier Erdplatten aneinander: im Westen die Eurasische, im Osten vor der Pazifikküste Japans die Pazifische, im Süden die Philippinische, im Norden die Ochotskplatte, die Teil der Nordamerikanischen Platte ist. Außerdem liegt Japan am sogenannten Pazifischen Feuerring, der sich von Neuseeland über Indonesien, Philippinen, Japan, die Kurilen, Kamchatka und entlang der Westküste Nord- und Südamerikas erstreckt, wobei die Existenz der Vulkane mit der Plattentektonik zusammenhängt. Wenn Platten aneinanderstoßen, bilden sich Gebirge, schiebt sich eine Platte unter eine andere, führt dies zu Erdbeben, die besonders stark sind, wenn sich die Platten zunächst verhaken und sich der massive Druck entlädt, wenn sie plötzlich wieder „freikommen“. Südöstlich von Tokyo stoßen die drei erstgenannten Platten aneinander. Unter Tokyo befindet sich das Kanto-Fragment, ein Stück abgebrochener Erdplatte, das für immer wiederkehrende starke Erdbeben verantwortlich ist.

Nicht spürbare Erdbeben gibt es in Japan täglich. Spürbare ab Shindo (震度) 2 oder 3 (s.u. JMA-Skala) werden sofort im Radio oder Fernsehen mitgeteilt. Es gibt natürlich eine App, die diese Informationen auch auf das Smartphone schickt, und zwar „ Yurekuru Call“. Erdbeben werden in Japan mit der JMA-Skala angegeben, die die Intensität an der Oberfläche wiedergibt.

Bei uns werden Erdbeben mit der Magnituden- bzw. Richterskala angegeben, die Ausschläge im Seismogramm zur Grundlage hat. Hier kann man verfolgen, wann und wo Erdbeben kürzlich aufgetreten sind. Das deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam veröffentlicht täglich auf der Seite Geofon eine Liste des globalen Erdbebengeschehens.

Life Safety Leaning Center (bôsaikan 防災館) gibt es überall in Japan in größeren Städten. Dort kann man an kostenlosen „Disaster Prevention Activity“ Touren teilnehmen. In Simulationsräumen wird ein Erdbeben der Stärke 7 erzeugt, man lernt, wie man sich zu verhalten hat, wenn einem ein starkes Erdbeben im eigenen Zuhause widerfährt, auch wie man sich bei Feuer in verrauchten Räumen verhält u.a.m. Überall in den Städten gibt es Hinweisschilder auf Sammelorte nach starken Erdbeben, meist Parks und Schulhöfe. Einzelheiten finden Sie hier.

Auch haben alle Bürger zuhause haltbare Lebensmittelvorräte und Überlebensausrüstung (Kopfschutz, Rettungsdecke, Taschenlampe und Radio mit Handkurbel). Wasservorräte werden in Behörden gelagert, in Tokyo auch im Tempel der Reiyûkai, einer der neuen Religionen.

Angesichts der möglichen und tatsächlich häufigen Katastrophen (Erdbeben, Tsunami, Vulkanausbrüche, Taifune, Erdrutsche durch anhaltenden Starkregen) ist Japan erheblich besser darauf vorbereitet als Deutschland.




Ess- und Trinksitten


Wanderweib Tessa erklärt an Hand vieler Fotos gute Tischmanieren

Allgemein üblich ist, dass man vor Beginn eines gemeinsamen Mahls die Hände wie zum Gebet aneinander legt und „itadaki-masu“ (いただきます)sagt. Die meisten Benimmregeln haben mit der Verwendung der Essstäbchen (o-hashi お箸) zu tun. Um nicht ins Fettnäpfchen zu treten, darf man die Stäbchen nie senkrecht in den Reis stellen (wer macht das auch schon (!), so wird Reis nämlich vor dem Hausaltar als Opfergabe gestellt) und man darf mit Stäbchen kein Essen an die Stäbchen eines anderen reichen (so etwas könnte schon eher mal passieren, dass man einen leckeren Bissen weiterreichen möchte; so werden nach der Einäscherung Knochenreste mit Stäbchen weitergereicht!). Liegen Servierstäbchen bereit, verwendet man diese, um sich von einem Gericht zu bedienen, ansonsten nimmt man die Enden der eigenen Stäbchen, wie Tessa erklärt.

Ein Trick beim Trinken auf Partys: da nach japanischem Brauch jede anwesende Person mit jeder anderen Person ein paar Worte wechselt und man dabei miteinander anstößt und etwas trinkt, ist es empfehlenswert, nur etwas vom Rand zu nippen, dann passt beim Nachschenken nur wenig Sake bzw. Bier hinein. Prost heißt kampai (乾杯)!




Eta穢多(wörtlich: viel Schmutz), Burakumin


In der →Edo-Zeit gehörten die Eta zusammen mit den Hinin (Nicht-Menschen: zumeist Kriminelle, Bettler, Leichenwäscher, Totengräber) zu den auf niedrigster Stufe unterhalb der vier Stände stehenden Bevölkerungsgruppen. Sie verrichteten Tätigkeiten, die im shintoistisch und buddhistisch geprägten Japan als unrein, schmutzig (kegare) galten: Schlachter, Gerber, Lederverarbeiter, und damit auch Trommelhersteller und Schuhmacher. Mit diesen als unrein geltenden, aber notwendigen Tätigkeiten standen sie in der Gesellschaft zwar ganz unten, hatten aber ein gesichertes Einkommen. Sie lebten abgetrennt von der örtlichen Gemeinschaft in gesonderten Siedlungen (buraku), weshalb sie auch buraku-min genannt wurden. Deren Kinder durften keine normalen Schulen besuchen, auch durften sie wie die Paria in Indien von normalen Bürgern kein Essen annehmen oder deren Häuser betreten. Noch heute glauben viele, dass sie ansteckende Krankheiten verbreiten würden.

Mit Ende der Edo-Zeit wurden 1871 die Burakumin offiziell befreit und zu shin-heimin (Neu-Normalbürgern ernannt, verloren damit ihre frühere Monopolstellung, weshalb sich ihre finanzielle Situation verschlechterte. Doch der Makel blieb. Bis in die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts wurden Menschen, die aus den ehemaligen Buraku stammten, bei der Bewerbung für Firmen oder als Ehepartner diskriminiert, weil entgegen der Gesetze von 1947 inoffizielle Listen der einstigen Buraku kursierten, und wer von dort stammte, hatte schlechte Karten. Es gab einst mehr als 5000 Sondersiedlungen, heute leben noch zwei bis drei Millionen Menschen, die Nachfahren der einstigen Burakumin sind. In Tokyo war der Stadtteil Sanya im Norden von Asakusa einst ein Buraku. Noch heute ist Asakusa ein Zentrum der Schuhherstellung. Da dürfte ein Zusammenhang bestehen.





F

Fächer


Faltbare Fächer ( ogi) wurden in Japan erfunden, vermutlich um das 10.Jh. Steife, meist runde Fächer ( uchiwa) wurden ab dem 6.Jh. aus China eingeführt. Handbemalte Fächer sind teuer, es gibt aber auch attraktive Fächer in 100-Yen-Shops, und runde Fächer werden gern als Reklame verschenkt.




Familienfeiern →Hochzeit, Trauerfeier


Familienfeiern haben in Japan große Bedeutung, sie sind daher eine eher formelle Angelegenheit.




Fernsehen (TV Kultur)


Fernsehen, auch wenn man die Sprache nicht versteht, ist besonders auch in Japan ein gutes Medium, sich schnell darüber zu informieren, was Japaner an Unterhaltung und Informationen erwarten. Worüber lachen sie, was interessiert sie? Auffällig sind die sehr langen Infotainment-Programme. Von morgens bis zum Spätnachmittag werden die Nachrichten sehr detailliert präsentiert und diskutiert. Man spürt das große Interesse an ausführlicher Information. Selbst für Europa, selbst Deutschland wichtige Nachrichten bekommen die Zuschauer angeboten. Kein Wunder, dass Japaner mehr über uns wissen als umgekehrt.

Beliebt sind Reisesendungen aller Art, z.B. als Wettkampf zwischen zwei Teams, etwa Bus gegen Bahn oder 100km zu Fuß: wer am schnellsten am Ziel ist. Oder die Zahl auf dem Würfel bestimmt, wieviel Stationen das Team mit dem Bus fahren darf. Dort, wo sie aussteigen, müssen sie nach einem Lokal suchen, vorher dürfen sie nicht das nächste Mal würfeln. Oder sie müssen örtliche Sehenswürdigkeiten aufsuchen.Neben dem Reisen geht es immer um Essen und Baden, letzteres oft als "Belohnung" für die Anstrengungen des Tages.

Es gibt einige wenige Ärzteserien und Krimis, aber im Vergleich zu Deutschland nur ein Bruchteil davon, daneben übliche TV-Dramen, Anime-Serien, Quiz-Shows. Es gibt -vielleicht eine japanische Spezialität - einige Sendungen, die Ausländer im Mittelpunkt haben: „Ich möchte unbedingt mal nach Japan“, um bestimmte Handwerksarten näher kennen zu lernen oder beliebte Gerichte. Oder bei „Cool Japan“ im staatlichen Sender NHK diskutieren sie japanische Besonderheiten, die sie cool finden. Oder der Vergleich zwischen Japan und dem Ausland, wobei natürlich Japan immer spitzenmäßig abschneidet.

Einige Beispiele für Sendungen der Kanto-TV-Sender, die es bei uns so nicht gibt

Sonntags:

Nariyuki kaidô 成り行き街道: Der Moderator geht mit einem Gast und einem Assistenten durch ein Stadtviertel bummeln, einschließlich Essen und Einkaufen. Wegen der Corona Pandemie werden derzeit die besuchten Lokale und Läden vorher ausgesucht und reserviert, normalerweise entscheiden sich die Spaziergänger spontan, wo sie hineingehen oder essen. Auch benutzen sie für Ortswechsel einen gecharterten Kleinbus.

Bei rosen bas yorimichi no tabi 路線バス寄り道の旅 benutzen die Protagonisten, eine jüngere Frau und ein älterer Herr, der im Bus immer einschläft und von Pferde- und anderen Wetten träumt, dazu ein Gast, öffentliche Busse in Tokyo und bummeln durch ein Viertel. Auch hier wird gegessen und eingekauft.

Nani kore ナニコレ: Merkwürdigkeiten, Seltsames, Skurriles, Tiervideos u.a. werden vorgestellt

Potsun to iken ya ぽつんと一軒家: auf Google Earth werden einzeln stehende Häuser mitten in den Bergen aufgespürt, von diesen werden nun ein oder zwei Anwesen aufgesucht. Die Bewohner werden vorgestellt, weshalb sie dort leben

Sekai no hate made itte q 世界のはてまで行ってq: sehr beliebte Sendung, die wegen der Reisebeschränkungen in der Pandemie nicht wie gewohnt funktioniert: besondere Feste, ungewöhnliche Wettkämpfe, Einüben von Fertigkeiten innerhalb einer Woche,kleine Abenteuer in aller Welt, derzeit aber nur in Japan

Montags:

Kaere mandé かえれマンデー: eine Gruppe von geinojin, also TV-Persönlichkeiten, unternehmen eine Tagestour per Bus in der Provinz. Es wird vor der Fahrt gewürfelt, die Zahl der Augen bestimmt, an der wievielten Haltestelle sie aussteigen müssen. In Provinzen ohne Meeresanbindung müssen sie dann in der Regel ein Sushi-Lokal finden, notfalls so lange zu Fuß gehen, bis sie eines finden, dann wird wieder gewürfelt und weiter gefahren. Häufig geht es nur darum, Esslokale zu finden, was in ländlichen Gegenden häufiger als bei uns möglich ist, aber dennoch immer wieder längere Fußmärsche erfordert.

You wa nani shi nippon e Youは何し日本へ: auch diese Sendung funktioniert in Zeiten von Corona nicht, wo Touristen Einreiseverbot nach Japan haben. Auf Flughäfen werden gaijin interviewt bei der Ankunft nach ihren Reisezielen, vor dem Rückflug nach ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Nippon e ikitai 日本へ行きたい: nach Japan eingeladen werden Ausländer*innen, die sich für ein japanisches Handwerk, bestimmte Nahrungsmittel u.a. interessieren, meist haben sie sich schon in der Heimat damit intensiv befasst. Einfacher haben es diejenigen, die sich für bestimmte populäre Gerichte interessieren und diese mal in Japan kennenlernen wollen. In Europa kommen viele Interessierte aus Polen und Ungarn, manchmal auch aus Deutschland.

Dienstags:

Nan de mo kanteidan 何でも鑑定団: Derartige Sendungen gibt es auch bei uns: es geht darum, persönliche Schätze von Experten schätzen zu lassen, aber nicht um Verkauf. Es wird aber viel gelacht, was bei ähnlichen Sendungen bei uns, insbesodere der des BR, nicht vorkommt. Bei Kalligraphien oder Landschaftsmalereien, auch bei Keramik auf Rollbildern kommt es zu riesigen Differenzen zwischen Werterwartungen vermeintlicher Schätze und der Expertise: statt Millionen Yen sind es nur dann 500 oder 1000 Yen, wenn es sich nämlich um Fälschungen handelt.

Shiawase bonbi girl 幸せボンビーガール: junge Mädchen aus der Provinz, die es in Tokyo schaffen wollen, werden vorgestellt. Bevor sie sich an die Verwirklichung ihrer Träume machen können, brauchen sie erst einmal ein bezahlbares Apartment. Ein TV-Team begleitet sie auf der Suche danach.

Mittwochs

Ie, tsuite itte iidesuka 家ついて行っていいですか: nachts, wenn der öffentliche Nahverkehr schlafen geht, kommt man nur noch mit dem Taxi nach Hause. Ein Reporter fragt Menschen zu später Stunde an Orten wie Bahnhöfen, Supermärkten, dem öffentlichen Bad, ob er sie nach Hause begleiten dürfe und dafür die Taxifahrt bezahle, um sie und ihre Wohnung kennen zu lernen. Dabei erfahren die Zuschauer vieles über das Leben dieser Menschen, ihre Schicksale usw. Trifft er sie vor dem Bad oder Supermarkt, haben sie es meist nicht weit nach Hause. In diesen Fällen wird für das Bad eine Zehnerkarte verschenkt oder der Einkauf im Geschäft bezahlt.

Suibara 水バラ: diese Sendung findet nicht jeden Mittwoch statt, weil es sich meist um einen viertägigen Wettkampf zweier Teams handelt. Ein Team darf z.B. nur Züge, das andere nur Busse benutzen. Für Taxis steht ein begrenztes Budget zur Verfügung. Deren kluger Einsatz ist für den Sieg häufig entscheidend. Es müssen bestimmte Checkpunkte aufgesucht werden, an denen irgendwelche Aufgaben erledigt werden müssen, manchmal müssen nur bestimmte Gerichte gessen werden. Längere Fußmärsche sind für beide Teams immer wieder notwendig. Es gibt daneben bei dieser Sendung weitere Formate, z.B. muss eine Strecke von 600km in vier Tagen ausschließlich mit lokalen Bussen bewältigt werden, Fernbusse und solche, die auf Autobahnen verkehren, dürfen nicht benutzt werden. Übernachtungen werden auch nicht gebucht, weil das Team nicht weiß, wie weit sie jeweils kommen.

Donnerstags:

Purebatto プレバット: Teilnehmer schreiben Haiku, malen Bilder u.a. diese werden von Expert*innen anschließend beurteilt.

Kenmin shô 県民 show: bei jeder Sendung werden zwei Präfekturen vorgestellt, häufig kulinarische Spezialitäten, sprachliche Besonderheiten usw.. Im Studio sitzen Vertreter*innen aller Präfekturen und diskutieren über dieses und jenes.

Freitags:

Waratte koraete 笑ってコラえて! Unterhaltungssendung, bei der u.a. seit Jahrzehnten verschlossene Tresore auf Wunsch der Besitzer in der Hoffnung, Schätze zu finden, geöffnet werden. Das Öffnen gelingt zwar immer, aber meist sind die Fächer leer oder enthalten nur alte Urkunden, Aktien und anderes inzwischen wertloses Papier…

Samstags:

Asa da! tabi sarada 朝だ!旅サラダ: Reisesendung am Samstagmorgen, es werden Ziele im In- und Ausland vorgestellt, zwischendurch werden Lokale, die von Einheimischen empfohlen wurden, getestet.

Doyô special 土曜スペシャル: Reisesendung, ähnlich wie die am Mittwoch, im Wechsel mit Degawa Tetsuro 出川, der mit einem Gast und einem Assistenten auf e-Bikes durch die Gegend fährt. Die Bikes haben nur geringe Reichweite, sodass die Fahrer häufig unterbrechen müssen, um die Akkus wieder aufzuladen, was 2 Stunden dauert. Das können Läden, Lokale, aber auch Privathäuser sein und gibt Gelegenheit zu längeren Plaudereien. Degawa ist durch dieses Programm besonders bei Kindern und jungen Leuten insgesamt ein Star geworden. Wo er auftauicht bilden sich in den ländlichen Gebieten sofort größere Menschenmengen.

Nicht vergessen werden dürfen die Programme des staatlichen Fernsehens NHK. Sumofans bekommen hier alle wichtigen Kämpfe live angeboten. Video-on-demand bietet online hunderte von Dokumentationen zu Japan. Auch Programme zum Japanisch-Lernen sind dabei. Details hier




Feste (matsuri)


Feste finden in Japan typischerweise im Frühjahr zur Aussaat (Bitte um gute Ernte) und im Herbst nach der Ernte als Erntedank statt. Im ganzen Land soll es um die 10.000 Feste geben. →Matsuri




Feiertage und landesweite Feste


Es gibt in Japan 16 gesetzliche Feiertage. Religiöse Feiertage wurden nach dem Krieg abgeschafft. Außer Neujahr ist kein Feiertag mit den bei uns üblichen vergleichbar. In Japan werden Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, am darauffolgenden Montag nachgeholt. Mehrere Feiertage wurden bewusst auf Montage gelegt, um damit ein verlängertes Wochenende zu schaffen

Januar

1.-3.01. Neujahr

2. Montag im Januar: seijin no hi 成人の日Tag des Erwachsenenwerdens (Offizielle Feier für die jungen Menschen, die 20 geworden sind; die jungen Frauen führen an diesem Tag gern ihre prächtigsten →Kimonos aus.

Februar

02.02. Setsubun (節分, wörtlich Teilung der Jahreszeiten; seltener am 3. oder 4. 02.) war im alten Kalender der Frühlingsbeginn, heute bekannt für die Rituale zur Abwehr von Dämonen (oni).

11.02. Kenkoku Kinen no Hi 建国記念の日 (Staatsgründungstag), 11.Februar, gesetzlicher Feiertag, erinnert an die mythische Staatsgründung durch Kaiser Jimmu am 1.Tag des neuen Jahres.

14.02. Valentinstag (Valentine Dayバレンタインデー), in Japan verschenken junge Frauen Schokolade an Männer, denen sie Dank oder Respekt schulden (giri choko = Pflichtschokolade) und an die, die sie wirklich mögen (honmei-choko = wahre Liebe/Zuneigungs-schokolade)

23.02. Geburtstag des Reiwa Tennô Kaiser Naruhito, gesetzlicher Feiertag; normalerweise zeigt sich der Tennô mit seiner Familie am Fenster im Kaiserpalast (2020/21 wegen Corona ausgefallen)

März

03.03. Hina Matsuri 雛祭(Mädchenfest), alter Name: Momo no Sekku (桃の節句,Pfirsichfest), an diesem Tag werden in Familien mit Mädchen rot drapierte Gestelle mit Puppen, die den kaiserlichen Hofstaat im Stil der Heian-Zeit darstellen, aufgestellt, die hina-ningyô( (雛人形).

14.03. White Day: die am Valentinstag Beschenkten revanchieren sich an diesem Tag in doppelter Menge mit (weißer) Schokolade, Blumen, Süßigkeiten u.a.

20.03. Shunbun no Hi 春分の日(Frühjahrsbeginn), gesetzlicher Feiertag; an diesem Tag treffen sich die Familien und besuchen das Familiengrab, Bauern beten um gute Ernte.

Ende März ist im Raum Tokyo die Zeit der Kirschblüte (→Sakura). Dann finden in ihrem Schatten die beliebten Hanami (花見)-Partys statt. Nach Norden und den Bergen zu findet die Blüte entsprechend später statt, in Hokkaidô erst Anfang Mai, im Süden Mitte März und früher.

April

01.04. Beginn des Finanz- und Schuljahres: Frühjahr ist die Zeit der Erneuerung und die Zeit der Kirschblüte. In der Meiji-Zeit begann man, den Beginn des Geschäfts- und Schuljahres auf den 1.April zu legen. Auch Firmen stellen Uni-Absolventen an diesem Tag ein.

08.04. Hana Matsuri (花祭 Blumenfest). In Tempeln wird an diesem Tag Buddhas Geburtstag gefeiert. Kleine Buddhastatuen werden mit süßem Tee aus fermentierten Hortensienblättern übergossen, die Zeremonie heißt kambutsue (灌仏会).

29.04. Showa no Hi (昭和の日→Showa-Gedenktag), ursprünglich war es der Geburtstag des Showa-Tennô Kaiser Hirohito

Golden Week: die Woche zwischen dem 29.04. und dem 05.05. wird so genannt, weil vier gesetzliche Feiertage gebündelt in diesen Zeitraum fallen. Normalerweise herrscht in dieser Zeit eine hektische Reisetätigkeit, gern auch ins Ausland (2020/21 wegen Corona ausgefallen)

Mai

03.05. Kenpô Kinenbi (憲法記念日) Tag der Erinnerung an das Inkrafttreten der Nachkriegsverfassung am 3.Mai 1947)

04.05. Midori no Hi (みどりの日Tag d)es Grünen); letztlich ein gesetzlicher Tag zum Ausfüllen der Goldenen Woche, steht aber auch für die Liebe der Japaner zur Natur.

05.05. Kodomo no Hi (こどもの日Kindertag), dem Namen nach den Kindern allgemein gewidmet, in Wahrheit ist es der Jungentag Tango no Sekku, das Pendant zum Mädchentag am 3.März.

Juli

07.07. Tanabata (七夕) an diesem Tag werden auf schmale Papierstreifen Gedichte oder Wünsche geschrieben und die Streifen an Bambuszweigen aufgehängt. Kein gesetzlicher Feiertag

22.07. Umi no Hi (海の日Tag des Meeres, sonst 3.Montag im Juli), gesetzlicher Feiertag, 2021 vor die Eröffnung der Olympischen Spiele gelegt.

09.08. Yama no Hi (山の日Tag der Berge, üblicherweise am 11.08.), gesetzlicher Feiertag, 2021 an die Schlussfeier der Olympischen Spiele gelegt.

Mitte Juli bis Mitte August: O-bon (お盆, keine gesetzlichen Feiertage, aber Firmen geben meist wie an Neujahr dafür einige Tage frei) ist ein Fest zum Gedenken und an die Ahnen und zu ihrer Verehrung.

September

3. Montag: Keirô no Hi (敬老の日Tag der Alten), gesetzlicher Feiertag aus Respekt vor den alten Menschen.

23.09. Shûbun no Hi (秋分の日Herbst Tag-und-Nacht-Gleiche), gesetzlicher Feiertag, wie im Frühjahr Besuch der Familiengräber

Oktober

2. Montag: Sports no Hi (スポーツの日Tag des Sports, bis 2020 Taiiku no Hi体育の日Tag des Sports und der Gesundheit), gesetzlicher Feiertag zur Erinnerung an die Olympischen Spiele 1964 .

November

03.11. Bunka no Hi (文化の日Tag der Kultur), gesetzlicher Feiertag

15.11. Shichi-go-san (七五三, 7-5-3) 3- und 7-jährige Mädchen und 5-jährigen Jungen präsentieren sich in prächtigen Kimonos bzw. Kleidung den Schreinen zum Dank für bisheriges gesundes Gedeihen und bitten um künftiges Wohlergehen. In der Regel werden die Schreine am Wochenende davor oder danach besucht, das wäre 2021 am 14.11. Kein gesetzlicher Feiertag

23.11. Kinrô-kansha no Hi (勤労感謝の日Tag des Dankes für die Arbeit); gesetzlicher Feiertag (dafür ist der internationale Tag der Arbeit am 1. Mai kein Feiertag

Der vollständige Text steht im Kaiho 01/21 (Neujahr) und 03/21 (restliche Feiertage) bzw. im Abschnitt Kaiho auf dieser Webseite.




Feuerwerk 花火   (hanabi)


Japanisches Feuerwerk arbeitet nicht mit Raketen, wie wir es kennen, sondern mit Kugelbomben, die sich im Verlauf der Edo-Zeit zur Perfektion entwickelt haben. Mit der japanischen Handwerkermeistern eigenen Liebe zu Perfektion, Tüftelei, mit Experimentierfreudigkeit, haben Feuerwerksmeister (hanabishi) die Blumen aus Feuer (hanabi) zur heutigen Pracht entwickelt. Die Feuerwerkskugeln werden aus mehreren Schichten aufgebaut, an den großen Kugeln werden manchmal kleinere Kugeln befestigt, um die berühmten Blumenmuster noch zu differenzieren. Feuerwerke finden typischerweise im Sommer, in Tokyo am Sumida-Fluss Ende Juli statt. Während der Corona-Pandemie gab es kleinere unangemeldete Feuerwerke zur „Vertreibung der Corona-Dämonen“. Diese Sitte stammt aus der Edo-Zeit, als man auf diese Weise Seuchen auszutreiben versuchte.

Eine Besonderheit ist tesatsu, Feuerwerk aus Schwarzpulver und Eisenspänen, die in ein Stück Bambusrohr gestopft und selbst gezündet werden. Das erfordert Mut, denn man muss das Rohr in der Hand halten und dabei knien. Das geschieht nebeneinander auf der Bühne und ist eine Art Initiationsritus für junge Männer.




Fotografieren


Japaner und Fotoapparate, das war mal eine sprichwörtliche Einheit. Heutzutage, wo fast alle ein Smartphone haben, die über 90% statt normaler Kameras zum Fotografieren benutzen, haben Japaner dieses Alleinstellungsmerkmal längst nicht mehr.

Aber hochwertige Spiegelreflexkameras mit teuren Zoomobjektiven waren noch nie aus der japanischen Öffentlichkeit verschwunden. An Stellen für lohnende Motive, etwa in Parks oder an besonderen Punkten in der Landschaft sieht man häufig größere Gruppen von Amateuren geduldig, d.h. stundenlang auf den perfekten Moment warten. Zum Sonnenuntergang auf dem Hausberg von Tokyo, dem 599m hohen Takao-san, kamen an einem Tag um den Winteranfang mehrere Hundert Fotografen, um das Spektakel des „Diamond Fuji“ festzuhalten, den kurzen Moment, wo die untergehende Sonne für Sekunden auf dem Gipfel des Fuji-san verweilt.

Wollen Sie mit ihrer Kamera oder Smartphone von jemandem fotografiert werden, sagen Sie am besten: „Sumimasen, shattā o oshite itadakemasu ka“ (Entschuldigung, würden Sie bitte auf den Auslöser drücken?). Möchten Sie anbieten, eine andere Person oder an Paar zu fotografieren, oder möchten sie fremde Menschen fotografieren, können Sie fragen: „Shashin o totte mō ii desu ka“(Soll ich Sie vielleicht fotografieren?).

Piktogramme einer durchgestrichenen Kamera, oder eines durchgestrichenen Blitzes zeigen in Ausstellungen, Galerien, Museen, Schreinen oder Tempeln an, wo fotografieren bzw. fotografieren mit Blitz verboten ist.




Frauen in der Berufswelt


In großen Firmen sind Frauen traditionell nicht für eine berufliche Karriere vorgesehen. Eigentlich sollten sie mit 25 verheiratet sein und damit die Firma verlassen haben. Deshalb galten sie als office girl (OG) bzw. office lady (OL) und verrichteten Dinge wie Kopieren, Tee einschenken usw., während ihre männlichen Kollegen salary men genannt werden und langsam die Karriereleiter in der Firma Aufsteigen. Da jedoch Frauen heute, wenn überhaupt, erst mit über 30 heiraten, wenigstens in den Städten, können sie länger in der Firma bleiben und zur „career woman“ aufsteigen.

Da die japanische Bevölkerung den weltweit höchsten Anteil an älteren Menschen hat (28% sind über 65, spätestens in vierzig Jahren wird ihr Anteil ein Drittel betragen), werden Frauen ermutigt, nach Heirat und Kindererziehung wieder Teil der Arbeitswelt zu werden, auch über 65 hinaus. Inzwischen arbeiten etwas über 50% der Frauen, verglichen mit 70% der Männer; ihr Anteil beträgt etwa 45%. Aber! Fast die Hälfte arbeitet nur halbtags oder stundenweise, und hat damit erheblich niedrigere Einkommen als Männer. Das kennen wir ja auch von hier. Zusätzlich arbeiten berufstätige Mütter zuhause durchschnittlich noch fast vier Stunden unbezahlt, Männer nur 45 Minuten. Für berufstätige Mütter gibt es nicht genug Plätze in Krippen oder Kindergärten. Starker moralischer Druck lastet auf Müttern, die sich nach traditioneller Auffassung über ihre Kinder identifizieren und sich für sie aufopfern sollten, zumal sie die deren Erziehung verantworten (vorausgesetzt, der Ehemann ist berufstätig). Die gläserne Decke ist für Frauen sehr niedrig, von 195 Ländern belegt Japan Platz 167, was den Anteil von Frauen in der Regierung betrifft. Gehälter für Frauen liegen in Japan um 24% unter denen der Männer, nur Südkorea hat innerhalb der OECD-Länder eine größere Kluft (33%). Der Gender Pay Gap beträgt in Deutschland 20%, in Ostdeutschland aber nur 6%. Quelle




Frau und Mann


Frau und Mann haben unterschiedliche Lebensbereiche. Selbst wenn sie in derselben Firma arbeiten, bleiben Männer und Frauen unter sich. Die jungen Frauen sind heute allerdings weit entfernt von der anerzogenen Unterwürfigkeit ihrer Mütter und Großmütter. Viele Männer haben heute regelrecht Angst vor Frauen. Und Frauen machen das Beste aus ihrer Situation. Während die Männer normalerweise für ihre Firma arbeiten, gehen Frauen miteinander Einkaufen, gut essen, auf Reisen… Angenommen die Frau des Hauses verbringt ihre besten Jahre als Hausfrau und Mutter (wie es die Regierungspartei LDP) gern hätte, und ihr Mann kommt am Ende seines Berufslebens mit dem berüchtigten Blumenstrauß (→Blumen) nach Hause, wird er von der Frau, die ja Chefin im Haus ist, in gewisser Weise als sodai gomi (Sondermüll) empfunden, überflüssig, nutz- und hilflos. Das ist ein Stereotyp, aber so verkehrt ist es wohl nicht, wenn Scheidungen überwiegend von Frauen eingereicht werden. Siehe: Kaiho 06/20 „Frauen im heutigen Japan“




Fremdenfeindlichkeit


Angesichts der weltberühmten sprichwörtlichen Höflichkeit der Japaner werden Fremdenfeindlichkeit und Rassismus nie offen ausgesprochen, sondern so versteckt, dass sie der ausländische Gast wohl nie spüren wird. Selbst Afrikaner fühlen sich in Japan nicht diskriminiert. Dabei halten Japaner sich für kulturell überlegen und hegen im Grunde Misstrauen gegen Ausländer, aber das kennen wir auch von anderen Nationen, z.B. Thailändern.

In der Altenpflege, wo es zunehmend Personalbedarf gibt, den die eigene Bevölkerung nicht mehr decken kann, könnte sich Japan am riesigen potenziellen Markt in Südostasien bedienen. Aber sie trauen den Pflegekräften, z.B. aus Indonesien, die in Taiwan in der Altenpflege dominieren, nicht zu, dass sie sich kulturell an die Bedürfnisse japanischer Senior/innen anpassen können und wollen. Stattdessen arbeitet die Forschung intensiv an Pflegerobotern. Eine Zwischenlösung und Vorrichtungen, die das schwere Heben und Umbetten von bettlägerigen Pflegefällen erleichtern helfen.

Dennoch gibt es mehrere hunderttausend Gastarbeiter*innen. Erst seit 2018 hat sich die Regierung auf Quoten einigen können: rund 350.000 Gastarbeiter aus Nepal und Südostasien dürfen bis 2023 legal auf Vertragsbasis nach Japan kommen. Gegenwärtig leben bereits etwa 1,5 Mio. ausländische Arbeiter in Japan, die Hälfte davon aus China und Vietnam. Sie werden offiziell Trainees genannt, aber als billige Arbeitskräfte häufig ausgebeutet. Nach einer Prognose der Vereinten Nationen und Institutionen der japanischen Regierung wird die japanische Bevölkerung Mitte dieses Jahrhunderts unter 100 Mio. gesunken und Ende des Jahrhunderts um ein Drittel geschrumpft sein.




Freundschaften


Stärker als bei uns bilden sich lebenslange Freundschaften häufig schon während der sechsjährigen Grundschulzeit. Auch Abschlussklassen treffen sich jährlich zu Klassentreffen in ihrer Schule und feiern regelmäßig Jahresende- und Neujahrspartys. Ansonsten sind Freundschaften meist nach Geschlechtern getrennt: Arbeitskollegen, Arbeitskolleginnen, Mütter von Kindern im selben Kindergarten, in derselben Klasse ...




Friseur


Japanische Friseurläden haben Weltruf wegen ihres herausragenden Service, der auch bei Herrenfriseuren (rihatsu-ten 理髪店bzw. tokoya 床屋) folgende Leistungen enthält: Haarschnitt, Kopfwäsche, Rasur, Entfernen von Haaren in der Nase und in den Ohren, ein heißes Handtuch für das Gesicht (oshibori), Kopf und Schultermassage. Das hat natürlich seinen Preis. Wer nur einen schnellen, preiswerten Haarschnitt um die 1500 Yen braucht, geht zu Discountfriseuren, oft in Bahnhofsnähe zu finden. Herrenfriseure haben üblicherweise wie bei uns montags geschlossen

Damenfriseur*innen biyôin (美容院) sind nicht nur für modische Frisuren zuständig; sie helfen auch beim Anziehen von Kimonos und Arrangieren der für Kimonos schicklichen Frisuren. Das können junge Frauen heute in der Regel nicht mehr. Damensalons haben meist dienstags geschlossen.




Fugu  河豚


Fugu galt lange als japanisches Roulette, da das vor allem in den Innereien, aber auch in Haut und Augen enthaltene Gift Tetrodotoxin zu Lähmung der Muskeln bis hin zu Atemlähmung und damit zum Tod führt. Wer den Genuss von Fugu überlebte, konnte sich glücklich schätzen, ein besonderes Geschmackserlebnis gehabt zu haben. Wer diesen Fisch zerlegen darf, muss zwei bis drei Jahre in einem Fugu-Restaurant lernen, bei der Prüfung fallen jedoch stets zwi Drittel durch. Heute gibt es in der Torafugu-Kette gezüchteten, ungiftigen Fugu, weil die Fische besonderes Futter bekommen und somit das Gift, das sie nicht selbst herstellen können, mit der Nahrung auch nicht aufnehmen.

Beliebt ist vor allem Sashimi des extrem dünn geschnittenen und damit durchsichtigen weißen Fleisches, ästhetisch arrangiert auf einem Teller mit attraktivem Muster. Gebraten als Fugu kara-age und als Eintopf wird er ebenfalls gern verzehrt. Eine Spezialität sind die knusprig gebratenenen Flossen in Sake. In ein Fugu-Lokal essen zu gehen, ist eine Art Statussymbol. Weitere Details




Fuji-san (3776m) 富士山


Für Japaner ist dieser fast perfekte Vulkan das Symbol #1 und der Mittelpunkt der Nation. Er ist der mit Abstand höchste Berg des Landes. Die Nr.2 der höchsten Berge, der Kita-dake in den Südalpen, ist 584m niedriger. Der Fuji ist aus mehreren hundert Kilometern Entfernung zu sehen. Die Bedeutung seines Namens ist nicht eindeutig, möglicherweise leitet er sich vom Ainu-Wort für Feuer ab. Er soll bereits im Jahr 663 vom Gründer der budhistischen synkretischen Shugendô-Sekte, En-no-Gyoja, erstmals bestiegen worden sein. Jedes Jahr ist der Berg offiziell zwischen dem 1. Juli und 31. August bzw. Mitte September für Besteigungen geöffnet (2020 blieb er wegen der Corona-Pandemie geschlossen, am 01.07.21 wurde er erstmals seit 2019 wieder geöffnet, allerdings gelten besondere Regeln, so muss man sich für eine Übernachtung auf einer der zahlreichen Hütten an den Aufstiegswegen vorher anmelden). Obwohl seine Besteigung keine technischen Fertigkeiten verlangt, ist seine Besteigung ab dem ersten Schneefall (meist Ende Oktober) bis ins Frühjahr hinein gefährlich, bedingt durch vereiste Schutt- und Aschehänge, starken Wind und Kälte im oberen Drittel. Mit Ski wird er ab Ende April jedoch gern bestiegen, am bequemsten ist das, wenn die Straßen zu den 5.Stationen geöffnet sind. Sonst muss man am Fuß des Berges starten und zu Fuß über die Straße oder durch das Gelände aufsteigen.

Der heilige Berg Fuji ist Heimat der Shintô-Göttin Kono-hana-sakuya-hime, zugleich Göttin der Vulkane und der Kirschblüten

In der Edo-Zeit entstand ein Kult um den Fuji,富士講 Fuji-kô genannt. Begründet wurde dieser vom Shintôpriester Hasegawa Kakugyô (1541-1646), der die rituelle Besteigung des Fuji-san zu einer religiösen Verpflichtung erhob. Aber in der Edo-Zeit war das ein beschwerliches Unternehmen (nicht wie heute, wo man mit dem Bus nachts von Shinjuku die 100 km zur 5.Station und nach der nächtlichen Besteigung am nächsten Tag nachmittags wieder zurück fährt). Das war nur etwas für junge Männer (Frauen durften den Berg wegen ihrer monatlichen Blutungen erst gar nicht besteigen).

Da kam der Shintôpriester Takada Toshiro 1780 auf die glänzende Idee, einen künstlichen Hügel aus Material des Fuji-san auf dem Gelände seines Mizu-Inari-Schreins in der Nähe der Waseda-Universität zu errichten. Er brauchte für den zehn Meter hohen Hügel neun Jahre, weil er das Material mühsam vom Fuji heranschaffen ließ. Damit war der erste von einst 800 (!) künstlich errichteten Mini-Fujis, genannt Fuji-zuka (富士塚) geschaffen. Viele waren nur drei Meter hoch oder hatten einen Kern aus örtlich beschafften Steinen, aber der äußere Mantel musste aus Originalmaterial vom Fuji stammen und wenn möglich Asche vom Gipfel auf deren höchstem Punkt enthalten. Zum fertigen Fuji-zuka gehörten zusätzlich Kopien von Markierungen der 10 Stationen, Steinfiguren, kleine Schreine u.a. Elemente des fernen großen Originals. Der Fujikô-Kult setzte sich noch bis über die Meiji-Zeit hinaus fort. Der bekannte Fuji-zuka des Shinagawa-Schreins entstand erst nach dem Ende der Edo-Zeit um 1872. Mit der modernen städtischen Entwicklung von Tokyo verschwanden die meisten, aber noch heute existieren 60 Mini-Fujis, meist auf dem Gelände von Schreinen, einer im T-Guest House. Der Hügel, der den klassischen Fuji-zuka am ähnlichsten sein soll, steht auf dem Gelände des Takamatsu Sengen Schreins im Stadtbezirk Toshima. Der Komagome Fuji hat den Schrein auf dem Fujizuka-Hügel, der wiederum über einem prähistorischen Hügelgrab errichtet wurde.

Der Fuji liegt in der Nähe von drei Kontinentalplatten (→Erdbeben, Vulkane) und gilt nicht als erloschen sondern schlafend, d.h. ein großer Ausbruch ist möglich und wäre eine große Bedrohung für Dutzende von Millionen Menschen, vor allem in Tokyo, von wo aus man ihn an klaren Tagen vor allem im Spätherbst und Winter gut sehen kann. Der letzte Ausbruch geschah 1707-8. Die Grenze der Präfekturen Shizuoka und Yamanashi führt über seinen Gipfel.

Besteigungsdetails

Der Amerikaner Gary J. Wolff bietet Antworten auf FAQs zu Climbing Mt.Fuji und neueste Zahlen




Fundoshi ふんどし (japanische traditionelle Unterhose)


Fundoshi werden heute fast nur noch bei bestimmten Festen und gelegentlich als traditionelle Schwimmkleidung getragen.

Bekannt sind vier Arten:

rokushaku (benannt nach dem Maß von 6 Fuß = 2.23m)

etchu

mokko (moderne, modische Form der Fundoshi)

funjo (Frauen, die fundoshi tragen)

Tattoos und Fundoshi, traditionelle Attribute der →Yakuza




Furoshiki (風呂敷wörtlich: Badetuch)


Furoshiki wurden, wie der Name besagt, früher ins Bad mitgenommen, um darin die eigene Kleidung aufzubewahren, nicht um sich damit abzutrocknen, dafür verwendete man die rechteckigen Baumwolltücher →Tenugui. Heute verwendet man Furoshiki als Tragetuch, gern für Geschenke, auch für →o-Bentô. Man kann gelegentlich sogar noch Männer sehen, die ihre Aktentasche im Furoshiki tragen. Mit Aufkommen der Plastiktüten ging ihr täglicher Gebrauch deutlich zurück, wurde aber aus ökologischen Gründen wiederbelebt. Wegen der traditionellen Muster gelten die aus eide, Baumwolle und Kunstfasern gefertigten Stoffquadrate mit Seitenlänge bis 100cm als Kulturgut.




Fussball in Japan (J-League)


Fußball ist nach Baseball der zweitbeliebteste Mannschaftssport. Japan („Samurai Japan“) war mehrfach Asienmeister, zuletzt 2011, kam bei Weltmeisterschaften jedoch nie über das Achtelfinale hinaus, während die Nationalmannschaft der Frauen „Nadeshiko Japan“ 2011 den Weltmeistertitel gewann (als Deutschland Gastgeber war).

Die Profiligen der Männer (J League 1 und 2) gehören zu den besten in Asien. Japan war 2002 gemeinsam mit Korea Gastgeber der Fifa-Weltmeisterschaft.




Fujizuka 富士塚


In der Edo-Zeit entstand ein Kult um den Fuji,富士講 Fuji-kô genannt. Begründet wurde dieser vom Shintôpriester Hasegawa Kakugyô (1541-1646), der die rituelle Besteigung des Fuji-san zu einer religiösen Verpflichtung erhob. Aber in der Edo-Zeit war das ein beschwerliches Unternehmen (nicht wie heute, wo man mit dem Bus nachts von Shinjuku die 100 km zur 5.Station und nach der nächtlichen Besteigung am nächsten Tag nachmittags wieder zurück fährt). Das war nur etwas für junge Männer (Frauen durften den Berg wegen ihrer monatlichen Blutungen erst gar nicht besteigen).

Da kam der Shintôpriester Takada Toshiro 1780 auf die glänzende Idee, einen künstlichen Hügel aus Material des Fuji-san auf dem Gelände seines Mizu-Inari-Schreins in der Nähe der Waseda-Universität zu errichten. Er brauchte für den zehn Meter hohen Hügel neun Jahre, weil er das Material mühsam vom Fuji heranschaffen ließ. Damit war der erste von einst 800 künstlich errichteten Mini-Fujis, genannt Fuji-zuka (富士塚) geschaffen. Viele waren nur drei Meter hoch oder hatten einen Kern aus örtlich beschafften Steinen, aber der äußere Mantel musste aus Originalmaterial vom Fuji stammen und wenn möglich Asche vom Gipfel auf deren höchstem Punkt enthalten. Zum fertigen Fuji-zuka gehörten zusätzlich Kopien von Markierungen der 10 Stationen, Steinfiguren, kleine Schreine u.a. Elemente des fernen großen Originals. Der Fujiko-Kult setzte sich noch bis über die Meiji-Zeit hinaus fort. Der bekannte Fuji-zuka des Shinagawa-Schreins entstand erst nach dem Ende der Edo-Zeit um 1872. Mit der modernen städtischen Entwicklung von Tokyo verschwanden die meisten, aber noch heute existieren 60 Mini-Fujis, meist auf dem Gelände von Schreinen, einer im T-Guest House. Der Hügel, der den klassischen Fuji-zuka am ähnlichsten sein soll, steht auf dem Gelände des Takamatsu Sengen Schreins im Stadtbezirk Toshima. Der Komagome Fuji hat den Schrein auf dem Fujizuka-Hügel, der wiederum über einem prähistorischen Hügelgrab errichtet wurde.




Feuer und Feuerwehr


Kaji to kenka wa edo no hana 火事と感化は江戸の花 (Feuer und Streit sind die Blumen von Edo) lautet ein berühmtes Sprichwort, das vor allem auf die zahlreichen, häufig katastrophalen Brände in der Hauptstadt hinweist. Noch in den 1970er-Jahren gab es im trockenen Winter täglich Dutzende Brände. Das lag an der großen Zahl eng zusammen stehender Holzhäuser und an den Gasöfen, die leicht umkippten. Dementsprechend schnell und effizient arbeitet die Feuerwehr bis heute. Mit der Umstellung auf Airconditioner, die bei Kälte zu Heizungen umgeschaltet werden können, gibt es die gefährlichen Gasöfen kaum noch. Aber immer noch berichten die Medien in der kalten Jahreszeit fast täglich von Bränden in alten Holzhäusern, bei denen Menschen durch Feuer umkommen.





G

Gagaku 雅楽


Wörtlich bedeutet die traditionelle, während der Tang-Dynastie aus China übernommene Hofmusik, einfach: elegante Musik. Am ehesten kommen wir mit der für Shintô-Rituale verwendeten Kagura (神楽) in Kontakt, mit der eindringlichen getragenen für moderne Ohren sehr fremdartigen Musik, in erster Linie gespielt von Bambusorgel (shô) und dem Doppelrohrblattinstrument (hichiriki).




Getränke


Grundgetränke sind grüner Tee (→ocha) und Wasser. In Lokalen erhält der Gast kostenlos eines von beiden, sobald sie oder er sich an den Tisch oder die Theke gesetzt hat. Das gilt auch für Besucher im Privathaus. Hier eine kleine Auswahl sonstiger beliebter Getränke:

Beliebte Teesorten sind außer o-cha, also grünem Tee, Oolong Tee, Bubble Tee nach taiwanischem Vorbild (s.u.). Natürlich wird auch schwarzer Tee (meist in Teebeuteln) angeboten und getrunken.

Kaffee wird immer beliebter, nicht verwunderlich ist, dass es ehrgeizige japanische Baristas gibt, die Weltklasse-Kaffee brauen.

Alkoholische Getränke sind seit alters her →o-Sake und →Shôchu. In Okinawa trinkt man stattdessen den wesentlich potenteren Awamori, dessen Rezept ursprünglich aus Thailand nach Okinawa kam.

Beliebtestes alkoholisches Getränk ist heute jedoch Bier (biiru ビール), zuerst von deutschen Brauern während der Meiji-Zeit gebraut. Aus steuerlichen Gründen gibt es noch andere Bezeichnungen wie happôshû oder dai-san-biiru mit weniger Malzgehalt. „Craft beer“ aus Mikrobrauereien wird zunehmend beliebter.

Hoppy ホッピー ist ein fast alkoholfreies (0,8%) Getränk mit Biergeschmack. Es kam 1948 auf den Markt als Ersatz für Bier. Heute wird es meist mit →Shôchu gemixt, und zwar im Verhältnis 4:1, dabei sollten Hoppy, Shôchu und der Bierkrug vorher gekühlt werden. Das Mixgetränk enthält dann etwa 5% Alkohol. Es hat in den letzten Jahren wieder stark an Beliebtheit gewonnenn und wird vor allem in →Izakaya ausgeschenkt.

Whisky (ウィスキー) kann man als das Getränk der →sararimen bezeichnen, wobei sich dessen Beliebtheit mit shôchû und Mischgetränken auf Shôchû-Basis teilen muss. Nach dem Krieg war einheimischer Suntory-Whisky so schlecht, dass man ihn nur mit kaltem (mizuwari) oder heißem (oyuwari) Wasser einigermaßen genießen konnte, heißt es. Inzwischen sind die besten japanischen Single Malt Whiskys Weltspitze, was nicht verwundert, weil japanische Tüftler auf allen Gebieten besser als ihre Vorbilder sein wollen.

Wein wird zunehmend gern getrunken, vor allem von Frauen, guter einheimischer Wein wird u.a. auf Hokkaidô (Tokachi) und in Yamanashi (Katsunuma) produziert. Importierter Wein ist preiswerter als einheimischer.

Mirin ist zwar süßer Reiswein, wird aber nur zum Kochen verwendet, häufig gemeinsam mit Sake. Nur an Neujahr gibt es ein Getränk zur Vertreibung böser Geister, es heißt Tosu und verwendet Mirin mit Sake und Gewürzen.

Mugi-cha, ein japanischer Verwandter unseres guten alten Muckefuck: ein Getränk aus gerösteter Gerste, frisch aus dem Kühlschrank ein beliebtes Sommergetränk. Es gibt heute auch Mugicha-Teebeutel, einer für 6 Tassen, 10 Minuten ziehen lassen.

Calpis (カルピス) ist der Markenname eines fermentierten, süßsäuerlichen Getränks, das mit Wasser vermischt wie verdünnter Joghurt schmeckt. Calpis wird heiß und (eis)kalt getrunken. Als Calpis Soda ist es bereits mit Sodawasser vermischt. Auch Bonbons mit Calpis-Geschmack sind beliebt.

Die klassische Brause der ersten Hälfte des 20.Jh. ist die immer noch hier und da erhältliche Ramune (ラムネ), abgeleitet von der englischen lemonade, mit einer murmelähnlichen Glaskugel als Verschluss, wie es ab 1900 üblich war.

Aus Taiwan stammt Bubble Tea, wo er bereits in den 1980er-Jahren erfunden wurde, in Japan jedoch erst mit deutlicher Verspätung populär wurde, vor allem unter jungen Frauen. Es besteht aus grünem oder schwarzem Tee mit Milch und Sirup in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und Farben. Charakteristisch sind die Tapiokaperlen. Bubble Tee wird mit Strohhalmen getrunken, die genügend Durchmesser haben, um die Perlen mit aufzusaugen




Gaman 我慢


Aushalten, ertragen. Als "das Unerträgliche" ertragen mussten Japans Bürger die Kapitulation nach dem verlorenen Pazifischen Krieg, wie es der Showa-Tennô in seiner schockierenden Radioansprache verkündete. Gaman bedeutet daneben Ertragen, Ausdauer, Geduld, eine wichtige japanische Tugend




Gachapon →Verkaufsautomaten


Gachapon sind eine Kategorie von →Verkaufsautomaten




Gaijin (kusai) 外人臭い Ausländer (-geruch/-gestank)


Wie in China erkannten selbst Blinde auch in Japan die ersten westlichen Ausländer an ihrem Geruch nach Butter und Fleisch, den Japaner nicht kannten und abstoßend fanden. Da sich die Japaner als äußerst homogen in ihrer ethnischen Zusammensetzung empfinden und als einzigartig, lehnen sie alle instinktiv ab, die nicht so waren bzw. sind sind wie sie. Das gilt auch für Japaner, die sich nicht mehr 100%ig japanisch verhalten (→chuseishin), auch sie stinken wie Ausländer, haben also gaijin kusai angenommen.




Gambatte 頑張って(ください)


Das Kämpfen bis zuletzt, das Nichtaufgeben ist ein hoher Wert in Japan. Wer sich anstrengt, etwa beim Joggen oder Bergwandern, hört oft ein „Gambatte“ oder "Gambatte kudasai" mit auf den Weg gegeben.




Gartenkunst


Japanische Gärten sind weltberühmt. Nirgendwo sonst hat sich Vergleichbares in der Gartenkunst entwickelt. Natürlich gibt es eine gewisse Verwandtschaft zu chinesischen Gärten, aber die Japaner entwickelten ein etwas anderes Konzept der Gestaltung, das die typischen japanischen Gärten deutlich von den chinesischen unterscheidet.

Nach japanischer Auffassung sollen Gärten ein treues Abbild der Natur sein, in ihnen soll möglichst das Wesen der Natur sichtbar werden. Außerdem gilt das Prinzip der Schönheit in Schlichtheit, das japanische Gärten so deutlich etwa von französischen abhebt. Die drei wesentlichen japanischen Gartenstile sind:

± tsuki-yama: Der Garten bildet eine Landschaft „en miniature“ nach mit kleinen Wasserläufen, Teichen, die zugleich Meere symbolisieren, Inseln und Hügeln. Oft handelt es sich um Wandelgärten, in denen man um einen Teich herumspazieren kann. Hier ist der chinesische Einfluss noch recht stark, weil sie traditionell an chinesische Gedichte und chinesische Landschaften erinnern.

± kare-san-sui: Wasser wird durch geharkte Kiesflächen dargestellt, Inseln oder Berggipfel durch dort hineingestellte Steine und Felsen. Diese abstrakten Gärten sind ganz vom Geist des Zen geprägt. In ihrer Einfachheit und Abstraktheit sind sie sehr eindrucksvoll. Sie dienen dem Betrachten und der Meditation.

± cha-niwa: Wie der Name (cha = Tee; niwa = Garten) besagt, liegt er neben einem Teehaus, ist meist klein und soll entsprechend den Regeln der Teezeremonie möglichst schlicht und natürlich wirken. Dennoch gibt es ein paar Elemente, die ihn von anderen Gärten unterscheiden: Bambusrohre als Wasserleitung, Steinbassins, aus denen sich die Teilnehmer der Teezeremonie mit dem Bambus-Schöpfer Wasser zum Spülen von Mund und Händen nehmen, Steinlaternen, Steinstufen ...

Ein japanischer Garten soll zwar vollkommen natürlich wirken, doch alles ist sorgsam arrangiert, um diese Wirkung noch zu verstärken. Absolut nichts bleibt dem Zufall überlassen. Darauf beruht die großartige Wirkung auf den Betrachter.

Auch wenn von der Edo-Zeit, in der Edo, also das heutige Tokyo, eine grüne Stadt war, nicht mehr viel übrig geblieben ist, finden wir doch noch mehrere ehemalige Daimyô- oder Samuraigärten, die erhalten geblieben sind und heute als öffentliche Gärten kostenlos oder gegen geringen Eintritt besucht werden können. Mehr als die Hälfte des Areals des Kaiserpalastes in Tokyo ist kostenlos zugänglich. In Kyôto gibt es kaiserliche Gärten, die nach Anmeldung ebenfalls kostenlos besichtigt werden können, etwa im Alten Kaiserpalast (gosho), wo sich auch das Hofamt für die Anmeldung von Besuchen befindet. Wer den Pass dabei hat, kann den Alten Palast in der Regel sofort besuchen, die kaiserlichen Villen Shugakuin im Nordosten und Katsura im Südwesten kann man meist nicht am selben Tag besichtigen, Ausländer werden jedoch bevorzugt und erhalten schneller einen Termin als Einheimische. Landesweit berühmte Landschaftsgärten befinden sich u.a. in Mito/Ibaraki: Kairaku-en, Kanazawa/Ishikawa: Kenroku-en, Okayama: Kôrauku-en. Als schönste Gärten Japans gelten die zum Adachi Museum of Art gehörenden Gärten




Gast


Gastfreundschaft ist in Japan ein ernst genommener Wert. Allerdings bringt er für Gäste auch eine gewisse Verpflichtung mit sich. Das Konto der erwiesenen Gefälligkeiten wird dadurch belastet und muss irgendwann irgendwie ausgeglichen werden. Davon sind Ausländer zunächst weitgehend ausgenommen. Auf Reisen kommt es immer wieder vor, dass z.B. Rucksackreisende in ein Haus eingeladen werden anstatt irgendwo ihr Zelt aufschlagen zu müssen.

Die Gastgeber fühlen sich ihren Gästen gegenüber verpflichtet und möchten alles möglichst perfekt organisieren. Möchte man Entdeckungen auf eigene Faust machen, sollte man dies den Gastgebern höflich und deutlich mitteilen.




Gateball, Ground Golf, Park Golf– Freizeitsport für Senior*innen


Gateball (ゲートボール) erinnert an Croquet und wird normalerweise als Mannschaftssport ausgeübt. Es wurde 1947 von Eiji Suzuki erfunden, zunächst gedacht als Spiel für Kinder; tatsächlich hat es sich zum beliebten Spiel für Senior*innen entwickelt. Es wird meist in Parks mit einer geeigneten ebenen Fläche (etwa 20x20m) gespielt. Es geht darum, einen Ball mit dem Schläger durch drei Tore bis zu einem Zielpfosten zu treiben.

Ground Golf (グラウンドゴルフ) benötigt mehr Platz und wird meist auf dem Rasen von Sportplätzen gespielt. Man benötigt nur einen Schläger, der einem Putter im Golf ähnelt. Es geht darum den Ball, der die Größe einer Boccia-Kugel hat, mit möglichst wenig Schlägen in eine Art Käfig zu befördern. Die Bahnen verlaufen quer zum Platz und winden sich vor und zurück über den Platz. Es gibt Ligen und Meisterschaften. Park Golf wird ebenfalls nur mit einem Schläger (der einem Driver ähnelt) und einem Kunstharzball mit 60mm Durchmesser gespielt. Ein Kurs hat 9 Löcher (größer als beim normalen Golf), eine Bahn ist höchstens 100m lang, der gesamte Kurs nur 500m. Wie beim normalen Golf darf es auch kleine Hindernisse geben. Park Golf wurde 1983 in Hokkaidô Japan erfunden und hat rund 700.000 Anhänger.

Ground Golf Turnier




Geisha 芸者


Geisha bedeutet direkt übersetzt „Kunst-Person“. In der Tat wurden und werden sie jahrelang in klassischem Tanz, Gesang, Spiel der →Shamisen, →Ikebana, Kalligraphie und anderen traditionellen Künsten ausgebildet. Außerdem beherrschen sie die Kunst, ihre meist männlichen Gäste zu unterhalten, machen mit ihnen traditionelle Partyspiele, verkörpern im Grunde das Frauenbild der Edo-Zeit (Geisha lernen Vollkommenheit in ihren Bewegungen von den männlichen Darstellern von Frauenrollen - onnagata - im Kabuki, heißt es). Außerhalb Japans verwechselt man sie häufig mit den Edelkurtisanen, den Oiran, der Edo-Zeit. Früher wurden Mädchen aus armen Familien an Geisha-Häuser „verkauft“ und mussten die lange Ausbildung und kostbare Kimono und Haarschmuck erst abarbeiten, ehe sie frei waren oder von einem Gönner freigekauft wurden.

Sie durften und dürfen wie moderne Hostessen Sex mit einem Kunden haben, wenn sie das wollen, der Kunde muss dann ein „Kopfkissengeld“ zahlen.

In der Regel blieben sie unverheiratet und unterrichteten als ältere Geisha (in Kyôto Geiko genannt) die jungen Geisha-Lehrlinge, die in Kyôto Maiko heißen und wegen ihrer prächtigen Kimonos mit den überlangen Ärmeln, den lackierten Geta und vor allem dem weiß geschminkten Gesicht geradezu von fotografierwütigen Touristen auf ihrem Weg vom Geisha-Haus zu ihrem Einsatzort in irgendeinem Lokal in Gion bedrängt und belästigt werden, sodass 2019 im Stadtteil Gion ein Fotografierverbot verhängt wurde. Allerdings sieht man in Kyôto auch immer wieder Frauen und Mädchen, gern auch Ausländerinnen, die sich in speziellen Studios als Maiko verkleidet haben und damit durch die Gassen von Kyôto trippeln. Die haben sicher ebenso wenig gegen Fotografiert werden wie die maskierten Schönen aus dem Ruhrgebiet beim Karneval von Venedig. Wie das geht, erklärt Tessa.

Abende mit Geishaunterhaltung sind sehr teuer und verlangen ein üppiges Spesenkonto der einladenden Firma. Wer als Normalverbraucher mal Geishas erleben will, kann dies gegelegentlich kostenlos im Auditorium der Touristeninformation in Asakusa gegenüber dem Eingangstor Kaminari-mon in den Tempelbezirk erleben. Noch prächtiger, allerdings nicht kostenlos, sind die Miyako Odori genannten Tanzaufführungen der Geiko in Kyôto jedes Jahr im April. Es gibt noch etwa 75.000 Geisha in Japan. Manche abendlichen Stadttouren bieten auch einen kurzen Einblick in Geisha-Partys.




Geld


Traditionell bevorzugen Japaner auch heute noch Bargeld (ausschließlich Yen) und tragen davon nicht gerade wenig mit sich herum, weil sie sich grundsätzlich sicher fühlen. Man begegnet als Kunde nur neuen oder fast neuen sauberen Scheinen. Wo bleiben die verbrauchten, zerknitterten, schmutzigen Scheine? Vielleicht gibt es sie nicht, oder sie werden schnell ausgetauscht. Japaner behandeln angesichts ihrer Abneigung von Schmutz und Angst vor Kontaminiert-Werden mit Schmutz (→Shintô) Scheine auch entsprechend schonend. Nach Möglichkeit werden sie nie, höchstens einmal gefaltet, ganz sicher nie zusammengeknüllt. Und nie wird Bargeld außer beim Bezahlen „nackt“ übergeben, immer kommt es in einen Umschlag.

Seit 2019 fördert die Regierung Bezahlung per Apps wie Pay-Pay. In großen Hotels, Kaufhäusern, bei Fluglinien kann man selbstverständlich per Kreditkarte bezahlen. Die für den Kauf von Fahrkarten beliebten IC-Karten (Suica, Pasmo, Icoca, usw) können vor allem in den Geschäften in Bahnhöfen ebenfalls benutzt werden.

Zum Charakter der Samurai gehört, sich nicht viele Gedanken über Geld zu machen. Aber Samurais gibt es längst nicht mehr, und Geld spielt eine wichtige Rolle im Alltag. In Japan verwalten die Ehefrauen das Haushaltsgeld und teilen Ehemann (!) und Kindern das Taschengeld zu. Sie müssen die hohen Kosten für Erziehung der Kinder stemmen und arbeiten deshalb auch häufig in Teilzeit neben der Kindererziehung. So jedenfalls ist die typische Rollenverteilung.




Geschenke


Geschenke sind ein wichtiges Element im sozialen Gefüge (s.a.→Omiyage). Dementsprechend übergibt und empfängt man Geschenke mit beiden Händen. Zweimal im Jahr gibt es für Angestellte einen Bonus: im Juli und Dezember (→seibo und chugen). Die zusätzlichen Monatsgehälter werden nicht gleich für den eigenen Konsum ausgegeben. Erst einmal müssen Geschenke an diejenigen, denen man zu Respekt oder Dank verpflichtet ist, verschickt oder persönlich übergeben werden. Solche Geschenke erwirbt man in Kaufhäusern in eigenen Abteilungen, die auch gleich den Versand übernehmen. Sie sollten einen gewissen Wert haben, müssen perfekt verpackt sein und stammen am besten von einem prestigereichen Kaufhaus oder Geschäft. Der Inhalt ist nicht wichtig: Butter, Käse, Schinken in Dosen, Gebäck, Keksdosen, O-senbei-Reiscracker usw.

Natürlich bringt man als Reisender Mitbringsel aus dem Ausland mit, wenn man in Japan in die Situation kommt, Geschenke zu machen. Notfalls bedient man sich im Land. Früher galten Stahlwaren (Scheren, Besteck) aus Deutschland als gute Mitbringsel, heute bringen Japan-Reisende Küchenmesser u.a. aus Japan mit. Schokolade, Pralinen, Lebkuchen in Schmuckdosen kommen gut an. Baumkuchen ist eine gute Idee, davon gibt es aber in Japan mehr Auswahl und bessere Qualität.

Persönliche Geschenke, etwa zum Geburtstag, sind heute auch in Japan beliebt. Anders als die formellen Geschenke, die nach dem Empfangen erst einmal weggelegt werden, wird bei individuellen Geschenken schon erwartet, dass die Beschenkten sie gleich auspacken.




Geschichtliche Epochen →Epochen japanischer Geschichte





Gesicht wahren/verlieren


Ein Samurai, der in der Edo-Zeit sein Gesicht verlor, konnte seine und die Ehre seiner Familie retten, indem er rituelle Selbsttötung (→Seppuku) beging. Daran erkennt man, wie bedeutsam das Konzept des „Gesicht-wahrens“ in der japanischen Kultur ist, das gilt jedoch für alle Kulturen Ost- und Südostasiens. Machte achte tunlichst darauf, anderen ihr „Gesicht“ nicht verlieren zu lassen. Etwa durch Bloßstellen, öffentliches Kritisieren, Beleidigen. Die Rache kann für den Betreffenden fürchterlich sein. So gilt es, Harmonie im Miteinander zu bewahren, indem man offene, verletzende Kritik vermeidet.




Gesprächsthemen


Essen ist ein allzeit beliebtes Thema, das den Menschen nie langweilig wird. Während Menschen essen, reden sie schon darüber, was sie als nächstes probieren wollen, zumal Fernsehsendungen voll davon sind.

Klatsch und Tratsch sind auch in Japan beliebt, man äußert sich auch kritisch über Fehlverhalten anderer. Natürlich kann man selbst auch zur Zielscheibe werden. Es gibt keine Tabus, über die man nicht reden darf, eher Desinteresse und Ignorieren. Das betrifft Politik, diskriminierte Minderheiten, Obdachlose. Japaner neigen nicht zu tiefschürfenden Betrachtungen und Diskussionen über „Gott und die Welt“.




Gesten und Mimik


Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Gesten und von uns abweichender Mimik, die wir verstehen sollten, zumal Japaner erwarten, dass andere ihre Empfindungen ohne Worte verstehen: haragei – „aus dem Bauch heraus verstehen“, nennen sie das. Eine Liste der wichtigsten Gesten:

Herbeiwinken geschieht mit der Handfläche nach unten.

Womit wir am ehesten in Kontakt kommen, sind die Zeichen für verboten oder erlaubt:

Über der Brust gekreuzte Unterarme oder gekreuzte Zeigefinger bedeuten dame, Verboten. Ein mit den Armen über dem Kopf oder dasselbe in klein, ein mit Daumen und Zeigefinger einer Hand oder mit Daumen und Zeigefinger beider Hände → geformter Kreis bedeuten „OK“, oft auch mit diesem Wort begleitet.

Der Zeigefinger zur eigenen Nase bedeutet „ich“, oder auch „ich?“ Meinst Du mich?

Illustrationen

oder hier




Gesundheit


Die grundsätzlich gesunde japanische Ernährung und der Lebensstil der Mehrheit der Japaner hat nicht nur die Lebenserwartung der Menschen nach dem 2.Weltkrieg um Jahrzehnte erhöht auf heute 88 Jahre für Frauen und 82 Jahre für Männer (→Hundertjährige), typische gesundheitliche Probleme von Industrieländern wie Fettleibigkeit und Kreislauferkrankungen kommen in Japan weit weniger häufig vor. So starben an Covid-19 im Vergleich zu Deutschland weit weniger Menschen in Japan (>95.000 zu >14.000). Bei den alten Menschen ist der Kontrast noch größer. Das japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales empfiehlt für die Ernährung einen sogenannten Nahrungskreisel, der unserer Ernährungspyramide entspricht und mehr einem Trichter entspricht. Obenan stehen Getreide wie Reis, Nudeln, Brot, die nächste Ebene bildet Gemüse, das in größerer Vielfalt als bei uns erhältlich ist. An dritter Stelle stehen Fisch, Eier, Fleisch, das erst spät Zugang zur japanischen Küche gefunden hat. Noch später fanden Milchprodukte in die Alltagsküche. Interessanterweise gehört auch Obst in die Spitze des Kreisels/Trichters. Fermentierung ist ein anderes Geheimnis der gesunden Ernährung.

Das Gesundheitssystem hat im internationalen Vergleich einen hohen Standard. Wer während einer Japan-Reise Arzt oder Krankenhaus aufsuchen muss, sollte sich hier erkundigen.

Krankenwagen ruft man mit der 119, der Transport ist kostenlos, aber das Krankenhaus kann man dann jedoch nicht aussuchen.

Die Medizin orientierte sich ab der Meiji-Zeit bis zum Ende des 2.Weltkrieges übrigens an Deutschland, seither an den USA. So wie Ärzte bei uns lateinische oder griechische Begriffe verwenden, benutzten Mediziner früher deutsche Begriffe, ältere tun dies heute noch, aber sie müssen schon sehr alt sein und ihre Ausbildung vor dem Krieg abgeschlossen haben. Traditionelle chinesische Medizin (TCM) hat in Japan eine eigene Tradition. Die Philosophie der fernöstlichen Medizin legt mehr Wert auf Vorbeugung als auf Heilung. Ein Element ider Vorbeugung st die berühmte Radiogymnastik →rajio taisô




Go/Igo  囲碁


Dieses in Ostasien verbreitete Brettspiel hat auch in Deutschland zahlreiche Anhänger. Ursprünglich stammt es aus China. Go ist ein Umzingelungsspiel. Es geht darum, möglichst große Territorien zu erobern und möglichst viele Gefangene zu machen. Die Regeln sind sehr einfach. Das hölzerne fast tischartige Brett in der Vollversion hat 19x19 Linien. Abwechselnd setzen Schwarz und Weiß linsenförmige Steine ihrer Farbe auf einen Schnittpunkt. Die Herausforderung ist, das Geschehen im Einzelnen und auf dem gesamten Brett nicht aus den Augen zu verlieren. Für Anfänger gibt es kleinere Bretter mit 13x13 und 9x9 Linien. Beendet wird ein Spiel, wenn beide Spieler passen müssen, also keinen Spielraum mehr für das Setzen von Steinen haben. Umzingelte Steine werden als Gefangene vom Brett genommen. Einmal gesetzte Steine werden nicht mehr bewegt.




Götter und Geister


Da der Ursprung der japanischen Volksreligion und des →Shintô auf Animismus, also den Glauben an eine beseelte Natur beruht, gehören Gottheiten ( kami), die wohlwollend aber auch grausam sein können, zum Alltag der Menschen. Auch Geister existieren für die meisten → Yôkai.

Medizingott ô-kuni-nushi-no-mikoto, oberster kami im Großen Schrein von Izumo




Go-kon  合コン


Das sind unverbindliche selbst organisierte oder arrangierte Kuppelpartys. Da sind z.B. eine junge Frau junger Mann und ein junger Mann, vielleicht sind beide miteinander befreundete Studenten. Jede/r lädt zwei Freundinnen oder Kumpels ein, man trifft sich also zu sechst in einem, sagen wir, Izakaya. Je eine Frau und ein Mann sitzen sich gegenüber und versuchen, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich kennen zu lernen.

Da gibt es Partys in großem Stil, wo Dutzende Frauen und Männer sich für eine festgelegte Zeit von wenigen Minuten gegenübersitzen und dann weiterrücken. Bei arrangierten Kuppelpartys großer Firmen müssen Frauen auf der Hut sein vor Männern, die es nicht ernst meinen und nur ihren Spaß haben wollen…

Es gibt auch eigene Kuppelcafés, wo ständig neue Tischnachbarinnen an den Tisch geführt werden, bei Gefallen bleiben oder mit einer Taste diskret signalisieren, dass sie an einen anderen Tisch geführt werden möchten.

Es gibt, typisch Japan, eine Reihe von Varianten: Asa-kon (Kuppeln am Morgen), Lunchon (Kuppel beim Lunch), Machi-kon (nur Bewohner derselben Stadt), Shumi-kon (Kuppeln getrennt nach Hobby)

Dating Apps sind auch in Japan beliebt, sowohl die international operierenden wie eigene, nur auf Japanisch operierende Apps für deai-kei (Online Dating), konkatsu (

Einzelheiten zu Dating-Apps




Gullydeckel/Kanaldeckel


Warum diese überhaupt erwähnt werden? Weil japanische Gullydeckel in gewisser Weise Sammlerstücke sind? Nein, nicht die Objekte selbst sondern Fotos davon. Jede Stadt hat ihr eigenes, häufig für die Stadt charakteristisches Design, ein schönes Beispiel für japanisches Alltagsdesign.





H

Hachimaki 鉢巻 (Stirntuch)


Der Ursprung der japanischen zu Bändern gefalteten Stirntücher wurden vermutlich erstmals von Samuraikriegern unter den Helmen getragen, damit diese nicht verrutschten und um Schweiß aufzusaugen. Heute dienen sie quasi als Ermutigung zum Durchhalten, Kämpfen, Bestehen von Prüfungen. Im Krieg banden die Kamikazepiloten hachimaki mit dem roten hinomaru um die Stirn vor ihrem Flug ohne Wiederkehr. Auch zur Matsuri-Bekleidung gehören sie.




Hände schütteln


Traditionell verbeugen sich Japaner bei Begrüßung, Verabschiedung, öffentlicher Entschuldigung und als Zeichen von Respekt, aber sie geben einander nicht die Hand. Mit einer Ausnahme: handelt es sich um Prominente, etwa Schauspieler oder Politiker, sind sie sehr begierig, deren Hände zu schütteln.




Haiku 俳句


In der DJG gibt es einen Haiku-Kreis. In jeder Ausgabe der alle 2 Monate erscheinenden Zeitschrift Kaiho wird darüber berichtet. Haiku gelten als die kürzeste Gedichtform, weil sie vertikal in drei Zeilen zu 5, 7 und noch einmal 5 Zeilen angeordnet sind. Im Japanischen funktionieren Haiku besser als in den meisten anderen Sprachen, weil die Silben gleichen Klang, aber unterschiedliche Bedeutung haben können, was bewusst als Stilmittel verwendet werden kann. Eine wichtige Rolle bilden die Tausenden von Jahreszeitenwörtern (kigo 季語), die quasi als Codes für die jeweilige Jahreszeit dienen, aber auch Bilder vermitteln und zum Klang des gesprochenen Haiku beitragen. Haiku beziehen sich ganz auf den Moment des Niederschreibens, die Gefühle, Lebenserfahrung, die Beziehung zur Jahreszeit. Die Kunst besteht im Andeuten, in möglicher Assoziationen mit Literatur, Traditionen, Sprachbeherrschung, bewusst eingesetzter Mehrdeutigkeit, Klang der Silben. Kein Wunder, dass gute Haiku bzw. Haikus selten sind. Andererseits kann jeder Mensch Haiku schreiben, tatsächlich lernen Schüler das in der Schule. Weitere Details




Hanamochi naranai  鼻持ちならない  (auf Ausländer u.a. herabblicken)


In ihrer geografischen Isolation vor dem Ostrand der eurasischen Landmasse und als Folge des göttlichen Gründungsmythos des Volkes ist es verständlich, dass sich Japaner wie Juden als von den Göttern auserwähltes Volk verstehen und anderen Völkern nach ihrer Überzeugung überlegen sind. So empfinden sich trotz der totalen Niederlage im Pazifischen Krieg (2.Weltkrieg) als Folge des schnellen Wiederaufstieges zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht nur drei Jahrzehnte nach Kriegsende manche Politiker der regierenden Partei, Manager vor dem Platzen der Bubble Economy der 1990er-Jahre, nationalistische Denker, Schriftsteller und Gruppen immer noch dem Ausland gegenüber als überlegen. Dem sich für seine Firma aufopfernden Salaryman kommt eine solche arrogante Haltung weniger in den Sinn. Wer sich so gegenüber Landsleuten und Ausländern verhält, gilt denn auch als hanamochi naranai, riecht nicht richtig, stinkt also. Arroganz gegenüber Südostasiaten führte in den 1970er- und 1980er-Jahren zu Anti-Japan-Demonstrationen. Andererseits sehen auch Thai auf alle Ausländer hinab.




Handeln Feilschen


Anders als in den meisten asiatischen Ländern ist in Japan Handeln oder Feilschen nur an wenigen Orten üblich, am deutlichsten auf Flohmärkten, aber es ist kein Ritual, wie man es üblicherweise als Handeln versteht, weil die Verkäufer die Preise für ihre Ware in etwa so ansetzen, wie sie meinen, diese erfolgreich verkaufen zu können, aber ein Rabatt wird dennoch oft gegeben. Basarstraßen wie die nach dem Krieg entstandene Ameyoko (Ami-Gasse) neben den Bahngleisen im Tokyoter Stadtteil Ueno bieten die Chance zum Handeln. In der berühmten „Electric Town“ von Akihabara, ebenfalls in Tokyo, sollte man versuchen, einen Discount zu bekommen, aber auch dort ist Handeln keine Institution.




Hanko (Stempel als Unterschrift)


Der persönliche Namensstempel (hanko 判子) fungiert in Japan wie bei uns die Unterschrift. Für Verträge, Kontoeröffnungen und andere offizielle Zwecke darf man nur behördlich registrierte Stempel (実印 jitsu-in) verwenden. Die Bankstempel (銀行印 ginko-in) und Privatstempel (認め印 mitome-in) genannten Hanko sind nicht registriert. Man kann man sie sich z.B. in 100-Yen-Shops kaufen und benutzt sie zum Quittieren. Als Stempelkissen benutzt man klassische Kissen aus Pflanzenfasern, bedeckt mit Seidenstoff und eingefärbt mit Zinnober und Öl. Es gibt auch Stempel mit integriertem Stempelkissen. Seit 2021 besteht die Möglichkeit, seinen digitalisierten Hanko auf digitalen Dokumenten zu platzieren.




Heisei-Ära(1989-2019) 平成


Der Name der 30-jährigen Regierungszeit von Kaiser Akihito bedeutet „Frieden überall“. Anders als der erste Teil der Shôwa-Ära, trifft das Motto hier zu. Dafür gab es eine Reihe von Naturkatastrophen in Form von vier starken Erdbeben und Starkregen in West-Japan (wie im Frühsommer 2021in Japan und Deutschland). Besonders das Hanshin-Awaji-Erdbeben in und um Kôbe vom 17.01.1995 und die Dreifachkatastrophe des Tohoku-Erdbebens samt Tsunami und Kernschmelze zweier Reaktoren von Fukushima Dai-ichi vom 11.03.2011 ragen dabei heraus. Der Sarin-Gift-Anschlag durch Mitglieder der Aum-Shinrikyo-Sekte (heute: Aleph) vom 20.03.1995, also nur zwei Monate nach dem Kôbe-Erdbeben, war ein Schock für die Bevölkerung, weil das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit in der Gesellschaft damit verloren gingen, ebenso wie die Tôhoku-Dreifachkatastrophe 16 Jahre später den Glauben in Regierung, Wissenschaft und Technik nachhaltig erschütterten.

Spannungen mit dem aufstrebenden China, Dauerspannungen mit beiden Koreas sind auf die Weigerung der konservativen Regierung (→Nippon Kaigi, →Politik) zurückzuführen, Vergangenheitsbewältigung ernsthaft anzugehen. Immerhin wurde in dieser Ära erstmals seit 1955 die ewig regierende LDP zweimal in die Opposition gezwungen, allerdings nur kurze Zeit. Die Ära sah auch das Ende der „Bubble Economy“ auf die eine lang anhaltende Wirtschaftskrise folgte. Sportliche Gro-ereignisse waren die Olympischen Winterspiele in Nagano 1998 und der gemeinsam mit Korea durchgeführte Fifa World Cup 2002.

Bemerkenswert ist auch, dass Kaiser Akihito auf eigenen Wunsch am 30.04.2019 abdankte und heute als emeritierter Tennô im Akasaka-Palast in Tokyo mit seiner Frau Michiko lebt.




Hibakusha 被爆者


So werden die Opfer der Atombombenabwürfe von Hiroshima (06.08.1945) und Nagasaki (09.08.1945) genannt. Auch die Menschen, die die Bombenabwürfe überlebt und später an den Folgen der Strahlenbelastung erkrankt sind und immer noch leben, leiden unter den Diskriminierungen, denen sie in Japan bis heute ausgesetzt sind. Und die Diskriminierungen setzen sich bei den Kindern fort. Wie bei den →Eta denken die Menschen, sie würden ansteckende Krankheiten verbreiten. Seit 1968 erhalten Hibakusha kostenlose medizinische Hilfe, aber keine Hilfe zum Lebensunterhalt. Diese wurde ihnen erst am 26.07.21 von der Regierung zugesagt – wärend der Olympischen Spiele in Tokyo.




Hierarchien


Japan ist immer noch eine hierarchisch strukturierte Gesellschaft. Dem Ranghöheren, bei gleichem Rang dem Älteren, gebührt Respekt, dafür bietet die ranghöhere Person den unter ihnen stehenden Unterstützung und Förderung. Selbst unter →Arbeitskollegen gibt es Abstufungen, s. die Sempai-Kôhai-Beziehung.

Die Sprache ändert sich, je nachdem, ob jemand mit einer Respektsperson, Fremden oder Verwandten spricht.




Hikikomori ひきこもり bzw. 引き籠もり


Dieser Begriff bezieht sich einerseits auf japanische Jugendliche, die ihr Zimmer zuhause nicht verlassen, nicht zur Schule gehen, keine Jobs ausüben, keine Freunde haben oder mit ihnen vom Zimmer aus kommunizieren, die aber nicht anderweitig psychisch krank sind, etwa schizophren. Es soll eine halbe bis eine Million junger Menschen geben, auf die diese Definition zutrifft. Viele beginnen ihren sozalen Rückzug als Schulverweigerer futōkō (不登校) was in Japan vergleichsweise häufig vorkommt (→Schulsystem). Auch unter Erwachsenen mittleren Alters gibt es eine in etwa gleich hohe Zahl moderne Eremiten – freilich ohne jeden religiösen Bezug.




Hochzeit


Eine traditionelle japanische Hochzeit ist eine überwiegend ernste und vor allem sehr teure Angelegenheit. Zwei Familien verbinden sich. Die Frau wechselt normalerweise in die Familie des Mannes über und wird ein Teil derselben. Früher wurde sie quasi zur Bediensteten der Schwiegermutter. Heute schmeicheln die potenziellen Schwiegermütter ihren potenziellen Schwiegertöchtern, um die mögliche Hochzeit ja nicht zu gefährden. Denn moderne Frauen in den Dreißigern sehen ihr Glück längst mehr darin, unter die „hörnerverdeckende“ Tsunokake 角掛 (Brauthaube) zu kommen. Nicht umsonst hat Japan die höchste Rate aller OECD-Länder an allein erziehenden Müttern.

Aber Hochzeiten finden natürlich heute im Prinzip genauso statt wie vor Jahrzehnten. Luxushotels bieten ihre Bankettsäle für die Hochzeitsempfänge an. Daneben gibt es auch eigene Hochzeitssäle (wedding hall). In Tokyo berühmt sind Happô-en mit seinem 300 Jahre alten ehemaligen Samurai-Garten, dort gibt es neben anderen Restaurants auch ein →Ryôtei. Sehenswert ist auch das Hotel Gajoen. Es gibt sogenannte wedding plans, Hochzeitspakete, z.B. „3,2 Mio. Yen für 60 Personen, 37.000 Yen für jede weitere Person“, sie enthalten immerhin auch 2 Nächte im Hotel.“ Kein Wunder, dass Fluchten zu Hochzeiten in Übersee, z.B. Hawaii oder in der Schweiz beliebt sind. Ist man verpflichtet, die Verwandtschaft, die Kollegen und Vorgesetzten einzuladen? Dann muss man vielleicht die teure Variante wählen. Wenn Gäste von weit her anreisen, ist es üblich, ihnen das Fahrgeld zu erstatten und sie im Hotel unterzubringen. Die Gäste überreichen am Eingang in den Bankettsaal einen besonderen Hochzeitsumschlag, in den sie Bargeld legen, als Beitrag zu den Hochzeitskosten.

Wanderweib Tessa erklärt, wie das geht, wenn Deutsche oder Österreicher oder gemischt japanisch-deutsche/österreichische Paare standesamtlich in Japan heiraten wollen:

Hochzeitsgesellschaft in Yokohama




Höflichkeit


In Japan ist Höflichkeit so wichtig, dass sie fast schon synonym für Japan steht. Es gibt in der Sprache zahlreiche Höflichkeitsformen, die im Deutschen schon seit vielleicht Jahrhunderten aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. Gegenüber Ranghöheren macht man sich kleiner, unbedeutender und erhebt das Gegenüber sprachlich. Schnell benutzt man den Begriff: „shitsurei deshita“ (失礼でした ich war unhöflich). In einem Land, wo die Menschen sehr eng beieinander leben, ist gegenseitige Rücksichtnahme für die Harmonie entscheidend.




Holzschnitt (ukiyo-e)


Wenn wir an japanische Holzschnitte denken, sehen wir im Geiste die wundervollen Werke von Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige, die beiden berühmtesten Künstler dieses Genres, von denen sich sogar van Gogh, Manet, Monet und Toulouse-Lautrec haben inspirieren lassen. Während die meisten traditionellen japanischen Künste mit Kyôto in Verbindung gebracht werden, sind die Farbholzschnitte eng mit der Edo-Zeit verbunden. Neben den Landschaftsdarstellungen, für die auch Kunisada und Kuniyoshi berühmt sind, wurden vor allem berühmte Kabuki-Schauspieler, Sumo-Kämpfer, Kurtisanen und andere berühmte Persönlichkeiten der Zeit dargestellt. Das waren die Bilder aus der fließenden Welt (Ukiyo-e). Die großen Meister waren u.a. Harunobu, Utamaro und Sharako. Sehr freizügige sexuelle Darstellungen nannten sich Shunga.

Der mehrfarbige Holzschnitt entwickelte sich im 18.Jh. Die großen Meister lieferten nur eine Schwarz-Weiß-Zeichnung, darauf folgte die farbige Ausgestaltung durch den Druckermeister, die Holzschnitzer mussten dann für jede Farbe eigene Blöcke schnitzen. Die Technik wurde so verfeinert, dass auch Farbschattierungen möglich wurden. Eine ganze Industrie entwickelte sich daraus, die Bilder wurden millionenfach hergestellt und verkauft. Mit der Edo-Zeit endete auch die Beliebtheit der Ukiyo-e.

Der berühmteste Holzschnitt ist „die große Welle vor Kanagawa“ aus den 36 Ansichten des Fuji. Hiroshige ist berühmt für seine 53 Stationen des Tokaidô. Alte Exemplare sind teuer. Etwas preiswerter sind neue Abzüge von alten Druckstöcken.




Homosexualität/LGBT+


Homosexualität war, anders als in anderen Ländern, in Japan nie verboten, gehörte seit alters zum Leben in Klöstern oder beim Militär. Dennoch wird sie auch heute noch meist verschwiegen. Sodass viele Homosexuelle nach außen einen „heterosexuellen“ Schein waren, verheiratet sind und Familie haben. In Metropolen wie Tokyo und Osaka gibt es ganze Viertel mit Bars, in denen LGBT+ willkommen sind, auch gay-freundliche Hotels. Überblick




Hundertjährige


Derzeit gibt es in Japan bereits über 70.000 Hundertjährige, 88% Frauen. Die 100.000-Marke wird in absehbarer Zeit geknackt werden. Dabei gab es 1963 gerade mal 153. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist erst seit dem Ende des 2.Weltkrieges auf das heutige Rekordhoch für Frauen von knapp 88 Jahren gestiegen, bei den Männern liegt sie bei knapp 82 Jahren. Am „Tag der Alten“ (3.Montag im September) erhalten die Hundertjährigen vom Premierminister ein versilbertes Sake-Schälchen. Diese Sitte besteht seit 1963, damals gab es noch silberne Schalen. Die Zahl Hundertjähriger in Deutschland hat inzwischen die 20.000er-Marke überschritten, der Anteil der Frauen liegt hier bei 80%.




Hygiene


Reinheit und Sauberkeit haben in Japan den vielleicht höchsten Stellenwert aller Länder. Im Shintô ist rituelle Reinheit ein wesentliches Ziel, das färbt ab auf das allgemeine, sehr stark ausgeprägte Bedürfnis nach Sauberkeit. Selbstverständlich sind öffentliche →Toiletten sauber. In die Toilette eines Hauses oder einer Berghütte etwa darf man nur mit Toilettenpantoffeln. Der unsichtbare „Schmutz“ der Toilette darf nicht in den Rest der Wohnung, die in Japan ohnehin niemand mit Straßenschuhen betreten würde, gelangen. Auch in der Hitze des Sommers gehört das tägliche heiße →Bad nach gründlicher Reinigung zum unverzichtbaren Ritual. Man zieht Schuhe nicht nur vor Betreten einer Wohnung oder eines Hauses aus, auch in Universitätsinstituten und zahlreiche Firmen, in manche Museen, in →Ryokan und Minshuku (→Unterkunft).




Half ハーフ


Wird eine Person auf Japanisch als „half“ bezeichnet, bedeutet das halb japanisch, halb ausländisch. In der Unterhaltungsindustrie, auch im Fernsehen sieht man sie recht häufig. Vor allem junge Frauen, aber auch junge Männer, und im Sport. Im Tennis ist Naomi Osaka international sehr präsent, allerdings spricht sie kaum Japanisch. Im Basketball ist häufig Rui Hachimura im japanischen TV zu sehen.




Host Club / Kyabakura


Frauen gehen in Host Clubs, wenn sie unverbindliche Konversation mit zuvorkommenden jungen, modisch gekleideten Männern mit ausgezeichnetem Benehmen machen wollen und bereit sind, dafür entsprechend zu zahlen, und zwar locker 10.000 pro Stunde. Wer zum ersten Mal in einen Club kommt, nichts extra bestellt und keine Extrawünsche hat, z.B. wer von den jungen Männern im Auswahlmenü ihr Gesellschaft bieten soll, kommt mit 2000 Yen für eine Stunde davon. Letztlich geht es um Business, die Hosts tun (fast) alles, um die Rechnung in die Höhe zu treiben. Das ist ihr Job.

Das erheblich ältere Gegenstück sind die Hostess Clubs, auch Kyabakura genannt (typisch japanische Abkürzung von Cabaret und Club). Hier sind es junge, hübsche, oft sexy gekleidete Damen, die dem meist männlichen Gast Gesellschaft leisten. Auch hier gilt: ohne Sonderwünsche kosten 50 Minuten um die 10.000 Yen. Kommt man zu mehreren, steigen die Kosten entsprechend. Während der „bubble economy“ in den frühen 1990er-Jahren hatten Geschäftsleute ein üppiges Budget zur Unterhaltung von (potenziellen) Geschäftspartnern. Da konnte man es auch in solchen Clubs krachen lassen. Verliebt man sich in eine der Hostessen (キャバ嬢), wird das erst mal teuer.

Während der Corona-Pandemie kamen diese Clubs immer wieder in die Medien als Superspreader Locations.

Seit Hosts und Hostessen sich registrieren lassen und ihre Einkünfte deklarieren müssen, hat sich als Alternative für attraktive junge Frauen das Konzept des papakatsu entwickelt. s. enjokosai




Hagoita 羽子板


Traditionelle hölzerne Federballschläger, mit denen das Spiel hanatsuki 羽根突き vor allem an Neujahr von Mädchen gespielt wurde, heute sieht man einfache Hagoita eher selten. Reich verzierte Hagoita wurden in der Edo-Zeit als Glücksbringer an Familien verschenkt, in denen ein Mädchen geboren wurde. Und so kann man diese kunstvoll gerstalteten Hagoita (die typischerweise Kabuki-Schauspieler, schöne Frauen, selbst Anime-Figuren darstellen) auf besonderen Märkten (hagoita-ichi) kaufen, nach wie vor als Glücksbringer für das neue Jahr.





I

Iaidô 居合道


Die Kunst des Schwertziehens ist Bestandteil der Schwertkampfkunst (iaijutsu). Wie bei der Kunst des Coltziehens und sofortigen Schießens beim Cowboy, besteht die Kunst für die Kämpfer darin, das Schwert so zu ziehen, dass es sofort für den Kampf eingesetzt werden kann. Es gibt auch in Deutschland Meisterschaften darin. Beim Japan-Fest der DJG gibt es jedes Mal Iaidô-Demonstrationen, wie auf dem Foto im Englischen Garten.




Ijime 虐め (Mobbing gegen die, die anders als die Masse sind)


Mobbing gehört in Japan zum Schulalltag. Zwei Drittel aller Schüler geben an, schon selbst gemobbt zu haben bzw. gemobbt worden zu sein. Es trifft nicht nur Außenseiter*innen, alle können zur Zielscheibe werden. Am häufigsten sind Necken, Verspotten, Beleidigen, Bedrohen, etwa 20% haben versteckte körperliche Aggressionen erfahren, z.B. beim Spiel auf dem Pausenhof, fast ebenso viele berichten von Ausgrenzung aus ihrer Bezugsgruppe, was in einem Land wie Japan, wo Gruppe fast alles bedeutet, als sehr schlimm erlebt wird. Es gibt unter Jugendlichen immer wieder Fälle von Selbstmord als Folge von Mobbing, heute gerade auch in den sozialen Medien, aber das kennen Teenager auch hierzulande.




Ikebana  生け花


Wie andere dô-Künste gibt es anstatt Ikebana („lebende Blumen“) auch den Begriff kadô (華道 Weg der Blumen), der die Philosophie dahinter betont. Bereits im 6.Jh. gehörten Blumen als Ausdruck der Bewunderung für die Götter neben Weihrauch (Speise der Götter) und Kerzen (Symbol für das Universum) zu den Opfergaben. Ikebana als Kunstform wurde in Japan entwickelt und war bis Anfang des 19.Jh. den Adeligen vorbehalten, für die es wie →Sadô, →Shodô, →Musik ein Pflichtfach war. In der →Edo-Zeit praktizierten Samurai, Geistliche, Geisha und Kurtisanen Ikebana. Frauen war diese Kunst bis zum Beginn des 19.Jh. verboten, in der →Meiji-Ära wurde es dafür Pflichtfach für Schülerinnen. Und auch heute sind es überwiegend Frauen, die sich mit Ikebana beschäftigen; insgesamt betreiben um die 20 Mio. Menschen in Japan diese Kunst, für die es rund dreitausend eigenständige Ikebana-Schulen gibt, die sich häufig sehr eng an die Regeln der eigenen Schule halten und den Kadôka, also den Menschen, die Kadô praktizieren, wenig kreativen Freiraum lassen. Außerhalb Japans ist die Sôgetsu-Schule am beliebtesten, da sie den Anfängern offenbar mehr Freiheiten lässt. In Tokyo steht das moderne Hauptquartier der Schule an der Aoyama-dôri Besuchern offen (in Nachbarschaft der Kanadischen Botschaft mit ihren zwei sehenswerten japanisch-kanadischen Steingärten).

Es geht um ein Stück lebendiger Natur im Innenraum, um die Beziehung zur Jahreszeit, Ausdruck von Gefühlen bei der Gestaltung und vieles mehr. Es geht auch um das Dreieck Mensch - Erde - Himmel. Einzelheiten zu Geschichte und Gestaltungsformen




Izakaya 居酒屋


Heute sind Izakaya, eine Art japanischer Kneipe, der erfolgreichste Gastronomietyp, zumal sie der Ort sind, an denen sich Angestellte nach der Arbeit, Studentengruppen, Clubmitglieder u.a. auf ein paar Getränke und Snacks zusammenfinden. Izakaya befinden sich fast immer in Bahnhofsnähe. Anders als in Pubs, wo man auch essen kann, häufig aber nur seine Ales oder Stouts trinkt, ist Trinken nicht der einzige Grund, ein Izakaya aufzusuchen. Am Eingang wartet man, bis man an den Platz geführt wird, wobei die Zahl der Personen zunächst genannt oder mit den Fingern gezeigt werden muss. Einzelne kommen an die Theke, zu mehreren an einen Tisch. Nicht wenige Izakaya haben leicht erhöhte Tatamimatten mit niedrigen Tischen. Vor dem Betreten der Matten muss man selbstverständlich die Schuhe ausziehen. Mit Glück haben diese Plätze Vertiefungen unter den Tischen für die Beine (horigotasu), ansonsten muss man sich in Seiza-Position, neben die gefalteten Beine oder (nur Männer) im Schneidersitz niederlassen.

Nach dem Hinsetzen wird sofort ein (zu bezahlender) Snack des Hauses (お通しo-tôshi) serviert. Es gibt meist Dutzende preiswerter kleiner Gerichte analog den spanischen Tapas. Manche Izakaya bieten einen Einheitspreis von z.B. 300 Yen für Getränke und Gerichte an (z.B. die Torikizoku-Kette, mit Einschränkung auch Kin-no-Kura Jr.), das macht es für sprachunkundige Ausländer leichter. Heutzutage gehören die meisten Izakaya zu großen Ketten wie Ootoya, Shirokiya (populär für joshikai = Mädchenpartys) Tsubohachi, Uotami (Seafood) Watami. Dort gibt es Tablets oder wie beim Fließband-Sushi Monitore für die Auswahl und Bestellung der Gerichte. Wer Hilfe von der Bedienung braucht, drückt auf den Buzzer-Knopf. Typische Izakaya-Gerichte sind →Yakitori (Hühnerspieße vom Holzkohlengrill), kara-age (frittierte Hühnchenteile), kleine Fleischgerichte, gegrillter Fisch, →Sashimi, Pommes (potato fry), Tofu, Salat.





J

Janken じゃんけん (Papier – Schere – Stein)


Das global beliebte Knobelspiel dient in Japan häufiger als anderswo zur Klärung, wer eine bestimmte Aufgabe erfüllen muss, wer ein Essen bezahlt, Festlegung der Reihenfolge und anderer Unstimmigkeiten. Es hat sich – einst eingeführt vom beliebten, 2020 an Covid-19 verstorbenen Komiker Shimura Ken - eingebürgert, dass man erst gemeinsam ruft 最初はグーsaisho wa gû (zu Beginn kommt Stein) und gleichzeitig eine Faust macht. Dann rufen alle じゃんけんぽん jan-ken-pon. Im Moment, wo sie pon rufen, machen sie ihre Geste (グー = Stein, チョキchoki = Schere oder パー = Papier). Bei Unentschieden (zwei Spieler zeigen dieselbe Geste, drei Spieler zeigen alle drei Gesten) rufen alle gemeinsam あいこでしょaikodeshô und machen auf shô eine neue Geste. Das geht so weiter, bis eine(r) gewonnen hat. Das läuft meist sehr schnell ab.




Japantheorien (日本人論 Nihonjinron)


Nach dem verlorenen Weltkrieg kamen „Japaner-Theorien“ (nihonjinron) in Mode, die die Einzigartigkeit und in vielerlei Hinsicht Überlegenheit der Japaner zum Thema hatten und von der Allgemeinheit gern aufgegriffen wurden. Als Besucher wird man immer wieder mal damit konfrontiert und sollte sich bewusst sein, dass diese populistischen Theorien noch gar nicht so alt sind.




Jidaigeki 時代劇 (Samurai Filme)


Jidai = Ära, Zeitalter, geki = Theater, oft kommt noch eiga = Film hinzu ist das Genre der Samuraifilme, das in Japan immer noch beliebt ist. Dabei kam es erst richtig nach dem 2.Weltkrieg in Mode. Der Begriff wurde 1923 erstmals verwendet. Es handelt sich vor allem um Filme, die in der Edo-Zeit (1603-1868) spielen. Die Zeit davor war das Zeitalter der Kriege (sengoku jidai), auch aus dieser Zeit gibt es heute noch Filme und Fernsehserien zu sehen. Im Westen wurde der große Filmemacher Akira Kurosawa mit großen Filmen wie „Die sieben Samurai“, Kagemusha (Schatten des Kriegers), Ran berühmt. Eine Anekdote besagt, dass das Wort Jidai George Lukas zu dem Begriff Jedi-Ritter inspiriert haben soll.




J-Pop  J ポップ


Sammelbegriff für japanische Popmusik, die sich nach dem Krieg aus der kayôkyoku genannten Schlagermusik entwickelt hat. Ausländische Freunde der →Anime-Filme sind mit der Musik vertraut, weil sie für deren Untermalung häufig verwendet wird. Sehr viele Gruppen, insbesondere Boy Groups, stehen bei der Agentur Johnny´s & Associates unter Vertrag.

Das Genre der Enka-Lieder, die auf der pentatonischen Tonleiter aufbauen, ist davon abgetrennt. Enka sind Lieder der Sehnsucht und Einsamkeit und klingen alle sehr ähnlich, werden vor allem von der älteren Generation geliebt. Ein Sprichwort und ein gleichnamiges Lied „enka wa sake to namida to onna to otoko“ (演歌は酒と涙と女と男) „Enka, das ist Sake, sind Tränen, Frau und Mann“

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In Anlehnung an J-Pop wird koreanische Popmusik im Ausland heute K-Pop genannt. Koreanische Boy Groups sind auch in Japan, besonders unter Frauen, sehr beliebt. Der chinesische Machthaber Xi Jinping zerstörte die öffentliche Popularität von Pop Stars und anderen Prominenten im Sommer 2021.




Jûdô  柔道


Diese Kampfsportart wurde von Dr. Jigero Kano (1860 - 1930) aus dem Jujitsu entwickelt. Wie bei Aikidô geht es darum, die Kraft des Gegners zum eigenen Vorteil zu nutzen. Anfänger lernen zunächst das richtige Fallen, dann Wurftechniken, Würge- und Haltegriffe. Judô ist seit 1964 olympische Disziplin. Details




Juken jigoku 受験地獄 (Examenshölle)


Rund um die gefürchteten japanischen Eintrittsexamen gibt es eine Reihe von Begriffen: juken kyōsō (受験競争, Examenswettbewerb), gesteigert zu juken sensō (受験戦争, Examenskrieg) bis hin zur juken jigoku (受験地獄).Jedes Jahr Mitte Januar machen etwa 500.000 Bewerber um Aufnahme in eine staatliche oder private Universität an zwei Tagen standardisierte Tests, bei denen die richtigen Antworten angekreuzt werden müssen; Seit 2021 wurde der neue 大学入学共通テストdaigaku nyūgaku kyōtsū tesuto, allgemeiner Universitätseintrittstest“ eingeführt. Er ist stärker an die Erfordernisse der heutigen Zeit angepasst und sieht für Japanisch und Mathematik schriftliche Antworten vor und erweitert den Test von Englisch um Sprech- und Schreibkompetenz, nicht nur Lesen und Verstehen.

Je höher das Prestige einer Universität, desto schwieriger sind die Prüfungen. Es geht um Auswendiglernen riesiger Datenmengen. Zur Vorbereitung dienen Paukschulen (juku). Nicht nur Japan kennt Examenshöllen, auch in China und Korea und wohl auch anderswo in der Region sind die Anforderungen außergewöhnlich hoch.




Junsai


Es handelt sich bei Junsai (Brasenia) um eine Wasserpflanze mit schleimiger Oberfläche, die in flachen Teichen angebaut wird und mit kistenartigen „Kähnen“ geerntet wird. Sie kommt vor allem in der Präfektur Akita vor, wo das faserreiche, mild schmeckende Gemüse entsprechend beliebt ist. Junsai kann auch zu kosmetischen Erzeugnissen verarbeitet werden.




Justiz: Geiselhaft und erzwungene Geständnisse


Der frühere Manager von Nissan, der mit japanischer Hilfe heimlich geflüchtete Franzose mit libanesischem Pass, Carlos Ghosn, beklagte sich aus dem Libanon bitter über die japanische Justiz, in der ein Angeklagter keine faire Chance auf einen unvoreingenommenen Prozess habe. Denn über 90% der Angeklagten werden verurteilt. Das hängt mit einer gewissen japanischen Logik zusammen, nach der ein Richter der Anklage durch den Staatsanwalt zustimmt. Ein weiterer Kritikpunkt ist die bis zu 23 Tagen mögliche und danach mit jedem neuen Anklagepunkt verlängerbare „Geiselhaft“ mit ständigen Verhören ohne Kontakt zu Familie oder Anwalt bis zum quasi erzwungenen Geständnis. Es gibt auch kein Recht auf Verweigerung der Aussage. Trotz der Übernahme französischen Strafrechts in der Meiji-Zeit wurden offenbar Bestandteile traditioneller Justizauffassung über die Edo-Zeit hinaus beibehalten und werden international und auch intern heftig kritisiert. Hier eine Gegenüberstellung pro und contra




Jizô 地蔵


Jizô ist im Buddhismus ursprünglich der Bodhisattva Ksitigarbha, der seine Buddhaschaft so lange hinauszögert, bis alle Höllen leer sind; im japanischen Buddhismus ist er auch der Beschützer der Kinder, einschließlich der verstorbenen und der ungeborenen Kinder, in der Regel abgetriebenen Föten. Dargestellt wird er als Mönch mit einem Stab (zum Öffnen der Höllentore) und einem Juwel (zum Erhellen der Finsternis). In der japanischen Variante wird er häufiger als kleines Mönchlein mit Lätzchen, oft auch mit Windrädchen dargestellt. Auch gilt er als Schutzgottheit der Reisenden und Feuerwehrleute. Kinder, die vor ihren Eltern sterben, kommen ohne Hilfe des Jizô nicht über den Sanzu-no-kawa, der dem griechischen Styx entspricht (→Schmanismus im Krater des Vulkans Osore-zan, der als Eingang zur Hölle gilt) und ins Jenseits.





K

Kabuki  歌舞伎


Übersetzt bedeutet Kabuki Gesang und Tanz, leitet sich aber von kabuku (schockiert nach vorn lehnen ab, was mit seinen Anfängen (s.u.) zu tun hat. Die stark geschminkten Darsteller in farbenfrohen prächtigen Kostümen singen jedoch nicht, sondern sprechen in altertümlicher, man kann auch sagen affektiver Manier, sie vollführen mitunter eine Art Pantomime und verharren immer wieder wie erstarrt in Posen, die als mie (見得)bezeichnet werden. Begleitet werden die Darsteller durch Musiker, die Flöte, Shamisen und Uhrglas-Trommel spielen und immer wieder Klanghölzer (hyoshigi) einsetzen. Kabuki als Theaterform des Bürgertums entstand im 17.Jh., also in der →Edo-Zeit. Seine Geschichte ist insofern sehr interessant, als am Anfang, nämlich 1604, das Schreinmädchen (→miko) Okuni vom Großen Schrein von Izumo bei einer Aufführung eines Tanzes zu Ehren Buddhas in Kyôto erotische Elemente einfließen ließ, was die Zuschauer schockierte (kabuki). Freudenmädchen übernahmen gern die Idee und entwickelten es zu einer Art Frauen-Kabuki, das 1629 vom Shôgunat als unzüchtig verboten wurde. Daraufhin durfte diese Vorform des Kabuki nur von Jünglingen aufgeführt werden, was zu ähnlichen Ergebnissen führte und 1652 ebenfalls verboten wurde. Als Männer-Kabuki wurde es zur heutigen Kunstform, die seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe gezählt wird, entwickelt. Auffallend sind die Frauenrollen (onna-gata), an denen sich – wie es heißt – sogar Geisha orientieren, daneben die Männerrollen für Helden (aragoto) und weiche Typen (wagoto). Dargestellt werden geschichtliche Ereignisse und fiktive Geschichten. Innovationen der Kabuki-Theater sind die Drehbühne, die Hebebühne und der hanamichi genannte (Blumen-)Steg mitten durch die Längsseite des Theaters, eine Erweiterung der Bühne. Die Bühnenbilder sind ebenso prächtig wie die Kostüme. Eine Aufführung in fünf Akten dauert den ganzen Tag. Es gibt Pausen, aber während der Aufführung werden gern →o-Bentô gegessen. Wer gern Kabuki live erleben möchte, kann einzelne Akte buchen (am besten einen mit Tanz). Weitere Details

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Kakashi かかし (Vogelscheuchen)


Vogelscheuchen symbolisieren wie bei uns Menschen im Feld. In Japan gelten sie als Repräsentanten des Feldgottes Ta-no-kami (田ノ神). Berühmt geworden sind die von der Witwe Ayano-san hergestellten Menschenfiguren im Iya-Tal auf Shikoku. Ursprünglich zunächst gedacht als normale Vogelscheuchen, stehen die inzwischen rund zweihundert von Ayano-san hergestellten menschengroßen Puppen heute für die Menschen, die das Dorf im Verlauf der Jahrzehnte verlassen haben (s.Kaiho) und sind zu einer Touristenattraktion geworden, die zunehmend mehr Besucher in das einst abgelegene Tal locken. Das Dorf ist heute bekannt unter dem Namen kakashi-no-sato.




Kaiseki ryôri 懐石料理


Heute versteht man unter Kaiseki japanische Haute Cuisine, bei der nur frische, jahreszeitliche und möglichst regionale Zutaten bester Qualität in einer bestimmten Reihenfolge, mit bestimmten Zubereitungsarten, unterschiedlichen Farben und Geschmackserlebnissen nacheinander serviert werden, wobei gegen Ende erst die eigentliche Grundlage einer japanischen Mahlzeit, nämlich Reis, eingelegtes Gemüse und Miso-Suppe serviert werden. Davor gehören zu einem Menü mindestens Sashimi, ein geköcheltes, ein gegrilltes und ein gedämpftes Gericht. Arrangement der Speisen und die Verwendung von erlesenem Geschirr, das selbstverständlich zur Jahreszeit passt, erhöhen das Gesamterlebnis, das man am stilvollsten in einem →Ryôtei genießt. Auch im Ryokan wird diese Art der Küche serviert. In guten Hotels gibt es Mini-Kaiseki-Sets und Kaiseki-Bentô-Schachteln für um die 4-5000 Yen, einfachere Lokale bieten sie für Familien- und andere Treffen für 2000 Yen an.

Wörtlich übersetzt bedeutet kai Brusttasche und seki Stein. Mönche legten sich während der Meditation früher warme Steine wie Wärmflaschen in die Brusttasche, um den Magen zu beruhigen. Kleine Zwischenmahlzeiten während der Teezeremonie wurden Kaiseki genannt. Zur Unterscheidung der Haute Cuisine werden sie heute cha-kaiseki genannt.

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Kalligrafie →Shodô





Kambutsu 乾物 (getrocknete Lebensmittel)


Kambutsu sind an der Sonne getrocknete Nahrungsmittel wie Seetang, Krabben, Bonito, Pilze, vor allem Shiitake, Bohnen, Rettich, die auf diese Weise ihre Nährstoffe behalten und lange haltbar sind. Himono (干物) ist Stockfisch.




Kami 神 (Gottheit)


Der Begriff stammt aus dem →Shintô. Nach Auffassung dieser ursprünglichen japanischen Religion ist die Natur von kami beseelt. So gebe es Myriaden kami. Man kann den Begriff mit Gottheit übersetzen. Die Seelen Verstorbener werden ebenfalls als kami bezeichnet. Die Götter der Ainu sind kamuy カムィ. Selbst die Christen benutzen den Begriff kami-sama für Gott. Die Chefin des Hauses wird ebenfalls kami-sama (上様) genannt, aber anders geschrieben. Dieses kami bedeutet oben, was für Gottheiten ja ebenfalls zutrifft.




Kana und Kanji (Schriftzeichen)


Vor Einführung der chinesischen Schrift (vermutlich zwischen dem 3. Und 5.Jh.) gab es in Japan keine eigene Schrift. Es gibt heute in Japan 3 Schriftsysteme Kanji ( 漢字) sowie im 9.Jh. angeblich vom Mönch Kûkai (Kobo Daishi, 774-836, Gründer der esoterischen Shingon-Sekte) entwickelte Silbenschrift Kana zu je 50 Zeichen, das sind verkürzte Schriftzeichen ohne Bedeutung, die nur phonetisch verwendet werden. Für das Lesen buddhistischer Texte waren sie besser geeignet als die regulären Kanji. Eine Variante sind die fließenden, runden Hiragana, auch onnade (女手 Frauenhand) genannt, weil früher Frauen, denen formeller Unterricht in dem Erlernen der Kanji verwehrt war, damit ihre Briefe und Texte schrieben.

Kindergartenkinder lernen Hiragana bereits mit 4 Jahren und können damit Kinderbücher lesen, bevor sie eingeschult werden. Das Erlernen einer Silbenschrift ist wesentlich leichter als das Erlernen einer Buchstabenschrift, weil man die Silben nur aneinander reihen muss und das Wort sofort lesen kann. Auch gibt es weder Groß- noch Kleinschreibung, in normalen Texten aber auch keine Lücke zwischen Wörtern oder Satzzeichen. Es gibt für kanji zwei Lesarten: on-yomi (sino-japanische Lesart) und kun-yomi (japanische Lesart). Stehen zwei oder mehr Kanji zusammen, werden sie meist sino-japanisch gelesen, weil ein Zeichen im Chinesischen nur eine Silbe repräsentiert, japanische Wörter aber meist mehrsilbig sind: Tôkyô müsste japanisch als Higashi Miyako gelesen werden.

Details zu Kanji

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Kantô/ Kansai


Kan (関) war ein Kontrollpunkt (関所 sekisho) in der Edo-Zeit. Kan-tô 関東= östlich des Kontrollpunktes, kan-sai 関西= westlich davon. Dieser Kontrollpunkt lag am Fluss Fuji-kawa, westlich der Stadt Fuji am Tôkaidô. Tatsächlich meint Kantô heute die Region um Tokyo mit den Präfekturen Tokyo, Chiba, Kanagawa, Saitama im Süden und Gumma, Ibaraki und Tochigi im Norden. Die Kantô-Ebene ist die größte des Landes.

Kansai ist heute deutlich weiter westlich angesiedelt, und meint das zweitgrößte Ballungszentrum Japans mit den Millionenstädten Ôsaka 大阪und Kôbe 神戸in der Präfektur Hyôgo, auch Hanshin 阪神 genannt. Genaugenommen heißt die Region jedoch Kinki und umfasst neben den Stadtpräfekturen Kyôto und Ôsaka, Hyôgo, Shiga, Nara und Wakayama.

Daneben meint man mit Kantô und Kansai unterschiedliche Mundarten und Mentalitäten. Der Kansai-ben gilt als lustiger, humorvoller, zumal die Mundart von Kantô die japanische Standardsprache darstellt.




Karate 空手


Wie Kung Fu hat Karate seinen Ursprung in China und wurde in Okinawa zur waffenlosen Kampfsportart entwickelt. Kara (空 leer), te (手Hand) bringt es auf den Punkt. Wie andere fernöstliche Kampfsportarten vereint Karate körperliche, geistige und spirituelle Disziplin. Die Techniken umfassen Schläge, Hiebe und Tritte. Trainiert werden Grundformen (kata) sowie einfaches und freies Sparring (kumite).




Kata 形 oder 型 (richtige Form, wie etwas ausgeführt werden muss/soll)


Wer Karate oder andere japanische Kampfsportarten praktiziert, weiß, was mit kata gemeint ist. In Japan ist korrektes Verhalten, die korrekte Ausführung (s: Teezeremonie) einer Tätigkeit außerordentlich wichtig. Wer die richtige Form beherrscht, fühlt sich frei.




kawaii 可愛い oder かわいい


Zunächst bedeutet kawaii niedlich, süß und wird gern und häufig auf kleine Kinder bezogen. Aber in Japan hat sich seit den 1970er-Jahren eine eigene Kultur entwickelt, die die gesamte Gesellschaft durchdringt. Jede Präfektur, jede Behörde hat ihren an Comicfiguren erinnernden Charakter, der kawaii wirken soll, yurukyara genannt. Erwachsene Japaner haben offenbar keine Angst, kindisch zu wirken. Das Konzept strahlte aus nach China, Taiwan, Korea, teilweise auch Südostasien, ohne dass es sich so stark auf die Erwachsenenwelt ausdehnt wie in Japan. Kawaii-Design umfasst alle möglichen Bereiche, selbst Flugzeuge, Züge, Briefkästen, Absperrungen.




Kendô (Schwertkampf)


Die uralte Schwertkampfkunst (kenjutsu/gekken) wird erst seit 1952 als Sport praktiziert und an Schulen, vor allem Mittelschulen, gelehrt. Zum Schutz tragen die Kämpfer*innen Maske (men), Brustplatte (do) und Handschuhe (kote). Gekämpft wird mit Bambusschwertern (shinai). Sieger ist, wer die drei geschützten Körperteile und die Kehle (tsuki) des Gegners trifft. Trainiert werden in Angriffs- und Abwehrbewegungsabläufen Körperhaltung, Fußarbeit, Hiebe, Täuschungsmanöver und Paraden. Kendô kennt zehn Grade und drei Lehrgrade.




Keramik


Japan hat wie die Nachbarländer Korea und China eine lange Tradition in der Keramikherstellung. Die erste geschichtliche Epoche (→Jômon-Zeit) ist nach der charakteristischen Art der Keramik mit Schnurmustern (jômon) bezeichnet.

Unter dem Einfluss der Teezeremonie (→Sadô) und der →Wabi-Sabi-Ästhetik haben sich in Japan eigenständige Keramikstile entwickelt, die auf Nichteingeweihte schlicht, unvollkommen, ja deformiert erscheint. Aber das ist beabsichtigt und wird von Kennern hoch geschätzt. Bekannte Namen sind Bizen, Echizen, Seto, Shigaraki, Tanba, Tokoname. Sie werden nach den Orten ihrer Herstellung benannt, denn unterschiedliche Orte bedeuten unterschiedliche Erden und sonstige Materialien.

Bekannte Porzellanmarken sind Imari/Arita und Kutani< Imari-Porzellan wurde von der Niederländischen Ostindien-Kompanie während der Edo-Zeit in großer Stückzahl nach Europa exportiert und ist heute noch berühmt.

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Kimono 着物


Wörtlich bedeutet Kimono schlicht Anziehzeug. Gute Seidenkimonos kosten mit Zubehör umgerechnet 20.000 €, gebraucht gibt es einfache Kimonos auf Flohmärkten oder entsprechenden Geschäften für 1000 Yen und weniger, bessere erhält man für umgerechnet 100€, ein Bruchteil der ursprünglichen Kosten.

Der Kimono in seiner standardisierten T-Form mit geradem Schnitt und weiten Ärmeln entwickelte sich in der →Heian-Zeit. Gute Kimonos werden aus genormten Stoffbahnen gefertigt und haben eine Einheitsgröße, die man durch Faltung anpassen kann. Heute gibt es aber auch Kimonos in unterschiedlichen Größen. Besonders die der Sumo-Kolosse erfordern Sondergrößen, auch sind sie in der Farbgebung extravaganter, während Männer-Kimonos einfarbig und eher dunkel sind. Damit stehen sie in großem Kontrast zu den prächtigen, kostbaren Frauen-Kimonos. Am farbenfrohsten sind die der unverheirateten Frauen mit den langen Ärmeln (振袖furisode). Man sieht sie vor allem am 2.Montag im Januar, dem seijin-no-hi, also dem Tag des Erwachsenwerdens (→Feiertage). Auf Hochzeitsempfängen tragen unverheiratete diese ebenfalls. Verheiratete Frauen, vor allem die Mutter der Braut, tragen zu formellen Gelegenheiten den kurotomesode (黒留袖)diese sind schwarz, unterhalb der Taille jedoch prächtig bestickt, möglichst der Jahreszeit entsprechend. Formelle Kimonos wie diese haben an 5 Stellen das Familienwappen (家紋kamon). Es gibt für Kimonos feine Abstufungen. Einzelheiten →https://de.wikipedia.org/wiki/Kimono

Der Obi genannte Gürtel ist beim Frauen-Kimono das kostbarste Zubehör. Für den Männer-Kimono reicht ein einfacher vergleichsweise schmaler Gürtel, der in Sekunden befestigt ist. Dagegen ist das korrekte Anziehen eines Frauen-Kimono schwierig, jüngere Frauen können das in der Regel nicht mehr. Damenfriseure übernehmen häufig diese Aufgabe. Natürlich gibt es Kimono-Schulen für diesen Zweck. Ein formelles Zubehör sowohl für Frauen wie Männer ist der Hosenrock hakama, den Frauen z.B. bei der Abschlussfeier nach dem Studium tragen. Die Überjacke haori trägt ebenfalls dazu bei, einen Männer-Kimono formeller zu machen.

Yukata sind bedruckte einfache Sommer-Kimonos, meist aus Baumwolle, Leinen oder Hanf können ebenfalls verwendet werden. Sie werden zu Bon-odori (→Feiertage), sommerlichen Feuerwerken und sonstigen sommerlichen Festen getragen.

Kimonostoff kann für Accessoires und als Applikationen auf modernen Kleidungsstücken verwendet werden.




Kinder


Kleinkinder sind in engem körperlichem Kontakt mit der Mutter. Die traditionellen Tragevorrichtungen, mit der die Kleinkinder auf den Rücken gebunden werden, lassen der Mutter die Hände frei für Feld- und Hausarbeiten. Eigene Jacken oder Mäntel sind so geschnitten, dass das Köpfchen hinten herausschauen kann. Heute sieht man in den Städten fast nur noch die auch bei uns üblichen Babytragen, bei denen die Kleinkinder Bauch an Bauch bzw. Rücken an Bauch mit Mutter oder Vater verbunden sind. Kleinkinder werden generell nicht geschimpft und bestraft. Von klein auf geht die Erziehung jedoch in Richtung eines harmonischen, rücksichtsvollen Miteinander, was bei Kindern naturgemäß nicht vorgegeben ist. Entwicklung eines starken Ego ist in Ostasien nirgendwo beabsichtigt. Immer geht es stärker um Gruppenorientierung, das übergeordnete Gemeinwesen. In der Öffentlichkeit sieht man keine schimpfenden, zerrenden, schlagenden Mütter bzw. Eltern. Der körperliche Kontakt nimmt jedoch mit Schulbeginn ab, was nichts über die Intensität der Gefühle füreinander aussagt.




Kissa-ten (Cafés)


In Japan soll es 120.000 Cafés geben. Klassische Cafés sind Orte, in denen eine Tasse Kaffee (um die 500 Yen) zwar teuer ist, aber erstens kann man sich nachschenken lassen und zweitens, und das ist wichtiger, kann man ungestört so lange sitzen bleiben, wie man möchte oder kann. Am bekanntesten ist die riesige Renoir-Kette mit bequemen Sesseln, eng verbunden mit Salarimen, die sie für geschäftliche Besprechungen oder zum Relaxen aufsuchen. Alternative Namen für Cafés sind Kohi shoppu; tea rooms spezialisieren sich auf Tee.

Es gibt Cafés, die sich auf Musikrichtungen (Jazz, klassisch, Pop) spezialisieren, in denen man auch Wünsche äußern kann, andere bieten Zeitungen, manga oder anderen Lesestoff. In Tische eingelassene Videospiele gibt es vielleicht noch, no-pan-kissa , die in den 1980er-Jahren populär waren, sind aber inzwischen wohl passé (die Bedienungen trugen keine Slips und der Boden war teilweise gespiegelt, es galt jedoch eine no-touch-Regel). Eine Pop-Gruppe mit diesem Namen existiert noch.

Heute gibt es Cafés, die sich sehr ambitioniert um den besten machbaren Kaffee bemühen. Cafés bieten wie bei uns gern Frühstückssets und andere Gerichte wie Toasts, Gebäck, Snacks, Spaghetti mit Frikadellen, gratinierte Makkaroni, Salate. Themencafés begannen einst mit Katzen, inzwischen bieten sie kleine Streichelzoos (→). Traditionelle Cafés in japanischen Stil heißen Kanmi Kissa. Dort geht es auch nicht um Kaffee sondern um Grünen Tee (o-cha), zu dem japanische Süssigkeiten wie Anmitsu und Kuchen (→wagashi) gegessen werden, im Sommer vor allem Raspeleis mit Sirup (kakigori). Männer gehen praktisch nur in Begleitung ihrer Freundin oder Frau in solch ein Lokal.

Beliebte, preiswerte Café-Ketten sind “Café de Crié”, “Doutor”, “Pronto”, “San Marco”, “Veloce”. Wer eine kleine Pause nötig hat, einen Becher Kaffee trinken und eine Kleinigkeit dazu essen will, kann das heute auch in →kombini mit Sitzgelegenheit (z.B.an einer Seite am Fenster) für umgerechnet 2€ tun.




Koi, Nishi- 錦鯉 (Zierkarpfen)


Zierkarpfen werden seit etwa 150 Jahren gezüchtet und sind heute ein begehrter Exportartikel. Lebende Koi werden mit dem Flugzeug verschickt und können viele tausend Euro kosten. In Deutschland werden auch Koi gezüchtet. Tatsächlich ähneln die Spiegelkarpfen den japanischen und werden in Japan als doitsu goi (deutsche Karpfen) bezeichnet. Zierkarpfen können 60 Jahre alt werden. Die Zucht ist kompliziert. Details




Kombini コンビニ


Sie gehören in jedes Wohnviertel. In Städten in belebten Umgebungen kann man dort rund um die Uhr einkaufen, sonst bis 23 Uhr oder Mitternacht. Kombini bzw. konbini bieten neben Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs zusätzlich eine Reihe von Serviceleistungen (Stromrechnungen bezahlen, Kurierdienste, Ticketreservierungen). Obwohl sie im Prinzip immer offen sind, hat sich wie in Supermärkten eingebürgert, dass spätnachmittags oder abends frische Fertiggerichte im Preis reduziert werden, was von den Kund*innen sehr geschätzt wird. Details




Konfuzianismus


Die Länder Ostasiens und Vietnam wurden von der Soziallehre des Konfuzius (551–479 v. Chr.) beeinflusst. Es gibt einige Konfuzius-Tempel, in denen er verehrt wird. Sie dienten im Japan der Edo-Zeit als Schulen für die Samurai. Aber als Religion spielte der Konfuzianismus in Japan anders als in China keine Rolle. Dafür wirkt sich seine Soziallehre bis heute aus. Einerseits fördert diese Lehre die Unterordnung des einzelnen unter das Gemeinwesen, was sich in der Corona-Pandemie als vorteilhaft erwiesen hat. Aber Konfuzianismus lehrt auch Gehorsam gegenüber dem Staat und der Regierung, weshalb die chinesische Führung sich heute gern wieder auf konfuzianische Ethik beruft, die während der Kulturrevolution wie andere Traditionen und Religionen vehement bekämpft wurden. Auch stehen Frauen in konfuzianisch beeinflussten Gesellschaften nicht auf derselben Stufe wie Männer: sie sollen sich innerhalb der Familie ihren Brüdern und Vätern, im Beruf männlichen Kollegen unterordnen. Eine Konsequenz ist, dass moderne Frauen heute zunehmend die Ehe ablehnen, sich lieber scheiden als unterdrücken lassen und lieber als „single mother“ in prekären finanziellen Verhältnissen leben als in ehelicher Abhängigkeit (→Sex).




Korruption →Bestechung





Koto 箏


Das ist die in ganz Ostasien verbreitete Zither. Das Brett besteht aus Paulownien-Holz, die 13 Saiten sind aus Seide gefertigt, sie werden durch Brücken gespannt. Die Saiten werden rechts gezupft, links wird der Ton variiert.




Kriminalität


Für Reisende ist Japans eines der sichersten Länder der Welt. Das konformistische Verhalten der Menschen, also der soziale Druck, sich korrekt zu verhalten, die zunehmend installierten Überwachungskameras (was weltweit der Fall sein dürfte, wo die Länder es sich leisten können), sogar abendliche Bürgerpatrouillen durch die Wohnviertel, äußerst strenge Waffenkontrollgesetze, das sind Zutaten für geringe Kriminalität. Hier ist nicht die Rede vom organisierten Verbrechen (boryokudan 暴力団→Yakuza), von dem Touristen nichts mitbekommen. Gelegentlich gibt es Amokläufe Verwirrter, die mit dem Messer (Schusswaffen sind praktisch unmöglich zu bekommen außer für entsprechende Berufsgruppen) wahllos auf Passanten einstechen. Das hatten wir in Würzburg auch vor einiger Zeit. Brandanschläge wie der auf das Anime-Studio in Kyoto kommen auch vor. Die Mordrate ist jedoch die niedrigste der Welt.

Kriminalität in Form von Diebstahl soll unter älteren, verarmten Männern häufiger vorkommen. Wie anderswo auch haben während der Corona-Pandemie häusliche Gewalt, Kindesmisshandlung und Internet-Kriminalität zugenommen. Im Gedränge in Zügen und in Bahnhöfen wird vor Taschendieben gewarnt. Aber selbst nachts können sich Frauen in den Straßen sicher fühlen.




Kritik


Da es die Höflichkeit verlangt, dass man niemandem in der Öffentlichkeit das →Gesicht verlieren lassen soll, wird Kritik generell vermieden. Nach der Arbeit im →Izakaya mit Kollegen darf nach dem Genuss von ein, zwei Bier oder anderem Alkohol die Zunge gelockert und Kritik auf oberflächliche, aber nie aggressive Weise geäußert werden. In Firmen ist aber immer wieder von pawa hara (power harrassment, also Machtmissbrauch) die Rede. Und das Verhalten von Verwandten, die aus der Reihe tanzen, kritisiert man schon gern (natürlich in der Regel nicht direkt).




Kulte/Bräuche → Rituale





Kultstätten →Schrein, →Tempel →Abwehrzauber und Glücksbringer





Kyûdô 弓道


Die Kunst des Bogenschießens hat stark meditative Elemente, ist wie Sumo mit Shintô verbunden, aber auch mit Zen-Buddhismus. Der Bogen misst 2,25m, ist aus Streifen von Bambus und Maulbeerbaum gefertigt und lackiert. Beim Transport steckt er in einer Hülle. Die Bogenschützen tragen Kimono mit Überrock (Hakama). Wie bei der Teezeremonie ist jede Bewegung vorgeschrieben. Wegen der Eleganz der ruhigen und konzentriert ausgeführten Bewegungen ist Kyûdû bei Frauen ebenfalls sehr beliebt. An Schulen und in den Universitäten gibt es Clubs. Details









L

Lautmalerei


Im Japanischen verwendet man für Onomatope Wortpaare, die überwiegend aus zweisilbigen Wörtern, die gedoppelt werden, bestehen: fuwa-fuwa, kari-kari, saku-saku, pan-pan. Es gibt mehrere tausend davon. Sie gehören jedoch zur gesprochenen Sprache des Alltags. Geschrieben werden sie meist mit der Silbenschrift Hiragana. Imitieren von menschlichen und Tierlauten giseigo 擬声語, Natur- und Objektgeräusche giongo 擬音語, Bewegungen und Handlungen giyôgo 擬容語 bzw. gitaigo 擬態語, Gefühle gijôgo 擬情語




Lackwaren


Neben den Erzeugnissen der Töpferkunst sind vor allem die Lackwaren berühmt. Der Rohlack stammt vom „Lack“Baum (urushi). Wie bei der Gummigewinnung wird die Rinde geritzt (allerdings waagerecht und nicht schräg), und der austretende klebrige Saft wird abgekratzt. Traditionell wird der Lack dann der Sonne ausgesetzt, damit das Wasser verdampft, außerdem gewinnt er durch Umrühren eine einheitliche Konsistenz. Auf die Oberfläche des zu lackierenden Gegenstandes (Holz, Leder, Papier, Porzellan, Metall, heute auch Plastik) wird erst die Farbe, das Muster o. Ä. aufgetragen, anschließend wird er lackiert. Lackwaren sind verständlicherweise ziemlich teuer, denn es steckt viel Arbeit darin, und sie sind ein zeitloser, fast unbegrenzt haltbarer Genuss für das Auge, allemal schöner als nackte Plastikschachteln.




Lampions/Laternen 提灯


Bis zum Beginn der Elektrifizierung waren Lampions, die aus einem dünnen Bambusgerüst, über das Papier gespannt war, gefertigt waren, die gängige Form der Beleuchtung in Japan. Die faltbaren Lampions waren eine Erfindung der Edo-Zeit. Rote Laternen (akachôchin) sind ein Synonym für Kneipen (→Izakaya), nicht für Sex Business.

  • Andon 行灯

sind schachtelförmige Stehampen, die ebenfalls einen Schirm aus Bambus und Papier als Windschutz haben, es gibt aber auch Gestelle aus Metall.. Eine Schale aus Keramik oder Stein enthält den Docht, der mit Raps- oder Sardinenöl gespeist wird. In den Samuraifilmen sieht man die Menschen mit kleinen Lampions mit Handgriff durch die Straßen gehen. Andon können auch aufgehängt werden

  • Bonbori ぼんぼり・雪洞 werden in erster Linie für Feste im Freien verwendet, wie der Name sagt, zu O-Bon. Häufig sind sie sechseckig.
  • Chôchin 提灯Die faltbaren Lampions waren eine Erfindung der Edo-Zeit. Das aus gespaltenem dünnem Bambus bestehende Gerüst wurde spiralförmig geformt. Dadurch kann man die Laternen zusammenklappen.
  • Tôrô 灯籠 sind meist Stein-oder Bronzelaternen auf dem Gelände eines buddhistischen Tempels oder Shintô-Schreins. Die vom Dach herabhängenden Laternen sind die tsuri-dōrō (釣灯籠) während die auf dem Weg zum Tempel- oder Schreingebäude bzw. als Dekoration im Garten stehenden Laternen dai-dôrô 台灯籠genannt werden.




Lotus (essbare Wurzeln: Renkon) レンコン, 蓮根


Beim Lotus gibt es essbare Samen, Lotusnüsse genannt, und aus Knollen bestehende Rhizome. Letztere werden in der japanischen Küche vielseitig verwendet. Sie haben zwar kaum Eigengeschmack, man kann sie jedoch braten, dämpfen, einlegen, frittieren, kochen; die wegen der Luftröhren in den Knollen wie Räder aussehenden Scheiben tragen zur Ästhetik von Speisen bei. Die Nüsse werden zu Desserts verarbeitet.




Love Hotels ラブホテル


Eine Hotelspezialität darf nicht fehlen, wenn von Japan die Rede ist: die Love Hotels. Sie sind vor allem außerhalb der Städte daran zu erkennen, dass sie ungewöhnliche, oft romantischen Vorstellungen entsprechende Formen haben: Schlösser und Burgen sind am beliebtesten, aber auch Schiffe sieht man noch gelegentlich. Innen sind sie noch phantasievoller ausgestattet: Früher waren Muscheln, Kutschen, Oldtimer, Luxuslimousinen und Raumschiffe beliebt und dienten als sexfördernde Betten, die zudem meist mit vielen technischen Extras, Spiegeln, Videokameras usw. ausgestattet waren.

Heute gibt es eher Videos und Karaoke. Alles soll jedoch der Steigerung der Lust dienen.

Die Love Hotels sind Stundenhotels, vor allem für Ehepaare, die der häuslichen Enge für Stunden oder eine ganze Nacht entfliehen wollen. Angesichts papierner Schiebetüren und beengtem Zusammenleben bleibt für Intimitäten traditionell wenig Raum in Japan. Gern kommen auch junge Paare hierher, die noch keine eigenen vier Wände oder sonst eine geeignete „sturmfreie Bude“ haben. Natürlich vergnügt man sich in solchen Hotels auch mitunter auf Geschäftskosten. Billig sind diese Hotels nicht: pro Stunde über 3000 Yen, nach 22 Uhr gibt es Ermäßigung, und die restliche Nacht kostet oft weniger als im herkömmlichen Hotel. Jedoch kann man in der Regel erst ab etwa 17 Uhr einchecken und nur bis etwa 10 Uhr des nächsten Morgens bleiben.

Überhaupt ist es üblich, in Hotels nicht vor 15 Uhr einzuchecken. Jedes Hotel hat jedoch in dieser Hinsicht eigene Regeln. Statt Love Hotels nennen sich viele dieser, aber auch andere Hotels heute lieber Boutique Hotels oder Amuse Hotels. Siehe auch





M

Musik, instrumentelle


Japanische instrumentelle Musik hat eine völlig andere Tradition als unsere abendländische. Die älteste Kammer- bzw. Orchestermusik ist die aus China übernommene Hofmusik des →gagaku ( 雅楽), die unter demselben Namen bzw. unter der Bezeichnung kagura auch als rituelle Musik im →Shintô aufgeführt wird, dort in der Regel als musikalische Begleitung von Tänzen.

Die 7-löchrige Querflöte ryuteki, das Doppelrohrblattinstrument hichiriki und die für unsere Ohren ebenfalls ungewohnte Mundorgel →shô erzeugen zusammen mit Fasstrommeln einen seltsam eindringlichen Klang, der nach Shintô-Auffassung die Musik der Götter bzw. des Universums darstellt. Gagaku wird dem UNESCO-Weltkulturerbe zugerechnet.

Kabuki wird von Shamisen, Flöte und Uhrglastrommel begleitet.




Maid Cafés メイドカフェund andere Themencafés


Maid Cafés sind in angewandtes →Cosplay. Die jungen Frauen, die als Bedienung arbeiten, tragen typischerweise altmodische Kleidung im Stil französischer „Dienstmädchen“, z.B. Petticoat, Schürze, passender Haarschmuck. Auch Heldinnen aus Anime und Manga werden dargestellt. Ursprünglich waren sie ein „Zufluchtsort“ für →Otaku, also Computer- und Manga-besessene Männer ohne Beziehung zu Frauen. Ihr Paradies ist Akihabara, das inzwischen weltberühmte Viertel für Elektronik, Anime, Manga, Video- und Computerspiele in Tokyo. Die Mädchen sollen unschuldig wirken und ein Gefühl von moe (萌え)vermitteln, so etwas wie Sehnsucht, Verlangen, Zuneigung für einen Anime-Charakter. Anders als Hostessenclubs ist der Verhaltenskodex in diesen Cafés streng geregelt. In Akihabara allein gibt es Dutzende von Maid Cafés, die einander Konkurrenz machen und zunehmend Touristen anlocken, die solch ein Café mal besucht haben wollen.

Noch vor wenigen Jahren waren Katzencafés 猫カフェ eine Besonderheit: in diesen Cafés darf man Katzen streicheln, wenn denen danach zumute ist. Viele Menschen können sich in den kleinen Wohnungen kein Haustier halten, haben aber ein Bedürfnis nach Kontakt zu Tieren, vielleicht auch keine Beziehung zu anderen Menschen. Gegen eine Gebühr, die sich nach der Zeit (meist zu 30 Minuten) bemisst, können sie nun Katzen, Hunden und inzwischen einen ganzer Zoo von Kuschel- und anderen Tieren streicheln: Igel, Capybara (südamerikanische Wasserschweine, die in Japan sehr populär sind, weil sie wie sie auch gern baden), Eulen.

Andere Themencafés führen in die Welt der Samurai, Ninja, ins Krankenhaus, Gefängnis, Kirche.




Maiko 舞妓


Die jungen Geishalehrlinge in Kyôto heißen Maiko. Sie tragen prächtige bunte Kimono mit langen Ärmeln und trippeln auf hohen lackierten →Geta zu

ihren Verpflichtungen.

In Kyôto können sich Frauen als Maiko verkleiden und schminken lassen und werden mit Sicherheit ständig fotografiert. (→Geisha)




Malerei, japanische


Am besten orientieren sich hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Japanische_Malerei




Maneki neko 招き猫 (Winkekatze)


„Aufgabe“ der Winkekatze ist das Anlocken von Kunden. Die Idee entstand in der Edo-Zeit. Es gibt mehrere Legenden um deren Herkunft. Im Stadtdteil Setagaya in Tokyo steht der Gotokuji-Tempe l豪徳寺, auf dessen Gelände es am Tama-Schrein von Winkekatzen in verschiedenen Größen nur so wimmelt. Diese werden von den Gläubigen in der Hoffnung auf Wunscherfüllung gekauft. Im Tempel lebte einst ein armer Mönch, der Katzen fütterte, obwohl er selbst kaum genug zu essen hatte. Eines Tages stellte sich wegen eines Sturmes der Herr von Hikone (Provinz Shiga) unter einen Baum beim Tempel. Er sah eine Katze, die ihm scheinbar zuwinkte. Neugierig ging er auf sie zu, um sie sich von Nahem zu betrachten. Da schlug ein Blitz in den Baum ein und zerstörte ihn. So rettete die Katze, Tama war ihr Name, sein Leben. Aus Dankbarkeit machte der Fürst den Gotokuji zu seinem Familientempel, und für die Katze wurde der gleichnamige Schrein errichtet.




Manga 漫画


Manga sind japanische Comics. Sie erscheinen wöchentlich in Millionenauflagen, natürlich kann man sie sich auch auf das Smart Phone laden. Die Vielfalt an Themen ist beeindruckend, selbst zur Wissensvermittlung gibt es entsprechende Manga. Mädchen und Frauen bevorzugen eher romantische Liebesgeschichten, bei Mangas für Männer dürfen auch an Pornografie heranreichende Darstellungen (nicht explizit, aber mit expliziten Auslassungen) dabei sein. Die ersten Bilderzählungen gab es bereits im japanischen Mittelalter. Manga sind oft wie Filme aufgebaut.




Manga Café 漫画喫茶/漫画カフェ


Wer in Japan ein Internet Café sucht, gelangt bisweilen in ein Manga Café. Japanische Internet-Cafés sind jedoch häufig eine Welt für sich: dämmriges Licht, Getränkeautomaten, lange Regale mit zehntausend Mangabüchern, Filmen und Computerspielen, jeder Platz eine eigene Kabine mit dreiviertelhohen fensterlosen Wänden, darin bequeme Sessel, in denen man auch schlafen könnte. Und genau das tun viele Gäste – sie verbringen ihre Nächte in der totalen Anonymität und Vereinzelung der Zellen.

Es gibt in allen Cafés Getränkeautomaten für Kaffee und kalte Getränke, in manchen auch Instantnudeln und andere Fertiggerichte, ja sogar Duschen und Waschmaschinen. Man kann sein Handy aufladen, Gepäck lagern, drucken. Einige Cafés erlauben, dass User ein- und ausgehen, in den meisten endet die Benutzung beim Verlassen des Cafés. In manchen darf geraucht werden, in anderen nicht. Manche Cafés schalten nach Mitternacht die Computer ab, damit die Benutzer schlafen können, einige haben sogar Sofas. Einer offiziellen Statistik zufolge haben über 60.000 User schon einmal in einem Internet-Café übernachtet, über 5000 von ihnen tun dies wiederholt. Denn nicht wenige haben keine Wohnung (mehr). Einerseits ein Paradies für sogenannte „otaku“, andererseits Notlösung für junge und ältere einsame Obdachlose, gelegentlich einfach Geschäftsreisende, die preiswert übernachten wollen. Die Preise sind meist 250–400 ¥ für 30 Min., für eine Stunde unter 500 ¥, für drei Std. 900– 1300¥, für die ganze Nacht 1400–2500¥.




Maske 面


Die für Japan und inzwischen ganz Ostasien typischen Gesichtsmasken aus Papier oder Stoff, die wir während der Corona-Pandemie 2021 und 2022 in allen Varianten kennengelernt haben, erfüllen wenigstens fünf Bedürfnisse: andere und sich selbst vor Ansteckung schützen, sich vor dem Verlassen der Wohnung nicht schminken müssen (was von einer verheirateten Frau normalerweise erwartet wird), unerkannt bleiben wollen, sich vor Kälte schützen und andere vor Mundgeruch.

Ansonsten finden Masken im →nō-Theater und auf →Matsuri Verwendung.




Matsuri 祭 (Feste)


Der Begriff Matsuri umfasst im weiteren Sinne alle Festlichkeiten einschließlich der nationalen Feiertage, auch hauptsächlich in Familien gefeierte Feste wie das Mädchen- und das Jungenfest oder Tanabata (→Feiertage). Im engeren Sinne sind sie an einzelne Schreine, seltener Tempel, gebunden. Jeder Schrein feiert ein jährliches Fest im Frühjahr zur Zeit der Aussaat (Bitte an die Götter um gute Ernte) und im Herbst als Dank für eine hoffentlich gute Ernte. Charakteristisch sind die Umzüge der tragbaren Schreine (お神輿 omikoshi) durch die Umgebung des Schreins. Am Meer gibt es Prozessionen mit Fischerooten. Besonderheiten sind Feuer- und Nackt-Feste. Berühmt sind auch die Feste, bei denen große Prunkwagen mit Musikern und Tänzer*innen durch die Straßen gezogen werden, berühmt ist das Gion Matsuri in Kyôto im Juli, das Kawagoe Matsuri im Oktober, das Takayama Matsuri im. Frühjahr und Herbst. Erwähnenswert sind auch die speziellen Fruchtbarkeitsfeste, z.B. das Kanamara Matsuri im April, bei dem statt traditioneller omikoshi riesige Penisse durch die Straßen gezogen werden. Am Ziel gibt es dann einen eisernen Penis zum Berühren und Eis in Penisform zum Lutschen. Ursprünglich beteten Prostituierte in der Edo-Zeit um Schutz vor Geschlechtskrankheiten und gegen Unglück, heute dient die Parade auch der HIV/AIDS-Prävention.

Es soll in Japan über 10.000 Feste im Jahresverlauf geben. Viele haben sich zu Touristenattraktionen sowohl für einheimische wie ausländische Touristen entwickelt. Andere sind nur Eingeweihten bekannt.




Meiji-Ära/-Zeit (1868-1912) 明治時代


Die japanische Neuzeit beginnt mit der Meiji-Restauration, durch die das Tokugawa-Shôgunat entmachtet und die Edo-Zeit, die Ständegesellschaft und der Feudalismus beendet wurde. Aus Edo wurde Tôkyô, der Kaiser (Mutsuhito) übernahm nach vielen Jahrhunderten formell wieder die Macht. Das Motto der Ära lautete passend „aufgeklärte Herrschaft“. Diese Ära brachte innerhalb weniger Jahrzehnte einen vollkommenen Umbau der japanischen Gesellschaft und eine Orientierung nach Westen. Abstrakte Konzepte, die in der Zeit davor nicht erforderlich waren, mussten erst einmal verstanden werden: Bürger, Demokratie, Fortschritt, Gesellschaft, Gesetz, Geschichte, Individuum, Kapitalismus, Kultur, Organisation, Philosophie, Politik, Staat, Wissenschaft, Zivilisation. Die Industrialisierung begann, die Schulpflicht wurde eingeführt, Gesetze an die vor allem im Westen gebräuchlichen angepasst, was auch zu Nachteilen führte (etwa die Festlegung der männlichen Thronfolge nach preußischem Muster, was sich für die Tochter des gegenwärtigen Tennô als vermutlich unüberwindbares Hindernis darstellt, zumal die regierende LDP keine weiblichen Thronfolger will). Auch beim Erbrecht brachte das von Deutschland übernommene Bürgerliche Gesetzbuch Nachteile für Frauen. Von den Franzosen übernahm man das Strafrecht, von den Engländern Militärorganisation, von den Deutschen auch Medizin und schulische Bildung bis hin zur Universität. Die Japaner erwiesen sich als übereifrige Schüler, wollten als erstes asiatisches Land gemäß dem Geist der Epoche Großmacht mit Kolonialbesitz und von den damaligen Großmächten als gleichrangig anerkannt werden. Dafür zettelten sie den Japanisch-Russischen und danach den Japanisch-Chinesischen Krieg an, sie nahmen sich Kolonien in China, einverleibten sich Korea und Taiwan.Das Mithalten-Wollen führte Japan letztlich in die Katastrophe des Pazifischen Krieges (2.Weltkrieg). Heute ist Japan als einziges asiatisches Land Mitglied im Kreis der G7.




Meishi 名刺 (Visitenkarten)


Visitenkarten sind ein Muss für Geschäftsreisen; generell wird erwartet, dass man solche von sich hat, selbst als Mitglied von Verbänden nach der eigenen Berufstätigkeit haben sie noch ihren Sinn. Denn das, was auf der Karte steht, hilft bei der rangmäßigen Einordnung der Person, die man erstmals trifft und der man sich vorstellt bzw. vorgestellt wird. Understatement ist daher nicht sinnvoll. Man übergibt und empfängt Visitenkarten mit beiden Händen und studiert deren Inhalt aufmerksam. Man steckt sie nicht in die Gesäßtasche oder sonstwie achtlos weg.




Minka 民家 (traditionelle Bauernhäuser)


Wer durch Japan reist, wird unterwegs immer noch traditionelle Bauernhäuser sehen. So alt wie mittelalterliche Steinhäuser bei uns sind sie jedoch nicht, aber 200-300 Jahre können sie schon alt sein.

Im Zusammenhang mit der Tendenz zu Entvölkerung ländlicher Gebiete stehen immer mehr dieser altehrwürdigen (古民家 kominka) Häuser leer und werden damit zu akiya (空き家verlassene Häuser). Man schätzt ihre Zahl auf fast 8 Mio. Häuser. Viele Gemeinden bieten jungen Paaren oder Familien günstige Bedingungen, wenn sie solche Häuser bewohnen oder ganz erwerben wollen und sich verpflichten ,mindestens einige Jahre zu bleiben. Sie sind sehr preiswert zu erwerben aber sehr teuer zu restaurieren. Mehr dazu in Kaiho




Mirin みりん seltener 味醂


Süßer Reiswein, der zum Kochen verwendet und aus mit Koji geimpftem Klebreis, Wasser und →Shôchu hergestellt wird. Nur am Neujahrstag mixt man ein Getränk namens toso aus Mirin, Sake und diversen Gewürzen, von denen man hofft, dass sie böse Geister von der Familie und der Gemeinschaft fernhalten.




Miso, (o-) 味噌 (Sojabohnenpaste)


Miso wird aus gedämpften Sojabohnen, Getreide wie Reis oder Gerste und Salz hergestellt. Die Masse wird mit schweren Steinen in großen Holzfässern für mehrere Jahre reifen gelassen. Hauptvarianten sind weißes (shiromiso 白味噌), rotes (akamiso 赤味噌) und schwarzes (kuromiso 黒みそ).




Mochi, o-  おもち (Reiskuchen)


Zum Neujahrsfest werden o-Mochi bisweilen noch zuhause aus Klebreis hergestellt, es gibt sie aber auch industriell zu kleinen rechteckigen Täfelchen gefertigt das ganze Jahr über. Gegrillt oder im Minibackofen aufgebacken, in etwas Sojasoße getaucht und mit o-Nori umwickelt schmecken sie köstlich.

Weiche gefüllte Mochi sind auch bei uns zunehmend erhältlich, auch als Mochi-Eis. Eine beliebte traditionelle Süßspeise, die gern im Winter genossen wird, ist shiruko (汁粉): warme Azuki- bzw. Adzukibohnen mit gegrillten Mochikugeln.




Mono no aware (物の哀れ, もののあはれ)


Das Bewusstsein der Unbeständigkeit (無常, mujō), Vergänglichkeit der Dinge, des Lebens. Die Kirschblüte ist ein Symbol dafür: voll aufgeblüht und schon wenige Tage später verschwunden, wie die Samurai oder Soldaten im Allgemeinen, die in voller Blüte der Jugend im Kampf fallen. Eine gewisse Wehmut über die Realität der Vergänglichkeit, die aber als unabdingbar akzeptiert wird.




Moralkodex


Für Japaner sind korrektes Verhalten, Loyalität gegenüber der eigenen Gruppe, z.B. der Firma, wichtiger als abstrakte Moral. Man tut für die eigene Firma Dinge, die offiziell verboten sind, wenn sie der Firma nützen. Aus der Edo-Zeit leitet sich bis heute ein strenger Kodex ab für korrektes Verhalten. Vorteil ist ein ausgeprägter Bürgersinn, der die Nachbarschaft und Umgebung sauber und in Ordnung hält und Kriminalität sehr niedrig.




Mottainai 勿体無い


Damit ist eine Haltung gemeint, die Verschwendung nach Möglichkeit vermeidet, solange Nahrung, Lebensmittel und anderes noch verwertet werden können. Mit dieser vom →Zen-Buddhismus beeinflussten Haltung käme es nie zum Wegwerfen noch brauchbarer Lebensmittel aus dem Supermarkt in die Mülltonne, und Mülltaucher wären überflüssig. Tatsächlich setzen bereits ab etwa 17 Uhr Supermärkte frische, nicht haltbare Lebensmittel herab, obwohl sie erst um 22 Uhr schließen. Aber die Verfallsdaten sind enger als bei uns festgelegt, und so wird aus Supermärkten viel weggeworfen, es sei denn, Obdachlose empfangen Reste.




Müll und Mülltrennung


Wer meint, dass bei uns Mülltrennung sehr differenziert ist, hat noch nicht erlebt, wie das in Japan vonstatten geht. Da gibt es eigene kleine Müllsammelstellen in der Nachbarschaft, in denen Müll nicht nur nach Haushaltsmüll, Papier, Biomüll getrennt wird. Für bestimmten Müll gibt es bestimmte Wochentage und Uhrzeiten. Plastikbehälter von Fertiggerichten, die bekanntlich in Japan sehr beliebt sind, werden vor der Entsorgung gewaschen. Alles kommt in Plastiksäcke, was auch bei uns vielerorts üblich ist (etwa im Landkreis München). Sie dienen in gewisser Weise auch der nachbarlichen Kontrolle. Misstrauisch ist man gegenüber →gaijin, die bekanntlich nachlässig sind, was die Regeln des Zusammenlebens in Japan betreffen und die teilweise mehr als 30-seitigen Mülltrennfibeln nicht oder nicht genau studiert haben.

Eine gute Einrichtung, die den guten Bürgersinn beweist, ist die Regel, dass Müllmänner z.B. mittwochs bei alten, allein lebenden Menschen klingeln und nachfragen, ob sie etwas entsorgen können. In Wirklichkeit geht es darum, festzustellen, ob es den Alten noch einigermaßen gut geht.

Müllabfuhr ist dank der Mitwirkung der Bürger ein sauberer und offenbar beliebter Job. Sogar Akademiker bewerben sich offenbar darum und verschweigen ihr Studium, um eine Chance zu bekommen.

Was vielen ausländischen Besuchern in Tokyo immer wieder aufstößt ist das Fehlen von Abfalleimern in der Öffentlichkeit. Grund war der Giftgasanschlag der Ômu-Shinrikyô-Sekte mit Sarin am 20.03.1995.




Musikinstrumente


Es gibt einige japanische Instrumente, mit denen auch für unsere Harmoniebegriffe wunderbare Musik gespielt werden kann:

→biwa

→koto

→shakuhachi

→shamisen





N

Nō 能


Nô-Theater wurde im 14.Jh. von Kan´ami und seinem Sohn Zeami entwickelt und wird bis heute noch genauso gespielt. Auch die Sprache bleibt altertümlich. Es lässt sich zum Nuo der Tang-Dynastie zurückverfolgen. Früher durften wie im →Kabuki nur Männer auftreten, heute zunehmend auch Frauen. Nô, auch Noh geschrieben, war das Theater der Samurai, während Kabuki das Theater der Bürger war. Selbst die Darsteller gehörten zur Samurai-Schicht. Anders als beim Kabuki gibt es keine Bühnenbilder, nur eine aufgemalte stilisierte Kiefer an der hölzernen naturbelassenen Rückwand.

Die zwei, drei Darsteller betreten die Bühne von links über eine überdachte Brücke und verlassen sie auch wieder über diese. Der Hauptdarsteller (shite) trägt eine Maske (能面nô-men). Es gibt rund 250 aus Holz geschnitzte Maskentypen, sogenannte Larven. Masken und Kostüme können sehr wertvoll, ja nationale Schätze sein. Dem Hauptdarsteller zur Seite steht der waki, manchmal tritt ein dritter Darsteller (tsure) auf. An der Rückwand der Bühne vor der Kiefer sitzen die Musiker: Querflöte aus Bambus, zwei unterschiedliche Uhrglas-( ôtsuzumi und kotsuzumi) und eine Fasstrommel (taiko). Auf der rechten Seite der Bühne sitzt der „Chor“ (hayashi), in dunkle Kimono gekleidete Männer, die den Text in einer Art Sprechgesang rezitieren. Die Bewegungen der Darsteller sind sehr langsam und reduziert, die Fußsohlen verlassen den Boden nicht. Auch wenn man bei Nô eher von Tanzdrama als von Schauspiel spricht, sind die Tänze nur angedeutet, die Wirkung ist sehr eindringlich und fremdartig.

Es geht um Götter, Geister, Ungeheuer, unglückliche Liebe, tragische Kriegsereignisse wie die Niederlage des Heike-Clans, Wahnsinn. Das Repertoire umfasst etwa 250 Stücke, alle aus dem 14. Jh. Zwischen zwei Stücken wird üblicherweise ein lustiges Zwischenspiel (kyôgen) zur Auflockerung aufgeführt, das Bestandteil des Nô-Theaters (nôgaku) ist und wie Kabuki zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Manche Schreine haben eine Nô-Bühne im Freien, dort werden gelegentlich Stücke bei Fackelschein aufgeführt (takigi-nô). Es gibt fünf Schulen, die bekannteste ist Kanze, die ihr Theater im modernen Shopping-Komplex „Ginza Six“ in Tokyo im Untergeschoss haben.

Einzelheiten

Nô-Puppe




Ninja 忍者


Von der traditionellen Kampfkunst sind die Ninja, in Japan selbst eher Shinobi (die sich verbergen) genannt, nicht wegzudenken. Sie waren jedoch keine Samurai. Der berühmteste Ninja war vermutlich Sasuke aus Kôga, der für den Kriegsherrn Sanada Yukimura im Einsatz gewesen sein soll. Die beiden Dörfer Iga und Kôga erlangten eine gewisse Berühmtheit, weil aus ihnen zahlreiche Ninja hervorgingen.

Ninja wurden seit der Heian-Zeit eingesetzt als Spione und Kundschafter, als Saboteure und Auftragskiller. Sie beherrschten die Kunst des Ninjutsu, die bestimmte Techniken umfasst (→de.wikipedia.org/wiki/Ninja). Verlangt werden u.a. Körperbeherrschung, lautloses Bewegen, Sprungkraft, Verstecken und Verbergen, Schlagtechniken ohne Waffen wie im Karate, Gebrauch verschiedener Waffen wie Speere, Klingenwaffen (am bekanntesten ist die Wurfscheibe shuriken), Werfen von Feuerbomben, Kenntnis von Festungsanlagen. Auch Frauen, die sich Kunoichi nannten, waren involviert. Wer sich näher für das Phänomen Ninja interessiert, wird auf dieser Webseite fündig

Dort kann man sich den Text auch als Pdf-Datei, e-book u.a. herunterladen.

Die modernen TV-Sportveranstaltungen, bei denen zunehmend schwierige Hindernisparcours absolviert werden müssen, in den USA als „American Ninja Warrior“, in Deutschland als „Ninja Warrior Germany“ bekannt, heißen in Japan "Sasuke" für Männer und "Kunoichi" für Frauen. Dabei gehen 100 Teilnehmer*innen an den Start. Von Runde zu Runde werden die Herausforderungen größer und werden manchmal von keinem komplett gelöst.




Nippon Kaigi 日本会議


Wörtlich bedeutet der Name schlicht „Japankonferenz“. Die erst 1997 gegründete Organisation ist äußerst nationalistisch und konservativ ausgerichtet, dazu revisionistisch. Sie steht der führenden Liberaldemokratischen Partei sehr nahe, ein großer Teil des Kabinetts sind Mitglieder und bekennen sich damit zu einer Politik, die man in Deutschland vergleichsweise der AfD zurechnen würde: Verehrung des Kaiserhauses wie im Zeitraum zwischen Meiji-Ära und Ende des 2.Weltkrieges, Anerkennung des →Tennô als Staatsoberhaupt, Begründung des Eintretens in den 2.Weltkrieg zur Verteidigung gegen und Befreiung vom europäischen Kolonialismus, Leugnung von Kriegsverbrechen wie das Nanking-Massaker, Leugnung der Zwangsprostitution durch die „comfort women“, Ablehnung weiblicher Thronfolgerinnen. Man solle endlich den Masochismus von Kriegsverlierern ablegen und die „aufgezwungene“ pazifistische Verfassung ändern und Militär offiziell gestatten. Frauen sollen heiraten und Kinder gebären, ansonsten den Haushalt führen. Feminismus wird ebenso abgelehnt wie LGBT+. Schulbücher sollen keine „anti-staatlichen“ Positionen behandeln, so die Ziele der Organisation, und wenn es ihr gelänge, auch der Regierung. Die Mitgliederzahl soll 40.000 betragen, aber nur ein kleiner Kreis bildet den Kern der Organisation.




Nerimono 練り物 Fischkäse


Nerimono zählt zu den beliebtesten spezifisch japanischen Spezialitäten: Chikuwa, Hampen, Kamaboko, Satsuma age, Surimi. Sie bestehen aus einer aus Weißfischen hergestellten Paste, die in die für die Produkte charakteristische Form gebracht und gedämpft wird. Üblicherweise findet man insbesondere Chikuwa und Hanpen in oden.





O

Onsen 温泉


Es gibt um die 13.000 onsen in Japan, jeder vierten wird heilende Wirkung zugesprochen. Da die Inseln vulkanischen Ursprungs sind, findet man sie überall. Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Thermalbädern. Oft wird einfach das heiße Wasser durch Rohrleitungen in die einzelnen →ryokan und Hotels geleitet. Im yuki-guni, dem Schneeland in Richtung Japanischem Meer, liegt im Winter der Schnee meterhoch, selbst in den Tälern. Aber dank der onsen sind die Straßen schneefrei: Kleine Rohre sind in die Straßen verlegt, und wie mit Sprinkleranlagen werden die Straßen ständig von warmem Wasser übersprüht.

Ungleich romantischer sind die natürlichen Bäder im Freien, rotenburo 露天風呂, in denen man oft noch gemischt nackt baden kann, was ja früher in Japan allgemein üblich war; andernfalls ist Badekleidung vorgeschrieben. Die romantischsten liegen irgendwo in stillen, abgelegenen Gebirgstälern. Solche rotenburo vermitteln den Badenden ein Höchstmaß an Entspannung und ästhetischem Genuss. Selbst die Japan-Makaken(Affen) genießen sie ganzjährig, zu besichtigen im Jigokudani in der Präfektur Nagano.

Andere Arten von Bädern sind das hōmatsuyoku (das Wasser ist mit Luftblasen angereichert, gibt es natürlich und künstlich) und mushi-buro (heißer Dampf wird in Kabinen geleitet, der Kopf schaut oben heraus wie in Zeltsaunen, die man auch hierzulande kaufen kann), z. B. in Goshogake Onsen, Akita, Nord-Japan. Ganz im Süden Kyūshūs kann man in heißem Sand baden: sunamushiyu. (s.Foto). Bekannt dafür

ist das Ibusuki Onsen, Kagoshima. Etwas nördlicher, in der Provinz Oita, schwimmen im Wasser der Becken von Myoban Onsen Orangen. Die Becken übernehmen damit die Funktion von Schönheitsbädern.




Öffentlicher Nahverkehr


Metropolen wie Tokyo verfügen über das bestentwickelte städtische Verkehrssystem der Welt. Für Besucher, die kein Japanisch können, war früher die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs eine große Herausforderung. Doch mit Englischkenntnissen kommt man heute problemlos an Fahrkarten. Kauft man sich Prepaidkarten wie Suica/Pasmo u.a., spart man sich auch das Kaufen der Fahrkarten, muss den Preis nicht wissen, die Karte nur an das Touchpad der Sperren (U-Bahn, Eisenbahn, Bus) am Ein- und Ausgang halten.




Olympia Tokyo 2020


Das hätten sich die Bewerber um die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokyo nicht träumen lassen, dass das erhoffte Fest zur Präsentation eines modernen, umweltbewussten Japan zum Corona-Albtraum geriet. Die Menschen in Japan wollten die Spiele im Grunde nie. Nach der Mehrfachkatastrophe vom 3. März 2011 wurde die erfolgreiche Bewerbung von 2013 als Symbol der Wiederauferstehung (resurrection) gefeiert und fand damals allgemeine Zustimmung. Aber schon die Wahl des Zeitpunktes war ein Einknicken vor Wirtschaftsinteressen, weil sich das US-Fernsehen im günstigeren Herbst (wie bei Olympia 1964 in Tokyo) mehr für Baseball interessiert und so den Zeitpunkt der Sommerspiele diktierte. Der Sommer in Tokyo ist unangenehm heiß, ausgedehnter Starkregen kann nicht nur wie 2021 in der ersten Julihälfte über das Land herfallen sondern auch genau während der Spiele. Mit Taifunen muss man ebenfalls rechnen. Der Oktober wäre wie einst 1964 der weitaus geeignetere Monat gewesen. Damals nutzte Japan die Spiele, um der Welt das nach dem Krieg wiederaufgebaute, moderne Land zu präsentieren, das in wenigen Jahrzehnten zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht aufstieg. Heute brauchte Tokyo die Spiele nicht. Der Untertitel „Resurrection Games“, gemünzt auf die von Erdbeben-cum-Tsunami-cum-Nuklearkatastrophe geschundene Region im Nordosten von Honshû hat mit dieser überhaupt nichts zu tun und nützt ihr auch nicht. Ein paar Fußballspiele in Sendai sind mehr Augenwischerei als Beleg. In Tokyo wurde in Erwartung riesiger Touristenströme fleißig renoviert, neue Hotels entstanden. Nun waren Ausländer nicht zugelassen, inzwischen nicht einmal einheimische Zuschauer, was Einnahmeverluste in Milliardenhöhe verursachte.

Dass die Spiele überhaupt stattfinden konnten, hat von japanischer Seite auch mit der Dauer-Rivalität mit China zu tun. Denen wollten sie nicht den Triumpf gönnen, Olympische Spiele als erste während bzw. nach der Pandemie durchzuführen, und vielleicht noch wichtiger, vor der aus China stammenden Pandemie zu kapitulieren.

Die nächsten Sommerspiele 2024 in Paris dürften wieder wie geplant stattfinden, es sei denn, eine neue Pandemie beherrscht die Welt bis dahin. Die Winterspiele 2022 in Beijing werden vermutlich noch im Zeichen der Pandemie stattfinden, Zuschauer sind einstweilen auch dort nicht zugelassen.




Omiai お見合い


Arrangierte Ehen sind heute selten geworden, nur noch 5% aller Ehen sollen auf diese Weise zustande kommen. Im ländlichen Japan ist der Prozentsatz jedoch höher. Zwei Familien werden auf diese Weise zusammengebracht, sie sollten nach sozialem Status miteinander kompatibel sein. Es wird ggf. auch heute noch nach Erbkrankheiten und anderen möglichen Hemmnissen geforscht. Auf dem Land gibt es typischerweise ältere Frauen, die sehr gut vernetzt sind und sich halbprofessionell als Ehevermittlerinnen (nakôdo 仲人) betätigen. Es kann aber auch jemand aus dem Bekanntenkreis sein. Sie –meist sind es Frauen - lädt zu einem formellen Abendessen ein, an dem die potenziellen Partner, deren Eltern und die Vermittlerin teilnehmen.

Besonders junge Frauen willigen im Vorfeld ein, von sich ein Omiai-Foto im Kimono machen zu lassen. Fotos, Selbstdarstellungen mit Bildungsverlauf, Hobbies, Interessensgebieten u.ä. werden vor dem Treffen ausgetauscht. Das Omiai findet nur statt, wenn ein gewisses gegenseitiges Interesse besteht. Besteht danach immer noch Interesse, findet das nächste Treffen der potenziellen Partner ohne Anhang statt, und die Beziehung kann sich von da an normal entwickeln. Besteht kein Interesse, wird dies nach dem ersten Treffen diskret mitgeteilt. Eine moderne Variante ist →go-kon




Omiyage お土産 (Mitbringsel)


Nicht nur in Japan, auch anderswo in Ost- und Südostasien besteht für Reisende die moralische Verpflichtung, den Daheimgebliebenen von der Reise etwas mitzubringen. Diese Mitbringsel dienen der Aufrechterhaltung guter Beziehungen in der Verwandtschaft, unter Freunden und Bekannten, Kollegen, Vorgesetzten. Meist sind es Erzeugnisse der Region, in die die Reise führte. Omiyage sind auch bei Dienst- und Geschäftsreisen fällig, bei Urlaubsreisen sowieso. Da oft zahlreiche Personen bedacht werden müssen, darf es sich um Kleinigkeiten handeln, die nicht viel kosten, aber es sollten Spezialitäten der Gegend sein, die die Daheimgebliebenen in gewisser Weise sogar erwarten, weil sie sich auskennen mit den örtlichen Besonderheiten…




omotenashi お持て成し


Der Begriff steht für Gastfreundschaft und sollte das Motto der Olympischen Spiele 2020 in Tokyo sein. Dank der Corona-Epidemie fand "Tokyo 2020" ein Jahr später statt, und Zuschauer, auch einheimische, waren nicht zugelassen, – welch ein Kontrast zur ursprünglichen Absicht, 2020 etwa 40 Millionen ausländische Besucher in Japan willkommen zu heißen (→Olympische Spiele Tokyo 2020). 2024 möchte man das Niveau von 2019 erreicht haben, was die Zahl der Besucher betrifft, bis 2030 sollen es 60 Mio. ausländische Touristen sein.




On-gaeshi 恩返し


Gefälligkeiten, Unterstützungen (on 恩), usw können nicht einfach empfangen werden. Sie erzeugen Druck auf Ausgleich. Also gibt man bei Gelegenheit zurück und gleicht das „Schuldenkonto“ erwiesener Gefälligkeiten aus. Ein bekanntes Märchen tsuru no ongaeshi (鶴の恩返し) handelt von einem Kranich, der erwiesene Gefälligkeit zurückgibt.




Origami 折り紙


Mit der Einführung des Papiers aus China kam die Tradition des zeremoniellen Faltens, insbesondere der Noshi 熨斗Kunst des Papierfaltens durch Akira Yoshizaewa (1911–2005)




Osechi ryôri お節料理 (Neujahrsessen)


Traditionell bleibt die Küche während des Neujahrsfestes kalt. Als Vorbereitung dient in den Tagen vorher die Herstellung bestimmter, meist symbolträchtiger Speisen, die in Lackkästen mit Fächern (jûbako) gelegt werden. Die Speisen werden kalt gegessen. Beliebt sind Tai (Meerbrasse) wegen der roten Farbe und des Namens (medetai = glücksverheißend), schwarze Sojabohnen (mame = Gesundheit), rot-weißer Kamaboko (Fischkäse), der an die aufgehende Sonne erinnern soll, goldene Heringsrogen (kazunoko = Kinderzahl) kurikinton (süße Maronen) tazukuri (getrockene Sardinen)




Otaku おたく, オタク


Der Name bedeutet wörtlich „Ihre Wohnung“, meint also Stubenhocker, die wenig bis keine sozialen Kontakte haben und sich hauptsächlich mit dem Computer beschäftigen; sie widmen ihre (freie) Zeit ihrer besonderen Leidenschaft, die über Hobbies hinausgeht. Im Englischen kommen die Bezeichnungen „nerd“ und „geek“ dem japanischen „otaku“ am nächsten.




o-tsukaresama お疲れ様


Mit diesem Ausdruck zeigt man Mitgefühl mit Menschen, die gerade etwas Anstrengendes, Ermüdendes hinter sich haben





P

Pachinko パチンコ


Unübersehbar sind Pachinko-Spielhallen. Das sind die prächtigsten Gebäude in der Nähe der Bahnhöfe, sie verraten von außen schon, wie viel Geld damit verdient wird. Man muss nicht lange danach suchen, überall in den Städten sind sie zu finden: die langen Reihen gleichartiger Spielautomaten, in denen Metallkugeln ihren Weg zwischen Nägeln hindurch nach unten suchen (eine Erfindung aus der Nachkriegszeit) und – viel zu selten – in den Auffangvorrichtungen landen. Die öffnen dann nämlich ihre tulips genannten Klappen, was automatisch zur Ausschüttung vieler weiterer Kugeln führt. Und nur darum geht es. Man kauft sich am Eingang eine Plastikschachtel mit einer Portion Kugeln, geht zu einem freien Automaten und schüttet Kugel für Kugel in die obere Rinne (in die untere quellen – hoffentlich – die Zugabekugeln). Heute findet man nur noch die automatisch zu bedienenden Apparate. Die alten Hebelgeräte wecken höchstens noch Nostalgiegefühle. Die modernen ähneln immer mehr Video-oder Computerspielen.

Hat man – mit Glück – einen Automaten geleert, muss man zum nächsten gehen oder vorn am Eingang die Kugeln abgeben, die in einer Zählmaschine blitzschnell gezählt werden. Je nachdem, wie viele Kugeln man sich „erarbeitet“ hat, erhält man dafür billige Waren, manchmal auch Ess-und Trinkbares: Laut Gesetz dürfen weder Geld noch wertvolle Ware abgegeben werden. Der Gewinn kann in Geschäften neben der Pachinko-Halle verkauft und somit doch versilbert werden. Für manche ist Pachinko-Spielen eine Möglichkeit zum Abschalten, vielleicht gar eine Art Meditation – angesichts des Höllenlärms und Rauchgestanks in den Hallen für Außenstehende unverständlich – für viele sicher aber eine Form von Spielsucht. Das Pachinko-Business ist zu einem großen Teil in koreanischer Hand, einschließlich Nordkorea, wohin die Gewinne exportiert werden. Die →Yakuza lassen sich natürlich ebenfalls solch einen lukrativen Geschäftszweig nicht entgehen. Immerhin gibt es 10.000 Hallen.




Panko パン粉


Während unser Paniermehl verhältnismäßig fein ist, ist das aus japanischem Toastbrot (shokupan) bestehende Paniermehl gröber, flockiger. Dadurch wird die Panade deutlich knuspriger und zugleich zarter. Auch hierzulande sind schon viele Köche deshalb auf Panko umgeschwenkt.

Interessanterweise wird Panko in der Regel direkt in einem besonderen Behälter zwischen zwei Elektroden quasi elektrisch in 10 Minuten gebacken. Damit bleibt die Farbe hell, und es kommt zu keiner Krustenbildung. In Deutschland wird Panko aus Thailand und Korea preiswerter angeboten, auch in Deutschland wird es hergestellt.




Pan, パン kashi- , shoku-pan 食パン


Das Wort stammt aus dem Portugiesischen, wo es Brot bedeutet. Mit →Franz Xaver kam der Begriff wie andere (→tempura, castela-Kuchen) nach Japan. Japanisches Toastbrot (食パン shokupan) ist von ausgezeichneter Qualität. Es wird mit Mehl, Milch, ungesalzener Butter, Hefe, Yudane/Yukune (Brotmehl wird mit kochend heißem Wasser vermischt) hergestellt, die das Brot fluffiger, also luftiger und saftiger hält. Neben Yudane gibt es auch Tangzhong-Roux als Zutat.

Es wird in Minibacköfen („oven toaster“) getoastet. Gutes shoku-pan wird nicht vorgeschnitten, fertige Packungen werden mit 6 – 5 - 4 Scheiben angeboten. Je dicker, als desto leckerer werden die Scheiben empfunden, für einen Toaster müssten sie zu schmal geschnitten werden. Mit Butter bestrichen werden sie z.B. in Cafés angeboten.

Deutschland rühmt sich, das Land mit den meisten Brotsorten zu sein. Die Vielfalt an kashipan 菓子パン(süßes Brot), wie sie in Japan selbstverständlich geworden ist, kann sich hier kaum jemand vorstellen. Es ist der Sammelbegriff für eine Riesenvielfalt gefüllter oder belegter Backwaren, die in sich kleine Zwischenmahlzeiten darstellen, herzhaft oder süß, z.B. mit Wiener Würstchen, Käse, Speck, oder gefüllt mit anko (Adzukibohnenmus als anpan), Vanillecreme, Konfitüre, aber nicht wie unsere Krapfen. Wie Krapfen sieht karé-pan aus: außen knusprig mit Panko-Panade , innen Gemüsecurryfüllung; Melon-pan hat zwar nichts mit Melonen zu tun, sieht äußerlich jedoch ein wenig so aus, es ist innen weich, außen knusprig. Eine als schon nostalgisch empfundene aber immer noch angebotene Variante ist koppe-pan, die besteht aus einem weichen Hot-Dog-Brötchen, das gern mit Yakisoba-Nudeln gefüllt ist, oder mit Rührei oder mit Creme.




Patriotismus


Patriotismus ist quasi nationale Bürgerpflicht. Japaner empfinden sich als einzigartig, anderen Völkern überlegen, was auch mit der isolierten Insellage zu tun hat, aber auch ihrem Gründungsmythos, nachdem die Götter die Inseln geschaffen und die Sonnengöttin Amaterasu ihren Urenkel Jimmu (der geschichtlich nicht nachweisbar ist) auf die Erde als ersten Kaiser geschickt hat. Japan über alles, darin steckt echte Liebe zum Land, aber daneben gibt es auch den stark rechtslastigen Nationalismus, der auch Besuchern auffällt, wenn die dunkelgrauen militaristisch wirkenden Fahrzeuge mit lautstarker Marschmusik und entsprechenden Parolen durch die Straßen nahe dem Kaiserpalast fahren oder vor Bahnhöfen stehen. Dahinter stecken rechtsnationale Gruppierungen, die die Ziele der →Nippon Kaigi verfolgen und →Yakuza, die sich bekanntlich ebenfalls patriotisch geben.




Pilgerrouten 遍路


Seit alters her gibt es in Japan Pilgerrouten zu buddhistischen Tempeln, die besonders in der Edo-Zeit eine willkommene Gelegenheit waren, auf Reisen gehen zu dürfen. Am bekanntesten ist die 1200km lange, von Kûkai entwickelte Route rund um Shikoku zu 88 Tempeln (四国遍路), die analog zu unseren Jakobswegen zu Fuß, mit Rad, in Japan auch als Reisegruppe mit dem Bus oder eigenem Fahrzeug zurückgelegt werden kann. Pilger werden o-henro-san お遍路さん genannt. Sie tragen weiße Kleidung, einen konischen Strohhut, einen Pilgerstab (kongô zue 金剛杖) und sammeln die Stempel aller besuchten Tempel ...




Politik


Japan kann heute wie Deutschland als funktionierende Demokratie bezeichnen werden. Aber politisch gibt es den für eine lebendige Demokratie bisweilen notwendigen Wechsel von Parteien in der Regierung im Grunde nicht. Und in den Augen der LDP und der mit ihr verbundenen Regierungsbürokratie und der Wirtschaft ist dieser Gedanke auch absurd.

Immer bleibt die Liberal-Demokratische Partei (LDP, 自民党 Jimintō) an der Macht, vergleichbar den beiden C-Parteien bei uns. Wenn sie mal in die Opposition gezwungen wurde (1993/94 und 209-12 für eine Legislaturperiode), dann nur kurzzeitig, weil sie mit Hilfe von Überläufern wieder an die Macht kam oder weil die Neuen in der Regierung (DPJ, Democratic Party of Japan) sich selbst in ideologischen Grabenkämpfen demontierten, weil sie zu unerfahren waren, weil sie keine eingespielte Parteiorganisation im Land haben wie die LDP, weil sie nicht genug Geld für ihre ambitionierten Pläne mobilisieren konnten und weil sie von der LDP, dem Big Business, der Regierungsbürokratie, die in gewisser Weise die eigentliche Macht darstellt, den Medien bekämpft wurden, dazu auch noch von den USA. Das „Genick“ brach der DPJ geführten Regierung das schlechte Management von 03/11, dem Großen Ostasiatischen Erdbeben, insbesondere der Umgang mit dem Super-GAU von Fukushima. Dabei ist anzunehmen, dass die LDP die Katastrophe nicht besser gehandhabt hätte. In deren politische Verantwortung fällt schließlich Auswahl der Reaktorentypen (aus den USA), der Standorte für die Kernkraftanlagen und die Sicherheitsvorkehrungen im Falle von Erdbeben und Tsunamis, die sich als unzureichend herausstellte. Aber bei den nächsten Wahlen 2012 liefen die Wähler wieder mit „wehenden Fahnen“ zur LDP über.

Wenn eine Partei immer an der Regierung ist, wird sie selbstgefällig, machtgewohnt und korrupt. Aber wenn die Bevölkerung konservativ eingestellt ist wie in Japan, akzeptiert sie die Skandale, solange die Wirtschaft funktioniert, Wohlstand erhalten bleibt und das Land stabil ist. Politik wird in Japan erstaunlich wenig diskutiert. Um an der Macht zu bleiben, reicht der LDP ihre stabile Wählerbasis von 15-20%, weil die Oppositionsparteien allesamt zu schwach, zu zersplittert sind. „Keine Experimente, wählt LDP“. Echte Opposition gab es früher nur innerhalb der LDP selbst mit ihren Faktionen, aber auch das ist bereits Vergangenheit. Alternde Gesellschaften wie Japan sind von Haus aus wenig veränderungswillig. Massendemonstrationen wie in Korea sind in Japan undenkbar und verpönt.




Polizei


Die Polizei gilt als korrekt und ist in der Bevölkerung hoch angesehen. Gern werden Polizisten in ihrem Viertel mit „o-Mawari-san“ – geehrter Herr Nachbar – angeredet. Sie kontrollieren auf unaufdringliche Weise, aber sie kümmern sich auch um das Wohlergehen der Menschen. In Japan gibt es das weltweit oft beneidete System der koban (Polizeihäuschen, „police box“), kleinen Polizeiwachen in der Nachbarschaft. Häufig müssen sie lediglich beim Auffinden von Adressen helfen, was bekanntlich eine Kunst ist. Streife radeln sie häufig mit dem Fahrrad.




Pünktlichkeit


In Japan, dem Bahnland schlechthin, kann man die Uhr nach dem Fahrplan der Züge stellen, weil die Züge, insbesondere die →Shinkansen-Superexpresszüge pünktlich auf die Sekunde sind. Ein Shinkansen-Pilot darf im Jahr gerade mal zusammen addiert 9 Sekunden Verspätung einfahren! Davon ausgenommen sind von der Natur diktierte Verspätungen wie Erdbeben (wenn die Züge automatisch anhalten müssen), Überschwemmungen, nicht selbst verursachte Betriebsstörungen. Bei Nahverkehrszügen kommt es immer wieder zu Verspätungen, nicht zuletzt, wenn sich mal wieder jemand vor den Zug geworfen hat.

Wie bei uns ist Pünktlichkeit ein Wert, der sehr wichtig genommen wird. Weil nur so das fein abgestimmte Räderwerk des gesellschaftlichen Gefüges ungestört weiter läuft.




Prostitution/Pornografie


Prostitution ist bekanntlich das älteste Gewerbe der Welt. In der →Edo-Zeit gab es große Vergnügungsviertel mit Bordellen, Lokalen, Theatern, Übernachtungsmöglichkeiten, die von Mauern umgeben waren, am bekanntesten war Yoshiwara. Oiran 花魁 waren hoch angesehen (Foto einer Oiran Darstellerin).

Auch die Holländer und Chinesen, die in Nagasaki Handelsposten hatten, bekamen Prostitierte zugeschickt. Nach dem 2.Weltkrieg, als sich sehr viele amerikanische Soldaten in Japan befanden, sorgte die japanische Regierung „zur Reinhaltung der japanischen Rasse“ für genügend Nachschub an Prostituierten. Zuständig dafür war die Polizei, wie schon bei den →„comfort women“ während des Pazifischen Krieges.

Prostitution ist seit 1956 verboten, aber nur, wenn es sich dabei um „Geschlechtsverkehr mit einer nicht spezifizierten Person gegen Bezahlung“ handelt. Also wird alles angeboten, was diese Einschränkung umgeht. Selbst in den als „Soapland“ bezeichneten Bordellen (früher hießen sie türkisches Bad, bis eines zu weit ging und sich türkische Botschaft nannte) werden erst Bad und Massage angeboten, danach ist der Kunde nicht mehr unspezifiziert, und Geschlechtsverkehr ist damit nicht mehr illegal. Ansonsten bietet das fûzoku genannte Sex-Business alles an, wonach ein Bedürfnis besteht. „Fashion health (clubs)“ bieten Massagen und alles bis auf Geschlechtsverkehr. „Image Clubs“ erfüllen Phantasien wie in Sex Studios hierzulande: Arztpraxis, Büro, Klassenzimmer, Straßenbahn und das „Personal“ ist entsprechend kostümiert. „Pink salons“ spezialisieren sich auf oralen Sex, „delivery health“ ist ein Synonym für Eskortservice. Etwa 150.000 Frauen aus China, Korea, Thailand sollen in Japan als Sexarbeiterinnen tätig sein, teils freiwillig teils als Opfer von Menschenhandel, ein „Geschäftszweig“ der →Yakuza. Das Business schließt bis auf wenige gaijin, also Ausländer bewusst aus: man möchte keine Scherereien mit Personen, die sich mit dem Fûzoku-Business nicht auskennen.

Japan hat eine riesige Pornoindustrie, die vor allem in Osaka angesiedelt ist. Da gibt es sexorientierte Manga, die außerhalb Japans als „hentai“ bekannt sind, Anime, Videos, Computerspiele. Vieles wird exportiert, übersetzt.

Darstellung von Sex hat in Japan lange Tradition, insbesondere die „Shunga“ (Frühlingsbilder) genannten Holzschnitte aus der Edo-Zeit waren bei den Bürgern, Frauen wie Männern beliebt. Für die Sex-Erziehung gab es eigene Anleitungsbücher, die Shunga hatten also keine aufklärerische Funktion, sondern dienten nur dem Vergnügen der Betrachter*innen. Von Seiten der Religion gab es keine Verbote in Bezug auf Sex. Früher galten die Schreinmädchen mika sogar als Prostituierte. Gemeinsames Baden (→Badekultur) war bis zum Beginn der Meiji-Ära normal. Der Anblick von Nacktheit war also nichts Besonderes.

Das Sex-Business generiert im Jahr um die 20 Mrd. USD und steht im Gegensatz zur wachsenden Unlust an →Sex in der Gesellschaft. Mehr zum Thema




Parken


Randsteinparken über Nacht ist in japanischen Städten nicht erlaubt. Wer in Tokyo ein Auto kaufen will, muss einen Parkplatz vorweisen. Wer keinen eigenen Parkplatz vorweisen kann, muss einen mieten. Daher gibt es sehr viele kleine kommerzielle Parkplätze. Es gibt auch automatische Parkhäuser, wo die Autos automatisch per Fahrstuhl an ihren Platz gebracht werden. Auch Fahrräder müssen an größeren Bahnhöfen in die Parkgarage.





Q

Querdenker (sind in Japan verpönt)


Während Deutschland während der Corona-Pandemie unter den Querdenker-Demos leidet, sind solche in Japan undenkbar. Man geht konform mit dem, was sinnvoll ist und sich bewährt hat. Allerdings wird das Corona-Management der japanischen Regierung wie bei uns mit Recht kritisiert. Im Frühjahr 2021 waren die Zahlen für Japan erstmals schlechter als für Deutschland, mit der wichtigen Ausnahme, dass die Zahl der Toten, die an und mit Covid-19 versterben, in Japan bis heute immer deutlich geringer waren und sind als bei uns. Noch stärkeres Zögern beim Impfbeginn und unzureichende Sicherung von Impfstoff haben das Land ins Hintertreffen gebracht, aber noch kein Grund für Querdenker-Demos. Natürlich gibt es auch in Japan nicht wenige Individualisten und selbständige Denker, aber sie bleiben Außenseiter.





R

Râmen ラーメン


Wie so vieles in Japan stammen auch Râmen-Nudeln ursprünglich aus China, wurden aber erst in Japan ab dem 19.Jh. zu dem entwickelt, was heute zu dem beliebtesten Nudelgericht aus Fernost wurde. Der Begriff meint zum einen die spezifischen gelblichen Weizennudeln, die aus Mehl, Wasser, Salz und dem sogenannten Kansui (alkalischem Wasser) bestehen, letzterer bestimmt Farbe und den spezifischen Geschmack der Nudeln, die als trocken (kan-sômen), frisch (nama-men), gedämpft (mushi-men) bezeichnet werden. Entscheidend für den Geschmack des Nudelgerichts ist jedoch die Brühe, die oft durch tagelanges Auskochen von u.a. Schweineknochen, Hühnerfleisch oder getrockneten Sardinen hergestellt wird und die Art des Würzens mit Sojasoße (醤油ラーメン shoyu râmen, dunkel, klar), typisch für Tokyo; Misopaste (味噌ラーメン miso râmen, Farbe je nach Miso), typisch für Nagoya oder Salz (塩ラーメン shio râmen, hell, klar), letztere oft auf Basis von Fisch; Schweineknochen (豚骨ラーメン tonkotsu râmen, hell, cremig). Diese Variante ist besonders beliebt auf Kyûshû.

Allein in Tokyo soll es 50.000 Râmen-Lokale geben, bei Wikipedia steht 5000, das scheint jedoch zu kurz gegriffen. Gute, berühmte Lokale erkennt man an der Warteschlange vor dem Lokal. Beilagen zu Nudeln und Brühe sind von Lokal zu Lokal verschieden. Typische Zutaten sind Mungbohnen (moyashi), Spinat, Kohl, Chashû-Schweinebratenscheiben, Eier. Koreanisch beeinflusste Râmen haben meist Kimchi und Chili in der Brühe.

Instant Râmen (インスタント・ラーメン), außerhalb Japans und den USA werden andere Namen für die Instantnudeln verwendet, haben von Japan aus ab 1971 den Siegeszug um die Welt angetreten. Dort wurden sie 1958 von Momofuku Ando als chikin râmen erfunden. Weitere Informationen




Restauranttypen


Welche Restaurant- und Lokaltypen gibt es bei uns? Was bleibt übrig, wenn wir Italiener, Griechen, Chinesen, Inder, Thai, Vietnamesen abziehen? Spezielle Fischlokale gibt es natürlich an den Küsten und auf den Inseln, wohl auch in Seengebieten. Der Rest sind einfache Lokale oder gehobene Restaurants für heimische oder französisch beeinflusste Küche. Vielleicht ist das zu kurz gegriffen, aber es geht um den Kontrast.

In Japan gibt es nämlich sowohl eigene Lokale für einzelne Gerichte als auch für bestimmte Cuisine-Typen, die Rede ist dabei nur von heimischer Küche. Das Universum der Ethno-Küche Südostasiens und der verschiedenen internationalen Küchen wie authentisch Chinesisch, Indisch, Koreanisch, Thai, Vietnamesisch, Deutsch, Französisch Italienisch, Russisch, Argentinisch, Brasilianisch, Mexikanisch, Hawaiianisch, US-Amerikanisch, Australisch und was sonst noch, ist bei der folgenden Aufzählung gar nicht mit aufgeführt.

Man unterscheidet zwei bis drei Dutzend Lokaltypen. Für Anfänger empfiehlt sich erst einmal, spezialisierte Lokalketten aufzusuchen (→https//:wanderweib.de/tipps-gut-und-guenstig-essen-in-japan/). Bei Erwähnung der einzelnen Lokaltypen folgen weitere Empfehlungen.

Überall in der Nähe von Bahnhöfen gibt es Kneipen japanischer Art, die berühmt gewordenen →Izakaya. Heute überwiegen Kettenlokale, aber es gibt auch kleine, traditionelle Kneipen, erkennbar an den roten Lampions (aka chôchin). Das trifft auch zu für die unter →Büroangestellten (sararimen) nach der Arbeit gern aufgesuchten Yakitori-Lokale, in denen es preiswerte Hühnerspieße gibt. Mit der Nase findet man sie schon wegen des verführerischen Geruchs der auf Holzkohle gerillten und in geheime Soße getauchten Spieße mit allen Arten von Hühnerfleisch, gemischt mit Lauch u.a. Auch diese befinden sich stets in Bahnhofsnähe. Direkt in Bahnhöfen, häufig sogar auf Bahnsteigen gibt es Imbisse für →Soba/Udon im Stehen (tachigui). Aber es gibt auch populäre Lokale für diese Nudelgerichte, bei denen man sitzen kann, etwa Fuji Soba, Komoro Soba, mit ab 300 Yen ist man dabei. Die aus der Präfektur Kagawa auf Shikoku stammenden Sanuki Udon werden von zwei sehr populären Ketten in ganz Japan angeboten: Hanamaru Udon und Marugame Sanuki Udon. Auch hier ist man ab 320 Yen dabei. Tempurakrümel (tenkasu), frischen geriebenen Ingwer, Sesamkörner, bei Marugame auch Dashi darf man selbst nach Belieben hinzufügen. Es gibt bei beiden Ketten eine große Auswahl preiswerter Extras.

Für →Râmen-Nudeln gibt es jede Menge eigene Lokale, man rechnet mit 600-1000 Yen für eine große Schüssel Râmen. Es gibt auch jede Menge ehrgeiziger Fans, die ernsthaft diskutieren welche Lokale die besten sind. In der kombini-Kette „7-eleven“ gibt es Instant-Râmen von zwei Lokalen, die beide einen Michelin-Stern für ihre Gerichte erhalten haben. Im kombini zahlt man dafür um die 250 Yen, der Geschmack soll dem Original sehr nah kommen. Vor dem Lokal muss man erst einmal die Warteschlange hinter sich bringen, bevor man eingelassen wird.

Sushiya sind meist kleine, wie der Name sagt, auf →Sushi und →Sashimi spezialisierte Lokale, die meist relativ preiswerte Lunch-Sets anbieten, überlässt man die Wahl der Chefin/dem Chef, sollte man das Budget angeben, z.B. 3000 Yen. Sehr beliebt sind die Ketten für Fließband-Sushi, (kaiten-zushi), wo zwei Happen Nigiri-Sushi 100 Yen (oh.MwSt) kosten. Hält man sich an die Happen in dieser Preisklasse, addiert sich das bei 10 Tellern und 20 Happen zu gerade einmal 1100 Yen, Getränke wie kaltes Wasser oder heißer grüner Matcha-Tee kosten nichts extra. Beliebt sind die Ketten von Gansu, Genki, Kura, Hama und Sushiro.

Noch preiswerter sind die →Tempura-Lokale der Kette Tenya. Dort ist man ab 500 Yen dabei für fünf Teile Tempura auf Reis mit der zu jedem Menü gehörenden Miso-shiru (Suppe) und etwas eingelegtem Rettich (tsukemono). Eigene Tempura-Lokale sind erheblich teurer, besonders, wenn man ein Teil nach dem andern bestellt, aber sie haben den Vorteil, dass die Teile ganz frisch aus dem Öl auf den Teller kommen, besonders wenn die Gäste an der Theke sitzen.

Für die gefüllten Teigtaschen Gyôza gibt es ebenfalls eigene Ketten. Sie gehören zur volkstümlichen chinesischen Küche (→chûka ryôri), die sich von authentischen chinesischen Restaurants unterscheidet und als Teil der einheimischen Küche gilt. Wer außer Gyôza noch andere Gerichte der Chûka ryôri kennenlernen will, z.B. Chahan (gebratener gemischter Reis), Mâbôdôfu (麻婆豆腐 aus Szechuan stammendes beliebtes Gericht mit Hackfleisch, Tofu und der Würzpaste Tobanjan), Tan-Tan-Men und Wantan-Men (Nudeln), Gerichte nach Taiwaner Art, sogar Shabu-Shabu (→Sukiyaki), wird in Lokalen der Bamiyan-Kette fündig. →Sukiyaki selbst hat eigene Lokale, aber diese sind meist teuer. Wer es preiswert mag (ab 300 Yen), verzichtet auf Original-Sukiyaki und begnügt sich mit Rindfleisch mit Zwiebeln auf Reis mit Soße (gyûdon) in Ketten wie Yoshinoya, Sukiya, Matsuya, mit gegrilltem Fleisch bei Tokyo Chikara meshi (gegrilltes Rindfleisch auf Reis). Diese Ketten bieten daneben weitere preiswerte Gerichte. Aber das Fleisch ist kein Wagyû sondern importiert, aus Australien, Mexiko u.a.

Wer Schnitzel mag, geht in Tonkatsu-ya とんかつ屋 (Schweineschnitzel-Lokale): Ton bedeutet Schwein und katsu kommt von cutlet, japanisch: katsuretto. Katsu bedeutet auch gewinnen, hier ist es aber die Abkürzung von Kotelett, gemeint ist aber ein paniertes Schweineschnitzel auf einem Bett aus Weißkohl in feinen Streifen, übergossen mit o-sôsu, der japanischen Variante der Worcestersoße. Für ein Lunchmenü rechnet man mit um die 1000 Yen. Lokale der Katsuya-Tonkatsu-Kette bieten alle möglichen Schnitzelvariationen und als eines der populärsten Gerichte Katsu-karé (カツカレー) also Schnitzel auf Curry-Reis für 600 Yen. Dieses Gericht gibt es in →Curry-Reis-Lokalen natürlich auch.Panierte Spieße gibt es im Kushiage-ya.

Yakiniku-焼肉 Lokale könnte man auch Koreanisches BBQ nennen, da sie im Grunde darauf zurückgehen. Heute haben diese Lokale in der Regel in den Tisch eingelassene Grills, auf denen das Grillgut über Holzkohle oder Gas gegart wird. Als Dip (垂れ tare) wird gern eine Mischung aus Sojasoße, Mirin, Sake, Knoblauch, Sesam, Fruchtsaft, Zucker verwendet. An Fleisch kommt alles Mögliche auf den Grill: Rind, Schwein, Huhn, Seafood, auch Gemüse. Innereien (horumon ホルモン) ist auch häufig dabei, für das Fleisch der Rippchen ohne Knochen wird noch das koreanische Wort kalbi verwendet. Wird Hammel-/Lammfleisch verwendet, spricht man von Jingisukan, abgeleitet vom einstigen Mongolenherrscher. Auf den Grill kommt noch eine gewölbte Grillpfanne. Dieses Gericht ist mit Hokkaidô verbunden. Da man gemeinsam um den Tisch sitzt und grillt, ist diese Lokalform sehr beliebt für kleine Gruppen.

Das gilt auch für Lokale, die statt Grill eine Stahlplatte, den Teppan (鉄板) verwenden: insbesondere okonomiyaki (お好み焼き) und monjayaki (もんじゃ焼き) sind hier zu nennen. Für beides gibt es eigene Lokale, wobei ersteres mit Ôsaka und Hiroshima verbunden ist, letzteres mit Tsukishima in Tokyo. Okonomiyaki (→Yatai) wird in eigenen Lokalen heute meist von Köchen auf Teppanplatten an der Theke zubereitet und fertig an den Platz serviert, aber die Variante, das es direkt am Tisch von der Bedienung oder den Gästen zubereitet wird, gibt es ebenso. Okonomiyaki sind Pfannkuchen aus Wasser, Mehl, Ei, Weißkohl, →Dashi. Das ist aber nur die Grundlage. Dazu kommen immer noch weitere Zutaten, zur Hiroshima-Variante gehören noch Nudeln. Alle Zutaten werden in einem Topf oder Schüssel gemischt und dann mit dem Schöpfer portionsweise auf den Teppan gegeben. Auf die fertigen Pfannkuchen kommen o-sôsu, Mayonnaise und Bonitoflocken. Geteilt werden die Pfannkuchen, die fälschlicherweise auch japanische Pizza genannt werden, mit einem Spatel. Monjayaki wird praktisch immer am Tisch zubereitet, hat ähnliche Zutaten wie Okonomiyaki, ist aber flüssiger, sieht weniger attraktiv aus, schmeckt aber. Zum Abteilen und Essen benutzt man einen kleineren Spatel. Zu den auf dem Teppan zubereiteten Gerichten gehört auch Yakisoba (→Yatai), das aus Weizennudeln, Kohl, Krabben, Tintenfisch u.a. besteht und mit o-sôsu und Noriflocken bestreut wird. Teppenyaki (鉄板焼き)-Lokale sind erheblich teurer, weil auch die Zutaten, z.B. bestes in Würfel geschnittenes Wagyû (和牛) hochpreisig sind. Am besten sitzt man in diesen Lokalen an der Theke und sieht dem Chef, hier wie im Sushi-ya itamae (vor dem Küchenbrett) genannt, wie er oder sie das Messer schwingt und die Zutaten kunstvoll grillt.

Für oden おでんgibt es eigene Lokale, sie werden auch in →Yatai und →konbini angeboten. Es handelt sich um in Spezialsoße gegarte Zutaten wie Fischkäse, Eier, Kartoffeln, Rettich u. a.

Für den giftigen Kugelfisch →Fugu gibt es eigene Lokale, ebenso für Aal (unagi 鰻), in denen gern gegrillter, mit einer leckeren Soße bestrichener Aal auf Reis in Lackkästchen als (unadon) angeboten wird. Das kostet heute gern um die 4000 Yen, weil Aal seltener geworden ist und teilweise importiert werden muss. Für Eintopfgerichte (nabemono 鍋物) gibt es ebenso eigene Lokale wie für Reisgerichte, die in besonderen Eisentöpfen (kama) gegart werden und dementsprechend kamameshi 釜飯 heißen. Reis wird gemeinsam mit verschiedenen Zutaten wie Seafood, Gemüse, Sojasoße, Mirin oder Sake gegart. Zuhause geht das auch im Reiskocher und heißt dann takikomi gohan (炊き込みご飯).

Es gibt Lokale für regionale Gerichte (kyôdo ryôri, →https://www.ny.us.emb-japan.go.jp/Foods/kyodoryori/index.html). Und dann gibt es noch Lokale, in denen es viele der erwähnten Spezialitäten unter einem Dach gibt, das sind die Family Restaurants, abgekürzt famiresu ファミレス. Mehrere Restaurantketten spezialisieren sich darauf, z.B. Gusto, Royal Host, Denny´s. Die erwähnten Fließband-Sushi-Ketten entwickeln sich immer mehr zu solchen, weil sie längst nicht mehr nur Sushi anbieten sondern Pommes, Hamburger, Tempura, Desserts…

Einfache einheimische Küche wird in kantinenähnlichen Restaurants angeboten, die Shokudô (食堂) heißen, das sind denn auch Universitäts- und Firmenkantinen. Dort kauft man am Automaten ein Ticket, auf das der Name des Gerichts aufgedruckt ist. Die Auswahl ist nicht ganz einfach, aber man kann sich ja helfen lassen. Vergleichbar damit sind die Teishokuya (定食屋) in denen neben einem Hauptgericht immer Reis, Misoshiru und Tsukemono angeboten werden, teishoku Menü bedeutet.

Die hochklassigen →Ryôtei werden extra erwähnt (s.u.)




Rajio taisô ラジオ体操


Die Radiogymnastik wird seit 70 Jahren täglich um 6.30 Uhr im NHK ausgestrahlt. Sie wird auch in Schulen und Firmen durchgeführt. Es handelt sich um einen bestimmten Ablauf von Bewegungen im Stehen, die den ganzen Körper involvieren. Begleitet wird sie von Klaviermusik. Die Übungen sind nicht anstrengend und können sogar in etwas abgewandelter Form im Rollstuhl ausgeführt werden. Sie gehen in Fleisch und Blut über und sind ein Element, das alle Japaner miteinander verbindet.




Rakugo  落語


ein-Person-Theater. Auf der Bühne sitzt der Akteur in Seiza-Position. Er, heute auch zunehmend sie, trägt einen Kimono. Einziges Requisit ist ein Fächer. Der/die Rakugo-ka unterhält das Publikum mit einem humorvollen Monolog, gewürzt mit Witzen.




Rauchen


Japan war einst ein Paradies für Raucher, doch damit ist es längst vorbei. In der Öffentlichkeit ist Rauchen inzwischen verboten, das geht nur noch an ausgewiesenen als Smoking Area gekennzeichneten Stellen, generell nicht auf Bahnsteigen und in Zügen (es gibt Apps wie „Public Ashtray“, die einen zu den Raucherplätzen führen). Erst mit 20 Jahren, also mit dem legalen Erwachsenwerden, ist Rauchen erlaubt, genau wie Alkohol. In Tokyo wurde im Vorfeld der Olympischen Spiele in Angleichung an internationale Tendenzen das Rauchen in Bars und Restaurants seit 2020 ganz verboten, anderswo fallen die Hälfte der Bars und Lokale unter das Rauchverbot. In Hotels kann man nach wie vor Raucherzimmer buchen. Zigaretten kosten heute wie bei uns das Doppelte wie noch vor – sagen wir – zwei Jahrzehnten. Aber sie sind preiswerter als hier.




Reinheit


ist ein extrem wichtiges Bedürfnis der Japaner und ein Grundkonzept im →Shintô. Es gibt zahlreiche Reinigungsrituale, eines ist das meist mehrfache Durchschreiten eines "Kranzes" im Schrein, auch das Reinigen von Mund und Händen vor dem Gebet.




Reis ご飯米


In Japan gibt eine große Zahl regionaler Reissorten, die teilweise sehr hohes Prestige haben, wie der koshihikari aus Niigata. Es gibt zwei Grundarten: normaler Reis uruchimai und Klebreis mochigome, letzterer wird, wie der Name besagt, für die Reiskugeln mochi verwendet. Japanischer Reis ist der teuerste der Welt, das liegt daran, dass die Regierungspartei LDP im Rahmen ihrer Klientelpolitik die Bauern besonders subventioniert, um sie als Wähler und Landwirte bei der Stange zu halten, letztlich auch, um zu gewährleisten, dass Japan in der Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten weitgehend autark bleibt.




Reiwa (seit 1.05.2019-) 令和


Am 1.Mai 2019 bestieg Kronprinz Naruhito als 127. Tennô den Chrysanthementhron, weil sein Vater, Kaiser Akihito bzw. der Heisei-Tennô (→Heisei), aus gesundheitlichen und Altersgründen die Regierung einige Jahre zuvor um Abdankung gebeten hatte, was ihm nach einigem Zögern und Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes schließlich gestattet wurde. Das Regentschaftsmotto Reiwa leitet sich erstmals nicht aus klassischen chinesischen Gedichten sondern japanischen ab, was ganz im Sinne des nationalistisch eingestellten damaligen Premierministers Abe Shinzô war.

Leider hat die Corona-Pandemie die ersten Jahre von Reiwa gründlich „verdorben“. Der Geburtstag des Tennô ist der 23.Februar. Normalerweise zeigt sich der Tennô mit seiner Familie dem Volk an seinem Geburtstag. Das war ihm nur am 2.Januar 2020 möglich, jedoch noch an keinem Geburtstag. Auch sonst hält er sich sehr zurück.




Religion


„Religion“ als abstrakter Begriff wurde erst in der Meiji-Zeit mit der erzwungenen Öffnung zur Außenwelt eingeführt. Davor gab es keine Notwendigkeit dafür. Auch gibt es keine Kirchensteuer, kein Fach Religion in der Schule, keine religiösen Feiertage. Die wurden aber erst mit der von den Amerikanern diktierten Nachkriegsverfassung abgeschafft und gegen neue ausgetauscht (→Feiertage). Wenn sich städtische Japaner heute auch kaum als religiös bezeichnen, besuchen sie doch gern Schreine und Tempel als Kraftorte und zu besonderen Gelegenheiten wie Geburt, Hochzeit (Shintô), Toten- und Totengedenkfeiern (Buddhismus). Auf dem Land hat Religion, in erster Linie →Shintô und →Buddhismus noch einen wesentlich stärkeren Platz im Leben der Menschen. Pilgerfahrten waren in der →Edo-Zeit eine der wenigen Gelegenheiten, auf Reisen zu gehen. Auch heute noch sind sie wie bei uns die Jakobswege sehr beliebt.

Eine sehr gute Einführung bietet das digitale Handbuch „Religion in Japan“




Religiosität


Japaner sind pragmatisch und diesseitsbezogen. Religiös motivierte Rituale und Handlungen sollen den „Gläubigen“ Nutzen im Diesseits bringen (genze riyaku genannt, →Abwehrzauber und Glücksbringer). Der Glaube an Wiedergeburt und das Paradies im Jenseits spielen im Denken und Handeln der meisten Menschen keine Rolle. Die meisten Städter werden auf Fragen, die von Ausländern aber nicht von Japanern gestellt werden, nämlich, welcher Religion sie angehören, antworten: keiner. Oder sie sagen Buddhismus und Shintoismus. Neugeborene werden im Schrein vorgestellt, geheiratet wird zunehmend in der Kirche, die oft nur Dekoration ist einschließlich der Priester, die keine sind, Totenfeiern, Beerdigungen werden buddhistisch durchgeführt.

1. Unterschiedliche religiöse Traditionen ergänzen sich.

2. Die Natur gilt als von kami belebt. Diese werden verehrt, um sie „gutmütig“ zu stimmen.

3. Verstorbene Familienangehörige haben religiösen Bezug, man bittet sie um Beistand für die Lebenden, sie gelten je nach religiöser Grundhaltung als Buddha (hotoke-sama) bzw. kami

4. Reinigung ist ein Grundelement japanischer Religiosität, besonders im Shintô.

5. Jährlich wiederkehrende Feste (→matsuri) bilden den Höhepunkt im Jahr von Schreinen und Tempeln.

6. Religiöse Praktiken wie tägliche Opfer vor Hausaltar/-schrein, Besuche von Schreinen und Tempeln gehören zum Alltag als Bestandteil der Alltagsrituale.

7. Religiöse Autorität steht nicht über weltlicher Autorität.




Respekt


Respekt bringt man Ranghöheren und Älteren gegenüber entgegen. Es gibt eine eigene Sprache, wie man respektvoll solche Personen anredet. Fragt man unter guten männlichen Freunden etwa: Uchiyama iru? Ist Herr Uchiyama da? Müsste es höflich so heißen: Uchiyama sensei irrasshai masu ka? Ist Prof. Uchiyama da? Auch Tiefe der Verbeugung, Geschenke u.a. folgen bestimmten Regeln.




Ryōtei 料亭


Solche Restaurants sehen idealerweise wie elegante traditionelle Wohnhäuser aus. In Tokyo nennen sich auch in normalen Geschäftshäusern untergebrachte Restaurants so. Dann sollte wenigstens die Qualität der Speisen angemessen sein. Üblicherweise wird man von einem Stammgast in ein Ryôtei eingeführt, wird sonst gar nicht eingelassen, erst recht nicht als Ausländer. Die in kostbare Kimonos gekleidete Bedienung wird nakai-san genannt und führt die Gäste vom Wartebereich an den Platz. Wie in einem Ryokan gehört meist ein japanischer Garten zum Grundstück. In solch ein Ryôtei einmal eingeladen zu werden, ist mit Sicherheit ein Höhepunkt einer Japan-Reise. Im →Ryokan hat man ein vergleichbares Erlebnis, noch verstärkt durch heiße Bäder und die Übernachtung auf Tatamimatten in Futonbetten. Die Cuisine der Wahl ist →Kaiseki-Ryôri. Man muss mit über 10.000 Yen pro Person rechnen.




Rettich


Rettich (大根 Daikon) ist das das am meisten angebaute und verzehrte Gemüse in Japan. Während er bei uns fast nur als Bierrettich genossen wird, wird er dort gerieben (daikon oroshi), für o-den in Soße gekocht, für Salat in Scheiben geschnitten und eingelegt; auch das Grünzeug wird gern als Gemüse gedünstet gegessen. Auch ist er ganzjährig erhältlich. Eingelegter Daikon heißt takuan




Rituale


Bekanntlich gelten Japaner als konformistisch. Es gibt klar bestimmte und allgemein akzeptierte Verhaltensformen, die genau zu beachten, von allen erwartet werden. Dazu gehören die Begrüßungsrituale, die Rituale bei öffentlicher Entschuldigung, Kommunikationsfloskeln, Verhalten auf Hochzeiten und bei Trauerfeiern, Verhalten in Schreinen und Tempeln. Das Leben ist voll von kleinen, meist automatisierten Alltagsritualen.




Rolltreppen (Verhalten auf ~)


Interessanterweise gibt es keine allgemeine Norm, wie man sich auf der Rolltreppe korrekt verhalten soll, wenn man nicht geht sondern stehenbleibt, obwohl doch im ganzen Land Linksverkehr gilt:

In Tokyo steht man links und geht rechts, umgekehrt verhält man sich in Osaka. Ein witziger, aber wohl ernst gemeinter Erklärungsversuch: Die Samurai in Edo trugen ihr Schwert links und mussten es mit der rechten Hand ziehen; die Kaufleute in Osaka trugen den Geldbeutel rechts und wollten die rechte Seite auf engen Wegen schützen.




Ryokan 旅館


In Japan ist ein traditionelles Gasthaus ein Ryokan. Im Wort steckt das Kanji 旅 (tabi), das Reise bedeutet. Ryokan waren also zunächst Reisegasthäuser. Heute versteht man darunter elegante Gasthäuser mit ein bis zwei Etagen, mit japanisch eingerichteten Zimmern, also mit Tatamimatten, Futon-Betten, niedrigem Tisch und Sitzkissen, Tokonoma (Nische für Rollbilder, Blumengestecke u.a.), mit →Washi beklebte Schiebetüren für Wandschränke, Fenster mit Papier oder Milchglasscheiben, Garten, Thermalbad oder großem →Bad (sentô) für gemeinschaftliche Benutzung. Serviert werden Speisen nach Art der →Kaiseki-Ryôri. Jeder Gast findet im Zimmer unisex Yukata und Überjacke vor; damit gehen die Gäste nach dem Abendessen gern noch im Ort spazieren.

Der Preis für eine Übernachtung liegt in der Regel bei über 10.000 Yen und versteht sich pro Person. Wegen der Flexibilität des Übernachtens auf Tatamimatten gibt es auch keine Unterteilung nach Einzel-, Doppel- oder Dreierzimmer. Kommt man zu spät, kann man um Übernachtung ohne Mahlzeiten bitten (素泊まりsudomari). Die kostet dann 4-5000 Yen. Ryokan haben durchschnittlich nur etwas mehr als ein Dutzend Zimmer und sind häufig in Familienbesitz. Daher nimmt ihre Zahl langsam ab, weil oft kein Nachfolger gefunden wird, man zählt heute noch etwa 60-70.000 Ryokan. Eine Übernachtung in einem traditionellen Ryokan kann einer der Höhepunkte einer Japan-Reise sein.

Da das Wort Ryokan auch Hotels und andere Unterkünfte mit einbeziehen darf, gibt es in Städten sehr einfache Absteigen mit schmucklosen Zimmern im japanischen Stil mit kleinen gemeinschaftlich zu benutzenden o-furô oder sentô, ohne Mahlzeiten und sonstigen Service, die ebenfalls Ryokan heißen..





S

Sashimi 刺身


Scheiben von absolut frischem rohem Fisch gehen in Sushi-ya-Lokalen häufig den Sushi-Happen voraus. Dort werden sie gern in 6er-Reihenfolge serviert: rot, weiß, blau, gekocht, weich, fest, knackig. Es werden fast nur Fisch und Meeresfrüchte aus dem Meer verwendet. Mit Ausnahme von Ayu haben die meisten Süßwasserfische Parasiten. Serviert wird Sashimi mit Rettichfäden, Chisoblättern, eingelegten Ingwerscheiben, Sojasoße, Wasabi. Im Lokal bestellt eine einzelne Person meist „ichi-nin-mae“ (für eine Person).

In Supermärkten werden Sashimi-Sets ebenso wie Sushi-Sets regelmäßig angeboten und zuhause gegessen.




Sadô 茶道 cha-no-yu 茶の湯 (Teezeremonie)   和敬清寂, わけいせいじゃく


Tee (→o-cha) kam mit dem Buddhismus im 8.Jh. aus China nach Japan, wurde zunächst als Medizin getrunken. Im Verlauf der Jahrhunderte entwickelte sich das Trinken des kostbaren Tees zu einem Ritual. Als Vater der Teezeremonie gilt der Abt Shogu, der im 15.Jh. gemeinsam mit seinem Herrn, dem Shôgun Ashikaga Yoshimasa im Ginkakuji (Silberpavillon) in Kyôto die Regeln für die Teezeremonie entwickelte, auch die Größe des Teezimmers (cha-shitsu) festlegte und sich Gedanken über die Gerätschaften machte. Toyotomi Hideyoshi, der zweite der drei Reichseiniger (→Sengoku-Jidai) war ein großer Anhänger und Förderer der Teezeremonie, neigte aber zu luxuriöser Übertreibung. So wollte er ein Teehaus aus Gold anfertigen lassen, was seinen langjährigen Freund, den großen Teemeister Sen-no-Rikyu sehr erzürnte. Im Herbst 1587 lud Hideyoshi alle Menschen in Japan, die kommen wollten und ihre eigenen Teeutensilien mitbrachten, zur größten Tee-Party (dai cha-kai) aller Zeiten ein, an der mehrere tausend Anhänger in Zelten neun Tage lang die Kunst des Sadô zelebrierten.

Die heute noch gültigen Regeln wurden bereits 1564 von Sen-no-Rikyu schriftlich festgelegt. Der Einfluss des Zen ist so groß, dass sadô mit Zen gleichgesetzt wird. Das Christentum hatte ebenfalls einen kleinen Einfluss: der niedrige Eingang, der zum Bücken zwingt, soll darauf zurückzuführen sein. Sen-no-Rikyu wurde das Opfer einer Intrige. Jemand hatte Hideyoshi zugeflüstert, der Meister plane eine Revolte gegen ihn, woraufhin der Feldherr ihn zur Selbsttötung durch →Seppuku verurteilte und zu spät die Intrige durchschaute. Die heute bekanntesten Schulen für Teezeremonie leiten sich alle von Sen-no-Rikyu ab und heißen Omote-, Ura- und Mushakôji-Senke (Sen-ke = Sen-Familie). Im Englischen Garten in München steht ein Teehaus der Urasenke-Schule. Vier Prinzipien des Teeweges nach Sen-no Rikyû: 和 (わ wa) Harmonie 敬(けい kei) Ehrfurcht清(せい sei) Reinheit寂 (じゃく jaku) Stille. Zum Ablauf einer Teezeremonie Anleitung zum Selbermachen




Saké, o- お酒


In Japan versteht man unter dem →Kanji 酒 allgemein Alkohol, meint man Sake, sagt man Nihon-shu (日本酒). Der Begriff Reiswein hat sich außerhalb Japans eingebürgert, aber Sake wird eher wie Bier gebraut, und zwar aus poliertem gedämpftem Reis, als koji bezeichneter gemalzter Reisehefe und Wasser. Der Gärprozess dauert gut drei Wochen. Aus 60kg Reis erhält man hundert 1,8l-Flaschen Sake. Der Alkoholgehalt beträgt 15-20%. Es gibt unterschiedliche Qualitätsstufen für hochwertigen Sake, drei Qualitätsstufen für normalen Sake (普通酒 futsûshu): tokkyû (Sonderklasse), ikkyû (1.Klasse) und nikyû (2.Klasse) sowie drei Geschmacksstufen: amakuchi (lieblich), chûôkuchi (halbtrocken) und karakuchi (trocken). Das Maß für Flaschen beruht auf dem traditionellen Hohlmaß koku (石) Das war die Menge an ungekochten Reiskörnern, die ein Erwachsener im Jahr verzehrte. Umgerechnet sind das 180 Liter. Ein shô ist der hundertste Teil von einem koku, also 1,8l. Eine große Sake-Flasche wird denn auch i´-shô-bin genannt. Üblicherweise wird Sake in kleinen, vasenähnlichen Fläschchen (tokkuri) serviert. Man bestellt ihn warm (nurukan, 40°C) oder atsukan (55°C). Zuhause kann man ihn statt im Wasserbad auch in der Mikrowelle erhitzen: eine Minute bei 600 Watt. Sake-Kenner trinken hochwertigen Sake jedoch am liebsten kalt. Im Ausland, angefangen von den USA, gibt es bereits eigene Sake-Bars und –Sommeliers.

Rituell wird Sake bei der Eheschließung nach Shintô-Ritus getrunken (3x3 Schälchen Sake), auch wird Sake gern an Schreine gestiftet (s.Foto). Dort sieht man die in Stroh verpackten Holzfässer häufig. Sie werden auch für Neujahrspartys und Firmeneröffnungen gespendet. Weitere Einzelheiten

Übrigens sagt man auch zu Lachs sake (鮭), will man sicher gehen, sagt man shake, aber Lachs bekommt nie ein o-, ansonsten ist auch サーモン (von salmon) gebräuchlich.




Sakura 桜


Kirschbüten sind ein bedeutendes Symbol Japans. Die Sakura-Bäume tragen keine Früchte im Gegensatz zu den sakuranbo. Die Blüten erscheinen bei den beliebtesten Arten vor den Blättern, damit wirken die Baumkronen bei voller Blüte (mankai) wie rosa Blütenwolken. Es gibt 600 Arten von wild wachsenden Sakura. Beliebt sind die Bergkirschen (yamazakura) von Yoshjino, die von Kawazu blühen als erste (das Kawazu Sakura Matsuri 河津桜祭りfindet auf der Izu-Halbinsel bereits von Anfang Februar bis Anfang März statt).

Das Voranschreiten der Kirschblüte wird täglich in den Nachrichten vermeldet. Ende März erreichen sie Tokyo, Sapporo erst Anfang Mai. Da die Blüten nur etwa eine Woche am Baum bleiben – Regen und Wind können den Zeitraum noch verkürzen – sind sie ein Symbol der Samurai, die in der Blüte des Lebens im Kampf fallen.Generell gelten sie als Symbol für Schönheit und Vergänglichkeit (→mono no aware).




Samurai 侍


Möchte-gern-Samurai im Fotostudio

Angehörige des Kriegeradels, der mit Ende der Feudalzeit, also mit Beginn der Meiji-Zeit 1868 abgeschafft wurde. Die Bezeichnung Samurai ist in Japan selbst nicht üblich, dort bevorzugt man →Bushi. Fußsoldaten (足軽ashigaru) sind keine Samurai, sie rekrutierten sich meist aus der Bauernschaft. Herrenlose Samurai werden Rônin (浪人) genannt, wörtlich bedeutet das Wellenmensch, weil Rônin umherwandern mussten, bis sie einen neuen Herrn fanden. Das konnte geschehen, wenn der Krieger bei seinem Herrn in Ungnade fiel, dieser starb oder vom Shogûn seines Titels (Daimyô) und Landes beraubt wurde.

So bezeichnet man auch Möchte-gern-Studenten, die das Eintrittsexamen nicht bestanden haben und danach noch ein Jahr anhängen, um es beim nächsten Mal erneut zu versuchen.




Sanshin 三線


die Okinawa-→Shamisen, eine Art Banjo mit drei Saiten, bespannt mit Schlangenhaut →Shamisen




Sansuiga 山水画


Wörtlich: Berg-Wasser-Bilder, allgemein: Landschaftsmalerei




Sarariman サラリーマン (Firmenangestellte)


So nennt man in Anlehnung an das pseudoenglische englische Wort salary man (Angestellter) in erster Linie die festen Angestellten größerer Firmen. Für die höheren Angestellten prestigereicher Firmen hat sich auch der Begriff business man ビジネスマンeingebürgert, Frauen nennt man career woman キャリアウーマン→Frauen im Beruf.

Obwohl die Regierung wegen der gerade in Japan drohenden Überalterung der Gesellschaft darauf drängt, den Renteneintritt aus denselben Gründen wie bei uns hinaus zu schieben, versetzen viele Firmen ihre Angestellten immer noch mit bereits 55 in den Ruhestand: weil das Gehalt mit dem Alter steigt und die älteren Angestellten die Firma auf Dauer zu teuer zu stehen kommen.




Satori 悟り(Erleuchtung, Ausschalten des Intellekts)→Zen-Buddhismus





Schamanismus (itako イタコ vom Osorezan)


Schamanismus ist Bestanteil aller animistischen Volksreligionen. In Japan ist er durch das Verbot von Schmanismus in Shintô-Schreinen jedoch selten geworden. Die bekannteste Gelegenheit, blinde Schamaninnen (itako im Dialekt von Aomori) zu treffen und über sie Kontakt zu verstorbenen Familienmitgliedern aufzunehmen, ist jedes Jahr vom 20.-24. Juli am Kratersee des Vulkans Osorezan an der Spitze der Shimokita-Halbinsel gegeben. Sie sitzen in Zelten und vollziehen das Ritual des kuchiyose (口寄せ), die Herbeirufung durch den Mund. Die Itako treten dadurch in Kontakt mit den Geistern bzw. kami der Verstorbenen, auch der Seelen von Lebenden, die ihren Körper verlassen haben (ikiryô) nehmen sie in ihrem Mund auf und geben ihnen so eine Stimme.

Einzelheiten zu Schamanismus in Japan




Schlepper


Schlepper sind in Japan nicht aufdringlich, es gibt sie vor allem in Vergnügungsvierteln, wo etwa junge Frauen bei jedem Wetter vor Etablissements auf der Straße stehen und Handzettel verteilen. Allerdings werden ausländische Männer meist nicht beachtet (→Prostitution)

Auch z.B. in der Teenagergasse Takeshita-dôri in Tokyo gibt es ggf. „Verkaufsgehilfen“, die man als Schlepper bezeichnen kann. Sie locken potenzielle Kunden in Geschäfte, in denen es Kopien, etwa von DocMartin-Stiefeln gibt, die sich dann jedoch als „fakes“ herausstellen. Ansonsten gibt es Schlepperinnen in normalen Bars, in die man als Ausländer kommt. Es kommt zum Gespräch, vielleicht zum kleinen Flirt, dann schlagen die jungen Frauen vor, als nächstes in eine von ihnen empfohlene, aber wie sich dann herausstellt, deutlich überteuerte, Bar zu gehen.




Schönheitsideal


Schon seit der →Heian-Zeit gelten rote Lippen und weiße Haut als Schönheitsideal der Frauen, dazu langes, gerades Haar. Dazu gibt es eine interessante Bachelor-Arbeit von Laufey Magnúsdóttir, die das Thema ausführlich behandelt als Pdf-Datei




Schrein 神社


Shintô-Schreine stehen an den schönsten Orten der Natur, am Meer, unter Wasserfällen, am Fuß von Vulkanen, auf den Gipfeln der Berge (wo bei uns Gipfelkreuze stehen). Die meisten Schreine sind sehr alt, nicht selten 1500 Jahre und älter. Die Gebäude dagegen sind nie so alt. Die traditionelle Architektur sieht man am besten am Großen Schrein von Ise, der alle 20 Jahre zerlegt und nebenan im selben Stil neu aufgebaut wird, und das seit angeblich 2000 Jahren.

Seit der Abtrennung der Shintô-Schreine nach dem Ende des 2.Weltkireges auf Druck der amerikanischen Besatzer sind diese privatisiert und werden nicht mehr von den Gemeinden und vom Staat unterhalten. Da es keine Religionssteuer in Japan gibt, müssen sie sich also wie kleinere oder größere Unternehmen organisieren und präsentieren sich gern als „power spots“, Kraftzentren, die für bestimmte Anliegen besonders „erfolgreich“ sind, sei es Lotterien, Schwangerschaft, leichte Geburt, Ehepartner, Examen, Job, Genesung von Krankheit, kurz: für alle möglichen besonderen Bedürfnisse im Leben der Menschen.

Größere Schreine werden von Priestern geführt (→Shintô). Sie tragen weiße Gewänder mit hohen Hüten und eine Art Zepter, die bewusst an den kaiserlichen Hofstaat erinnern. Ihnen zur Seite stehen die als miko 巫女bekannten Schreinmädchen, bekleidet mit weißem kosode (Vorläufer des Kimono) und rotem Hakama, einem traditionellen Hosenrock. Das lange Haar wird durch rote und weiße Schleifen zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Priester ( kanushi) und miko vollziehen shintoistische Rituale, häufig geht es um rituelle Reinigung, miko führen Kagura-Tänze auf.

Gottesdienst im abendländischen Sinne findet nicht statt (s.u.). Man betritt nach der Reinigung von Mund und Händen am Brunnen im Gegensatz zu buddhistischen Tempeln für seine Ehrerbietung oder das Gebet nie das Schreingebäude, sondern bleibt vor der Gebetshalle stehen. Diese ist besonderen Zeremonien (s.o.) vorbehalten. Über dem Eingang in die Gebetshalle hängt häufig ein →shimenawa

Üblicher Gottesdienst (o-mairi):

Am →Torii, der die profane Welt vom heiligen Bezirk des Schreins abgrenzt, verbeugt man sich beim Betreten und Verlassen des Schreingeländes. Man soll den Torii an den Seiten durchschreiten, nicht in der Mitte (die für die kami reserviert ist). Dann geht man zum Reinigungsbrunnen (chozuya), gießt mit der Kelle etwas Wasser auf die linke Hand, spült den Mund aus, nimmt die Kelle dann in die linke Hand und gießt etwas Wasser über die rechte Hand (Frage: ist die Prozedur für Linkshänder gleich?), spuckt das Wasser vor dem Becken aus und geht dann zur Gebetshalle (haiden 拝殿), die vor dem eigentlichen Heiligtum (honden本殿) steht. Niemals berührt man verständlicherweise mit dem Mund die Kelle.

Man wirft üblicherweise eine 5-Yen-Münze in den Opferkasten. Dann macht man den oder die kami auf sich aufmerksam, indem man an einer großen Schelle zieht, verbeugt sich und klatscht je zweimal in die Hände, verharrt dann zu einem kurzen Gebet oder zur Ehrerbietung und verbeugt sich zum Schluss noch einmal. Auf Japanisch heißt die Formel: ni rei ni haku ichi rei (二礼二拍一礼).

In den größeren Schreinen kann man Amulette kaufen (das gilt auch für die buddhistischen Tempel) (→Abwehrzauber und Glücksbringer) oder man besorgt sich eine hölzerne Votivtafel (ema) mit dem Bild eines Schutz-kami o. Ä. und schreibt auf die Rückseite den geäußerten Wunsch. Wahrsagezettel (o-mikuji) verheißen mehr oder weniger Glück (kichi, chû-, dai-kichi) oder Unglück (kyo), in beiden Fällen bindet man sie zur Erfüllung oder Abwehr von Unglück an einen Zweig oder dafür vorgesehenes Drahtgestell.

Beliebt geworden ist auch das Sammeln von Stempeln (goshuin) in wie ein Leporello gefalteten Büchern (go-shuin-chō).

Neben Torii kennzeichnen der Reinigungsbrunnen, Laternen und eine Art Löwen neben dem Aufgang Schreine. Die traditionelle Schrein-Architektur ist rein japanisch, die von buddhistischen Tempeln wurde aus China eingeführt. Allerdings vermischte sich die Architektur von Schreinen und Tempeln im Verlaufe der Jahrhunderte.




Schulsystem


Ab der Meiji-Ära orientierte sich Japan am deutschen Schulsystem, nach dem verlorenen 2.Weltkrieg wurde das amerikanische 6-3-3-4 System (s.u.) übernommen. Es gibt staatliche, städtische, private, freie und konfessionell-gebundene Erziehungseinrichtungen.

Vorschulsystem: Kinderkrippen (hoiku-en) nehmen Säuglinge ab 2 Monaten auf, Kindergärten (yôchi-en) Kleinkinder ab 3 Jahren; dort lernen sie u.a. die Silbenschrift hiragana und können damit bereits Kinderbücher lesen. Für die Aufnahme in prestigereiche Kindergärten gibt es bereits Aufnahmeprüfungen, dabei werden auch die Eltern beurteilt. Da Vorschule nicht der Schulpflicht unterliegt, sind Kinderkrippen und-gärten kostenpflichtig, dennoch werden sie von 90% der Kinder besucht.

Die Schulpflicht beträgt 9 Jahre und umfasst 6 Jahre Grund- (shogakko 小学校) ab 6 Jahren und 3 Jahre Mittelschule (chûgakko 中学校) ab 12 Jahren. Der Unterricht ist kostenfrei. 99% der Schulkinder besuchen eine öffentliche Grundschule. Auch Mittelschulen sind überwiegend öffentlich. Schuluniformen sind üblich und ersparen Eltern und Schüler*innen die Frage: „Was soll ich heute anziehen?!“ Jede Schule hat eigene Uniformen, manche haben mehr Prestige als andere, sodass nicht wenige Schüler auch in der Freizeit stolz ihre Uniform tragen. Sitzenbleiben ist in Japan nicht üblich. In Clubs nach dem Unterricht bzw. den Ferien gibt es notfalls Kurse zur Verbesserung der Leistungen in einzelnen Fächern. Es müssen etwa 2000 Kanji (sino-japanische Schriftzeichen) gelernt werden, dazu mehrere tausend Kombinationen von zwei und mehr Zeichen, ohne die man keine Zeitung lesen kann. Vorteil ist ein gutes visuelles Gedächtnis.

Schulfächer in der Grundschule sind Japanisch, Mathematik, Kalligrafie (→shodô), Sozialkunde, Geschichte, Naturwissenschaft, Geografie, Musik, Hauswirtschaft und Sport. In der Mittelschule kommen Englisch und Ethikunterricht hinzu (es gibt kein Fach Religion)

Oberschulen (kôtôgakkô 高等学校,abgekürzt: kôkô 高校) verlangen eine Aufnahmeprüfung und sind nicht mehr kostenfrei. Dennoch absolvieren 97% der Schüler die „senior high school“. Sie sind in gewisser Weise eine Vorbereitungsschule für das College oder die Universität. Der Anteil an privaten Oberschulen beträgt etwa 25%. Es gibt keine Abschlussprüfung, also auch kein Abitur. Dafür entscheidet der Erfolg in Aufnahmeprüfungen für Universitäten, an welcher Universität jemand studieren kann, und da gibt es gewaltige Unterschiede, weshalb man in Japan nicht fragt: „was hast Du studiert“, sondern: „wo hast du studiert?“

Unterricht:

Das Schuljahr beginnt wie das Geschäfts- und Finanzjahr am 1.April. Es besteht aus Trimestern mit 4 Wochen Sommer-, 2 Wochen Winter- (Jahresende/Neujahr) und 2 Wochen Frühjahrsferien (vor dem nächsten Schuljahr. Die Ferien sind einheitlich und nicht nach Präfekturen gestaffelt.

Unterricht ist an 5 Tagen von Montag bis Freitag, gelegentlich auch samstags, von 8.15 – 15.30 Uhr. Die ersten 15 Minuten sind für die wöchentliche Schulversammlung bzw. den „home room“ in der Klasse reserviert. Dieser dient dem Ansprechen von Problemen und anderen Angelegenheiten. Danach folgen die ersten vier Unterrichtseinheiten ab 8.30 Uhr zu 50 Minuten mit je 10 Minuten Pause. Mittag ist von 12.30-13.30. Dabei helfen sie Schüler beim Austeilen und Aufräumen. Die Klassenlehrer essen gemeinsam mit den Schülern. Die Mahlzeiten sollen gesund, nahr- und schmackhaft sein und werden von professionellem Personal zubereitet. Klassenräume und Flure werden von den Schüler*innen selbst gereinigt, das stärkt ein Gefühl der Zugehörigkeit, Loyalität und Kameradschaft.

Nach dem Unterricht, auch an Wochenenden und Feiertagen, gibt es unterschiedliche Angebote in Form von Clubs: z.B. Gitarre und andere Instrumente, Kunst, Kalligrafie (→shodô), Teezeremonie (→sadô), →Ikebana/Kadô, Theater, Chor, Bläserband (brass band), im Sport Baseball, Basketball, Fußball, →Judô, →Kendô, Leichtathletik, Schwimmen, Softball, Volleyball; es gibt auch Clubs zur Vertiefung von Schulfächern. Der Vorteil ist, dass Eltern sich nicht wie bei uns als gestresste Chauffeure der Kinder und Jugendlichen zu den verschiedenen Freizeitaktivitäten betätigen müssen und dass befreundete Klassenkamerad*innen gemeinsame Clubaktivitäten kostenlos mitmachen können.

Neben den Schulfächern wird in den ersten drei Schuljahren Wert auf Charakterbildung, gutes Benehmen Respekt für Mitmenschen und Natur gelegt. Damit übernehmen die Lehrer eindeutig Erziehungsaufgaben. Da es um das Kollektiv und nicht um Individualität geht, ist das auch im Sinne der Eltern.




Schwert 刀


Japanische Schwerter (日本刀 nihontô) wurden in der heutigen Form ab der Kamakura-Zeit (1185-1333) geschmiedet. Die bekannteste Form ist das Langschwert katana (刀) mit über 60 cm langer, leicht gebogener einseitiger Klinge und langem Griff für zweihändige Benutzung. Sie werden sehr aufwendig geschmiedet und poliert. Japanische Schwerter gelten als die besten der Welt und sind sehr wertvoll. Obwohl sie heute im Grunde nur noch Dekoration sind, werden sie noch genauso scharf geschmiedet wie früher, weil die Meister sich schämen würden, stumpfe, nutzlose Schwerter herzustellen. Interessanterweiser sind 80% der Besucher von Schwertmuseen in Japan Frauen, für sie wurde der Begriff tôkenjoshi 刀剣女子geprägt. Ganz genau studieren sie die Objekte, sogar mit dem Fernglas aus einen Meter Entfernung. Einzelheiten und




Studium


Da das Prestige von Universitäten mitentscheidend ist für Aufnahmen in Behörden, Konzerne u.a. und damit beruflichen Erfolg, machen die Eltern, insbesondere die für die Erziehung der Kinder zuständigen Mütter (kyoiku mama) viel Druck auf ihre Kinder und geben viel Geld für Vorbereitungsschulen (juku) und evtl. private Schulen aus, damit die Chancen auf eine erfolgreiche Prüfung an der erträumten Universität möglichst hoch sind. Es geht um das Hineinstopfen von Paukwissen für die Mehrfachwahlaufgaben der Prüfungen. Das Studium dauert als Kurzstudium 2-3, als Vollstudium 4 Jahre, daran schließen sich bei Bedarf Masterstudium (2 Jahre) und Doktorat (4 Jahre) an.

Wer die Prüfung geschafft hat, kann die ersten Jahre genießen und Freundschaften in den Clubs der Universitäten schließen. Freundschaften aus Schul- und Uni-Tagen halten oft das ganze Leben, allerdings sind die Beziehungen durch das kôhai-sempai-System bestimmt (→Hierarchie). Wer die Prüfung beim ersten Mal nicht geschafft hat, versucht es im folgenden Jahr häufig noch einmal und wird wie herrenlose Samurai Rônin genannt und besucht evtl. sogar Pauk-Internate zur besseren Vorbereitung oder begnügt sich mit einer weniger angesehenen Universität. Aus diesem Grunde nehmen viele Aspiranten an den Prüfungen für mehrere Universitäten teil.

Nach dem Studium (Examen sind nur eine formelle Angelegenheit) erfolgt die Bewerbung und Aufnahmeprüfung z.B. in die gewünschte Firma. Dafür muss nochmals eine Aufnahme- und Auswahlprüfung bestanden werden. Die Firmen legen Wert darauf, ihre Angestellten von der Pike auf nach deren eigenen Erfordernissen auszubilden.

Da das konfuzianische Wertesystem Wissen hoch schätzt, sind Menschen in Ostasien im Durchschnitt darin besser als im Westen, allerdings wird auf Kreativität und Individualität wenig wert gelegt. Der Konkurrenzdruck ist teilweise extrem hoch, aber das ist die Welt der Schüler und Studenten. Als Konsequenz ist der Prozentsatz von Schulverweigerern höher als bei uns, was außer am Leistungsdruck auch am Mobbing (ijime) liegen kann.




Shi-nô-kô-shô 士農工商


Bis zum Ende der →Edo-Zeit gab es vier Stände (Schwertadel bzw. Samurai, Bauern, Handwerker, Kaufleute. Der Begriff ist die Abkürzung von bushi (武士), gyô 農業(Landwirtschaft), gei Handwerk (工芸), shônin (商人) (Händler).




Seibo, o- 歳暮 (Bonus und Geschenkesaison im Dezember)


Die zweite der beiden Geschenkeperioden im Jahresverlauf (→chûgen), üblicherweise von Mitte Dezember bis zum 20. Dezember (um nicht in die sehr geschäftigen Tage vor Neujahr zu kommen), heute werden die Präsente bereits ab Ende November verschickt. Man beschenkt Vorgesetzte, überhaupt diejenigen, denen man Dank bzw. Respekt schuldet.




Sembei, o- 煎餅 (Reiscracker)


Senbei/Sembei werden häufig vor den Augen der Kunden hergestellt. Typischerweise sind sie rund mit etwa 10cm Durchmesser und meist hellbrauner Farbe. Sie werden gern als o-miyage (Mitbringsel) gekauft und verschenkt. Normalerweise sind sie hart, aber es gibt sie auch weich und in unterschiedlichen Formen. Traditionell werden sie über Holzkohle gegrillt bzw. geröstet oder gebacken. Sie kommen in verschiedenen Geschmacksrichtungen, indem sie vor dem Grillen mit einer Soße bestrichen werden, häufig Sojasoße mit Mirin (süßer Reiswein zum Kochen). Man bringt sie gern mit, wenn man eingeladen ist und sie werden dann gleich zum grünen Tee gegessen. Es gibt auch süße sembei, solche mit o-Nori, Curry, sogar Schokolade. In Kansai werden sie mit Klebreis hergestellt und sind knusprig (saku-saku), in Kantô mit normalem (uruchimai) Reis, sie sind härter, knackiger.




Sengoku Ära (Jahrhundert der Kriege)→Epochen der japanischen Geschichte





Seppuku  切腹 (ritueller Selbstmord)


Unter Samurai bestand ab dem 12.Jh. die Möglichkeit, bei Gesichtsverlust oder nach Gesetzesübertretung durch rituelle Selbsttötung die eigene Ehre oder die der Familie zu bewahren; es gab insbesondere für herrenlose Samurai (rônin) mittels Seppuku die Möglichkeit, seinem verstorbenen Herrn auf diese, oibara (追腹) genannte, Weise ins Jenseits zu folgen, was General Nogi unmittelbar nach dem Tod des Meiji-Tennô im Jahre 1912 tat. Mit Ende der Edo-Zeit wurde Seppuku ab 1868 verboten. Der im Ausland bekanntere Begriff Harakiri (腹切) bedeutet ebenfalls "Bauch aufschneiden", wird in Japan jedoch nie benutzt.

Soweit bekannt, war der berühmte Schriftsteller Yukio Mishima der letzte, der Seppuku im traditionellen Sinn beging, und zwar am 25.11.1970 nach einem gescheiterten Putschversuch, bei dem es um die Wiederherstellung politischer Macht für den Tennô ging (→Nippon Kaigi).

Weitere Details




Sex, no